Interne Kritik an Enervie-Kurs

Ivo Grünhagen

Lüdenscheid - Lüdenscheid muss sich offenbar langfristig auf ausbleibende Dividende-Zahlungen des regionalen Energieversorgers Enervie einstellen. Damit würde Kämmerer Dr. Karl Heinz Blasweiler dauerhaft ein jährlicher Betrag von vier Millionen Euro auf der Einnahmeseite fehlen.

Von Florian Hesse

Sehr detailliert hat die Hagner Westfalenpost aus der vergangenen Sitzung des Enervie-Aufsichtsrats berichtet. Demzufolge fordern die Banken von Enervie eine Eigenkapitalquote von 25 Prozent ein. Die aber erreicht die Gruppe nicht mehr nach einem verheerenden Jahresabschluss für 2014 mit der Abschreibung ihrer Kraftwerke. 132 Millionen beträgt das Minus. Die Eigenkapitalquote sinke damit auf 7,2 Prozent, heißt es in dem entsprechenden Bericht. Hintergrund der Situation bei Enervie sind im Wesentlichen Auswirkungen der Energiewende. Die vorhandenen Kraftwerke arbeiten nicht mehr profitabel und sind zur Stilllegung angemeldet.

Steuerungsgruppe

Gewinne seien auch für das Jahr 2015 nicht zu erwarten, was im Lüdenscheider Haushalt bereits seinen Niederschlag gefunden hat. Die Dividende taucht darin nicht auf. Künftiges Problem dürfte werden, dass Enervie-Gewinne auch danach nicht an die Anteilseigner fließen, sondern zur Stärkung des Eigenkapitals im Unternehmen verbleiben würden. Und selbst mit dem dauerhaften Verzicht auf Dividende-Zahlungen bis ins Jahr 2020 komme Enervie auf eine Eigenkapitalquote von lediglich 17,6 Prozent, deutlich weniger als die von den Banken geforderte Quote. Die Kreditgeber, schreibt die Westfalenpost weiter, betrachteten die Situation von Enervie als „sehr kritisch“.

Die angespannte Lage des regionalen Energieversorgers lässt sich auch am Abstimmungsverhalten im Aufsichtsrat ablesen. Nur 10 von 19 Mitgliedern trugen am Ende die Finanzplanung des Enervievorstands mit. Fünf Mitglieder sollen sich enthalten haben. Vier hätten gegen das Zahlenwerk gestimmt, darunter auch der Lüdenscheider Bürgermeister Dieter Dzewas, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates.

In Reaktion auf die schwierige Lage hat der Aufsichtsrat daher eine Arbeitsgruppe „Finanzen und Strategie“ gebildet, die den Vorstand inhaltlich und in politischen Fragen unterstützen soll. Ihr gehören zwei Vertreter aus Hagen an, einer aus Lüdenscheid, einer für Remondis, ein Arbeitnehmervertreter und einer der kleineren Aktionäre. Er betrachte dies nicht als Zeichen des Misstrauens, sondern als Ausdruck der Sorgfaltspflicht angesichts der schwierigsten Situation der Firmengeschichte, wird Enervie-Vorstand Ivo Grünhagen zitiert.

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