Nun doch ins Gefängnis

Lüdenscheid - „Schweren Bandendiebstahl“ warf die Anklage einem 29-jährigen Dortmunder vor, den der Tatort am Mittwochvormittag ins Amtsgericht Lüdenscheid brachte.

Im September 2010 war er an einem Edelmetall-Diebstahl an einem metallverarbeitenden Unternehmen am Gielster Stück in Lüdenscheid beteiligt. Die Beute war üppig: Der Wert des gestohlenen Metalls lag bei 16 000 Euro. Ebenfalls im September 2010 war der Mann an einem Diebstahl in Dinslaken beteiligt, bei dem der Wert der Beute bei 30 000 Euro lag.

Keine Kleinigkeiten, und dennoch stellte das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Leichter das Verfahren gestern vorläufig ein. Der Grund: Am 18. Dezember verurteilte das Amtsgericht Dinslaken den Familienvater zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Zu oft hatte er versucht, aus den Metalldiebstählen ein Gewerbe zu machen und auf diese Weise seine große Familie zu ernähren.

Bei einem Diebstahl in Gladbeck kam die Gefährdung von Polizeibeamten hinzu, als der auf frischer Tat ertappte Angeklagte auf der Flucht den Polizeiwagen rammte. Das hätte auch als räuberischer Diebstahl mit einem erheblich größeren Strafmaß angeklagt werden können.

Gegen die vom Amtsgericht Dinslaken getroffene Entscheidung einer Haftstrafe ohne Bewährung hatte der 29-Jährige vor dem Landgericht Essen Berufung eingelegt. Diese Verhandlungsmasse musste er gestern preisgeben: Einerseits wäre diese zweijährige Haftstrafe bei Einbeziehung der Taten aus dem Jahr 2010 nicht erheblich größer ausgefallen. Andererseits waren Schöffengericht und Staatsanwalt in Lüdenscheid nur dann bereit, das alte Verfahren vorläufig einzustellen, wenn die zweijährige Haftstrafe rechtskräftig würde.

Per Fax nahm der Angeklagte nach diesem Angebot seinen Einspruch vor dem Landgericht Essen zurück. Das Schöffengericht Lüdenscheid stellte das Verfahren daraufhin ein, und die große Familie in Dortmund wird nun andere Wege suchen müssen, um den längeren Ausfall des notorisch diebischen Familienvaters zu finanziell kompensieren. - thk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare