Kommentar zum Klinikum: "Gar nichts ist in Butter"

Die Geschäftsleitung der Märkischen Kliniken bietet ihrem Kritiker Professor Dr. Gerfried Giebel ein klärendes Gespräch an und lobt bei dieser Gelegenheit gleich noch dessen Arbeit als Unfallchirurg. Dann ist ja alles in Butter?

Gar nichts ist in Butter. Denn man kann und muss viel mehr erwarten als die sich in Allgemeinplätzen ergehende Stellungnahme der Geschäftsleitung. Prof. Giebel hat, wie er nicht müde wird zu betonen, seine Kritikpunkte in den vergangenen Jahren etliche Male dem Management direkt vorgetragen. Reaktionen? Ergebnisse gar? Null. Wozu dann also ein weiteres Gespräch?

Ein Kommentar von LN-Redakteur Willy Finke.

Auch jetzt vermeidet es die Geschäftsleitung in ihrer Stellungnahme konsequent, auf Giebels Kritik einzugehen. Sie beruft sich stattdessen darauf, es handle sich hier um „Betriebs-Interna“. Doch so einfach ist die Sache nicht. Bei allem Respekt vor der Einstellung, nicht alles öffentlich zu erörtern: Das Klinikum Lüdenscheid gehört nicht dem Management, sondern uns – den Bürgern des Märkischen Kreises. Und mit unserem Geld, unseren Steuern, werden die horrenden Defizite der GmbH ausgeglichen. Also ist deren Geschäftsführung auch uns, den Märkern, Rechenschaft schuldig. Stattdessen verweigert sie der Öffentlichkeit konsequent Antworten auf die Giebel-Kritik und verschleiert die offenbar existierenden Probleme im Klinikum nach Kräften. Man kann das durchaus arrogant nennen.

Trotz aller Indizien für Fehlentwicklungen: Es verbietet sich an dieser Stelle, inhaltlich auf Giebels Anmerkungen einzugehen. Dazu fehlt jedem Außenstehenden schlicht der detaillierte Einblick in den Klinik-Alltag. Aber dafür haben wir Bürger ja auch unseren Landrat und den Aufsichtsrat der Märkischen Kliniken. Was von dieser Seite kommt, ist allerdings mehr als beschämend für die Betroffenen: ein inhaltsleeres Statement des Landrats und ein „Wir haben andere Probleme“ des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Apropos Aufsichtsrat: Darf man eigentlich allen Ernstes erwarten, dass ein bunt zusammengesetztes Gremium, dem auch viele Laien angehören, seiner Kontrollfunktion überhaupt nachkommen kann? Ist Überforderung – bei allem guten Willen der Aufsichtsratsmitglieder – hier nicht programmiert? Dem Betrachter drängt sich jedenfalls der Verdacht auf, dass die Märkischen Kliniken zurzeit alles andere als optimal aufgestellt sind. Und es bleibt die Befürchtung, dass weder Management noch Aufsichtsrat die richtigen Antworten auf die großen Fragen der Zukunft des Klinikums geben werden.

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