„Das Beste aus der Situation machen“

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Schulen in Lüdenscheid ziehen Bilanz

Mit der postalischen Versendung und Ausgabe der Zeugnisse ist am Wochenende die erste Hälfte des aktuellen Schuljahres zu Ende gegangen. Eines Schuljahres, das in den vergangenen drei Wochen ausschließlich im Distanzunterricht ablief. Die Lüdenscheider Schulen ziehen eine Zwischenbilanz.

Lüdenscheid – Eine Hälfte des Schuljahres ging am Freitag vorüber, das in den vergangenen drei Wochen ausschließlich im Distanzunterricht ablief. Und auch zu Beginn des zweiten Halbjahres wird sich daran nichts ändern, denn bis zum 14. Februar wird an den Lockdown-Maßnahmen in jedem Fall festgehalten.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Doch während in der ersten Phase im Frühjahr 2020, welche die Schulen „eiskalt erwischte, noch vieles improvisiert wirkte, haben sie im Verlauf des vergangenen Jahres reagiert – und ziehen nun ein überwiegend positives Fazit der ersten drei Wochen.

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Theodor-Heuss-RS

„Es läuft wirklich gut“, bilanziert Christiane Langs-Blöink, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule. „Wir setzen unseren Stundenplan 1:1 um. Das ist kein Vergleich zum Frühjahr – da liegen Lichtjahre dazwischen“, gibt sie ehrlich zu. Seitdem sei jedoch auch viel passiert. „Wir haben den Herbst genutzt, hatten Lehrerfortbildungen in Bezug auf die Technik und Didaktik. Nach den Herbstferien haben wir dann auch die Kinder geschult, sodass sie für den Distanzunterricht vorbereitet waren.“

Seitdem erfolgt dieser über Videokonferenzen, wobei die Lehrer dabei fast ausschließlich zu Hause sitzen – „und dabei zu 98 Prozent ihre privaten Endgeräte nutzen. Das ist eigentlich ein Skandal“, verweist sie darauf, dass andere Kommunen da weitaus schneller waren. Umso mehr freut es die Schulleiterin, dass alle aus ihrem Team bei dieser Form des Distanzunterrichts dabei sind. „Da bin ich stolz drauf.“ Auch wenn das Lernen auf Distanz den Präsenzunterricht nicht ersetzen könne, versuche man das Beste aus der Situation zu machen. „Da sind wir uns alle der Verantwortung bewusst“, spricht sie auch für ihre Kollegen anderer Schulen. Positiv sei, dass die Schüler durch die Videokonferenzen wieder ein Gegenüber hätten und man als Lehrer auch durch die Hausaufgaben-Zusendung mitbekommen, wenn es Probleme gibt.

Und: Auch wenn der Unterrichtsstoff derzeit nicht 1:1 abgebildet werden könne, so komme man doch voran. Und Langs-Blöink sieht auch Chancen in den neuen Möglichkeiten. „Ich habe schon tausend Ideen, was man auch später ins Digitale auslagern könnte“, verweist sie unter anderem auf den Förderunterricht in Kleingruppen oder Konferenzen. „Warum sollten diese später nicht auch mal digital stattfinden können?“ Und dennoch ist Langs-Blöink im Hinblick auf Unterricht überzeugt: „Präsenz ist einfach das Beste.“

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Theodor-Heuss-RS

Viele gute und positive Rückmeldungen vonseiten der Eltern habe es in den vergangenen Wochen gegeben, erklärt BGL-Schulleiter Dieter Utsch. Mithilfe der Lernplattform IServ gibt es eine klare Struktur. Der Stundenplan wird planmäßig durchgezogen. „Wir erreichen fast alle Kinder. Für die Schüler, die keine gute Internetverbindung haben, bieten wir eine Notfallbetreuung an. Im Vergleich zum vergangenen Frühjahr haben wir einen klaren Schritt nach vorne gemacht“, sagt Utsch und meint damit, dass während des ersten Lockdowns noch vermehrt Arbeitsblätter verschickt wurden.

„Jetzt ist es richtiger Distanzunterricht. Wir bereiten die Kinder wieder gezielt auf die Unterrichtsinhalte vor und haben uns auch Formate überlegt, wie wir Leistungswerte schaffen können“, sagt Utsch. Dabei steht nicht die mündliche Mitarbeit im Vordergrund, sondern vielmehr Audiobeiträge oder Power-Point-Präsentationen. Diese können über IServ hochgeladen werden. Einen Ersatz für den Präsenzunterricht stellt der Distanzunterricht laut Utsch nicht dar. „Trotz der technischen Voraussetzungen ist der Präsenzunterricht nicht zu ersetzen.“

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: GSG

Auch beim Geschwister-Scholl-Gymnasium ist der Distanzunterricht in vollem Gange. Dabei setzt das Kollegium um Schulleiterin Michaela Knaupe auf die von der Landesregierung empfohlene Lernplattform Logineo, die nach Startschwierigkeiten auch mittlerweile voll im Einsatz ist. „Wir haben in den Fachschaften intensive Absprachen geführt, welche neuen Bewertungen wir in Zeiten des Distanzlernens einführen. Es gibt feste Termine für die Abgaben der gestellten Aufgaben“, sagt Knaupe.

