Direktorin am Amtsgericht: Richterin für die Familien

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Anke Ditzler (48) aus Hagen ist seit Anfang des Monats die neue Direktorin des Amtsgerichts Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Sie bezeichnet sich als entscheidungsfreudig und hat Spaß am Organisieren und Moderieren. Und: „Ich wollte immer schon beide Seiten einer Medaille kennenlernen.“ Deshalb, sagt Anke Ditzler, sei sie Richterin geworden.

Jetzt hat die neue Direktorin des Amtsgerichts Lüdenscheid ihren Schreibtisch eingeräumt und freut sich, am Dukatenweg gelandet zu sein. „Ich bin hier sehr herzlich empfangen worden“, sagt die 48-Jährige. „Jetzt muss ich alles Neue erst einmal wie ein Schwamm aufsaugen.“

Es war der gebürtigen Hagenerin wichtig, in der Region zu bleiben. Schon um der Familie wegen. Ihr Mann praktiziert in Hagen als Arzt, ihre beiden Töchter, 14 und 18 Jahre jung, brauchen die Nähe der Mutter.

Nach dem Studium in Münster und ihrem Referendariat zog es sie zunächst zurück in ihre Heimatstadt, in der sie an der Fernuni als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Arbeitsrecht tätig war. Doch dann bevorzugte sie doch eine Laufbahn in der Justiz, wechselte zum Landgericht Arnsberg, machte Station am Amtsgericht Schwerte, ging nach Iserlohn, sprach Recht am Amtsgericht Schwelm und erlangte 2004 schließlich eine Planstelle im Bezirk des Hagener Landgerichts.

Der Schwerpunkt Strafrecht, mit dem sie zunächst am Landgericht und dann am Amtsgericht Hagen betraut war, stellte eine weitere Episode in der Karriere der neuen Direktorin dar. Die Erprobung in einem Familiensenat des Oberlandesgerichts Hamm ebnete den Weg in ein Fach, für das sich Anke Ditzler offenbar berufen fühlt. Neben „viel Bürokram“ und Personalführung obliegen ihr künftig Familiensachen.

Dass ihr dieses Fach ein persönliches Anliegen ist, hat die Richterin bereits in Hagen unter Beweis gestellt. Mit Pädagogen und dem dortigen Kinderschutzbund rief sie am Amtsgericht den „Arbeitskreis Trennungskinder“ ins Leben, der verschiedene Leitfäden zum Thema Umgangsrecht entwickelt hat. „Darauf bin ich schon ein wenig stolz.“

Anke Ditzler sagt, neben Benotungen und Beurteilungen brauche es auch soziale Kompetenz, um Direktorin eines Amtsgerichtes zu werden. Die stellt sie im Zusammenhang mit einem ganz anderen Thema zweifelsfrei unter Beweis. Die Juristin hatte sich bereits vor einem Jahr um die Stelle in Lüdenscheid beworben. Zwei Monate später erhielt sie eine Krebsdiagnose. Der Antritt verzögerte sich, wurde fraglich. Darüber zu sprechen, scheint der 48-Jährigen wichtig zu sein. „Jede achte Frau erkrankt an Brustkrebs.“ Der Popstar Anastacia hat öffentlich darüber gesprochen, Anke Ditzler tut es auch. „Ich habe Glück gehabt, ich war in guten Händen.“

Auf die Frage, welcher ihr größter Wunsch für die berufliche Zukunft am Amtsgericht Lüdenscheid ist, überlegt die Direktorin ein paar Sekunden. Dann sagt sie: „Dass mein erster Eindruck der richtige ist.“ Sie erlebe hier eine „hohe Solidarität“, das Team sei „super aufgestellt“. Jetzt geht es der Frau aus Hagen darum, Menschen in Lüdenscheid kennenzulernen. Und den Familien und deren Kindern eine gerechte Richterin zu sein.

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