Diskussion über Geld und eine „krumme Gurke“

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Seit wenigen Tagen fertig montiert und schon beliebtes Fotomotiv und Zankapfel in einem: der Pendelturm.

Lüdenscheid - Der Pendelturm der Phänomenta wird auf Facebook rege diskutiert. Es gibt offenbar viele Bürger, die begeistert sind. Doch es mehren sich auch Äußerungen, die Unwissen, Skepsis und Ablehnung ausdrücken. Die LN-Redaktion hat eine Auswahl zum Stand der Diskussion getroffen.

Es sollte nur eine kleine harmlose Aufnahme werden. Als der Lüdenscheider Julian Moos (25), der bei der Event-Agentur „Rock inc.“ neben der Phänomenta im Entwicklungs- und GründerCentrum (EGC) arbeitet, zum Dienst kam, gefiel ihm das Herbstmotiv mit Gegenlicht so sehr, dass er auf den Auslöser seiner Handy-Kamera drückte. Sekunden später lud er sein Bild – ohne jeglichen Kommentar – auf der Facebook-Seite „Du bist Lüdenscheider, wenn...“ hoch. Und entfachte damit einen intensiven Austausch über das Projekt Phänomenta-Turm und Foucault’sches Pendel.

„Was zum Geier ist das?“

Eine der ersten Reaktionen kommt von dem Lüdenscheider Werner L., der fragt: „Wer hat den Mist bezahlt?“ Facebook-Nutzerin Mel J. hat darauf keine Antwort, weiß aber wohl noch weniger als Werner L. und hat mutmaßlich noch gar nichts von dem Großprojekt mitbekommen. Ihre Frage lautet: „Was zum Geier ist das?“. Heike A. geht nur zehn Minuten später gar nicht auf die Frage ein, äußert dafür jedoch ernste Bedenken. „Hoffentlich ist das gut durchdacht und fällt nicht beim nächsten Sturm jemandem auf den Kopf.“

Ohne solche Skepsis inhaltlich aufzugreifen, schreibt Reinhard Z. drei Minuten später: „Sieht aus wie eine krumme Gurke.“ Und als Werner L. fragt „Was hat das Ding für einen Nutzen?“, erbarmt sich mit Karl v.O. erstmals ein offensichtlich ortskundiger Nutzer und erklärt nicht ohne Ironie: „Ein Kühlturm. Oben kommen die heißen Diskussionen, die darüber während der letzten Wochen hier geführt wurden, hinein. Unten kommt das Ganze wieder heraus und hat eine angenehme Temperatur. Spass beiseite! Es gehört zur Phänomenta. Ein Foucault’sches Pendel ist ein langes Fadenpendel mit einer großen Pendelmasse, mit dessen Hilfe die Erdrotation anschaulich nachgewiesen werden kann.“ Den Hinweis darauf, dass es sich um ein neues Lüdenscheider Wahrzeichen handelt, kommentiert Werner L. mit dem Wort „Schwachsinn“.

„Wahrzeichen? Schwachsinn!“

Nicht ganz ernst gemeint ist dagegen ein Einwand von Ralf B., der schreibt: „Ewig die gleiche Diskussion. Am besten, die Stadt wäre in den 70er Jahren stehen geblieben und entwickelt sich bloß nicht weiter.“ Thorsten W. schließt sich ihm an und schreibt: „Immer das Gleiche. Wenn nix gemacht wird, wird gemeckert. Wird was gemacht, wird auch gemeckert. Es könnte ja durchaus sein, dass das Pendel, die Brücke und alles drumherum Touristen anziehen.“

Fotoaktion: Von wo sehen Sie den Pendelturm? 

Patryk B. zweifelt sowohl am Sinn der Investition als auch an der Fähigkeit der Baumeister. „1,2 Millionen für so einen Schwachsinn, was bringt uns das Teil? Das Geld hätte man lieber in Straßen oder Schulen oder sonstige sinnvolle Sachen investieren sollen, zumal das Ding ja schon beim Zusammenbauen einmal zusammengekracht ist.“ Antwort von Karl v.O.: „Oh Herr, lass’ Hirn regnen.“ Matthias O. bekräftigt: „Informieren, Nachdenken, Beurteilen. Bitte genau in dieser Reihenfolge!“ Und Nutzerin Kaka L. fasst die Stellungnahmen ihrer Vorgänger zusammen und schreibt: „1:1 die Bemerkungen wie zum Burgaufzug in Altena. Und der ist auch top.“

„Die Entwicklung beginnt ja erst“

Chancen für die Zukunft sieht Facebook-Nutzer Dominik H. „Für unsere Größe ist Lüdenscheid gut aufgestellt. Die richtige Entwicklung beginnt ja erst noch. Am besten noch ‘ne Jugendherberge am Bahnhof.“ In diese Richtung argumentiert auch Thorsten W.: „Wichtig ist, dass die Menschen aus den umliegenden Städten nach Lüdenscheid kommen – und nicht, dass gesagt wird: Lüdenscheid? Da brauchst du nicht hin!“

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Britta H. hat bei der Diskussion über den Pendelturm auch große Vorbilder im Blick. „Mir gefällt es. Und beim Bau des Eiffelturms gab es damals ja auch jede Menge Geschrei. Und was ist es heute?“ Und Peter B. befasst sich mit Aspekten der Stadtentwicklung. „Die noch vorhandenen historischen Bauten müssen sorgsam bewahrt und gepflegt werden. Das ist kein Widerspruch zu neuen Akzenten wie dem Turm. Erst, wenn beides in Einklang gebracht wird, werden die Entwicklungsmöglichkeiten von Lüdenscheid optimal ausgenutzt. In diesem Sinne hoffe ich, dass der Turm ein Erfolg wird.“

„Hoffe auf einen Erfolg“

Doch weiterhin lassen sich einzelne Lüdenscheider von Informationen nur ungern beeindrucken. Guido Q. gehört augenscheinlich dazu. „Nur eine ganz einfache Frage: Haben Lüdenscheider in ihrer Stadt überhaupt noch was zu sagen? Die Brücke zum Beispiel wurde von einem Architekten aus London entworfen, der noch nie in Lünsche war.“

Frank A. hält die Auseinandersetzung für überflüssig. „Ich halte diesen Bau für sehr gelungen. Das ist aber eine Sache des persönlichen Empfindens und somit nicht diskutabel. Alle, die jetzt über die Ästhetik sprechen, hatten die Möglichkeit, ihre persönliche Einschätzung im Planungsprozess einzubringen. Jetzt ist es zu spät.“

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