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Zeppelin-Gymnasium

Ein großes Lob gibt es vom kommissarischen Schulleiter René Jaques für die Disziplin der Schüler in Zeiten des Distanzunterrichts. „Wir machen derzeit aus der Not eine Tugend. Die Kollegen und die Schüler arbeiten gut zusammen. Es herrscht eine enge Kommunikation.“

Sehr zufrieden zeigt sich Jaques auch mit der Lernplattform IServ: „Das System läuft sehr stabil. Es ist in sich geschützt und sehr restriktiv. Es gibt auch im Tool selber eine Chatfunktion, die die Kinder nutzen.“ Wenn dies Überhand nimmt und die Kinder zu sehr abgelenkt sind, könne der Lehrer die Funktion auch ausstellen, erklärt der Pädagoge.

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: BKT

Das Berufskolleg für Technik arbeitet mit der Plattform Microsoft Teams und zeigt sich damit auch zufrieden. „Wir sind ein technisches Berufskolleg, somit sind unsere Kollegen auch alle gut geschult. Alle haben sich schnell in die Materie eingearbeitet“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Manuela Turk. Es werde weiterhin nach Stundenplan unterrichtet und gearbeitet.

„Solange es keine technischen Probleme gibt, läuft alles nach Plan. Es kam auch schon einmal vor, dass man auf dem Bildschirm für einen kurzen Moment nur in einen schwarzen Raum guckt und keiner antwortet. Aber in der Regel läuft der Unterricht gut“, sagt Turk, die aber klar betont: „Es gibt nichts Besseres als Präsenzunterricht.“

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Hauptschule Stadtpark

„Distanzunterricht ist einfach etwas ganz anderes im Vergleich zum normalen Präsenzunterricht. Gerade unsere Schüler brauchen die sozialen Kontakte und den täglichen Umgang mit den Mitschülern“, zieht Schulleiter Thomas Lammers von der Hauptschule am Stadtpark ein eher durchwachsenes Zwischenfazit nach den ersten drei Wochen Distanzunterricht im neuen Jahr. Die von der Schule angewendete Lernplattform Schoolfox laufe hingegen, sodass der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern zumindest auf digitale Weise aufrecht gehalten wird, erklärt Lammers.

Trotz der schwierigen Situation hat der Schulleiter Verständnis dafür, dass derzeit kein Präsenzunterricht durchgeführt wird. „Corona schürt ja auch Ängste und man hat es immer im Hinterkopf.“ Deswegen sei der Distanzunterricht auch derzeit alternativlos, so Lammers.

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Grundschule Wehberg

Der erste Lockdown habe sie, wie die meisten anderen Schulen auch, „kalt erwischt“, sagt Schulleiterin Bettina Göldner von der Grundschule Wehberg. „In der Zwischenzeit hatten wir die Zeit wirklich gut genutzt. Der Unterricht läuft deutlich besser als Frühjahr. Mittlerweile verwenden wir die Lernplattform IServ. Der Unterricht läuft deutlich besser als Frühjahr. Über das Portal können die Eltern auch in einem geschützten Raum E-Mails an uns senden, sodass wir in einem ständigen Austausch sind.“

Dazu zählen auch Videokonferenzen, die in mehrere Schülergruppen aufgeteilt werden, und Telefonsprechstunden mit den Eltern. „Größtenteils läuft der Distanzunterricht wirklich rund. Es ist wichtig, dass alle zumindest einen Zugang haben und somit auch alle in einem Boot sind.“ Was fehlt, seien die Endgeräte. Manche Kinder hätten nur ein Smartphone zur Verfügung und könnten gewisse Aufgaben nur mit Einschränkungen lösen, erklärt Göldner. Jedoch hätten von insgesamt 206 Schülern in der vergangenen Woche lediglich fünf Kinder ihr Arbeitsmaterial abgeholt, sodass doch die Vielzahl mit der digitalen Lösung den Zugriff auf die Unterrichtsinhalte erhalten.

Frank Bisterfeld (Schulleiter Adolf-Reichwein-Gesamtschule) im Homeoffice.

Distanzunterricht während des zweiten Lockdowns: Adolf-Reichwein-GS

Die Adolf-Reichwein-Gesamtschule setzt in Zeiten des Distanzunterrichts auf die Lernplattform Microsoft Teams. Bereits seit den vergangenen Sommermonaten wurde das Kollegium geschult, um den Distanzunterricht mit all seinen Widrigkeiten bestmöglich durchzuführen, erklärt Schulleiter Frank Bisterfeld. „Es klappt derzeit nur wunderbar, weil wir so viel Eigeninitiative zeigen. Ich bin mit den Kollegen und Schülern außerordentlich zufrieden und Teams ist eine wirklich tolle Plattform. Aber die Form des Unterrichts bedeutet auch einen Dauerstress für uns und die Schüler.“

Bisterfeld sieht aus diesem Grund auch den Distanzunterricht auch nicht als praktikable Dauerlösung an, zumal einige Schüler nicht mit den entsprechenden digitalen Endgeräten ausgestattet sind. „Ich mache der Stadt auch keinen Vorwurf. Das ist eine riesige logistische Aktion, genug Geräte zu beschaffen.“ Dennoch sei seiner Meinung nach keine Eile beim Thema Präsenzunterricht geboten, denn: „Derzeit heißt es ,Safety First‘. Je solidarischer wir sind, desto eher kann auch wieder ein anderer Alltag gelebt werden.“

Rubriklistenbild: © Dieter Utsch

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