111 Dinge (72): Die Schmiedetage im Bremecker Hammer besuchen

Keine ungefährliche Arbeit wird bei den Schmiedetagen im Bremecker Hammer vorgestellt: Mit 1200 Grad lodert dem Schmied die Hitze entgegen.

LÜDENSCHEID - Das Gebäude wirkt auf den ersten Blick wie einer von diesen Orten, an denen die Zeit stehen geblieben ist. Verlassen. Vergessen. Einsam. Wenn da nicht dieses beständige Wummern wäre. Wie der monotone Singsang einer nimmermüden Maschine. Wie das permanente Dröhnen eines Hammers, der auf seinen Amboss fällt.

Von Jutta Rudewig

Des Bremecker Hammers, dessen Betrieb mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert dem wachsenden Bedarf an Eisen und Stahl Rechnung trug. Mehrmals im Jahr erwacht das Schmiedemuseums aus seinem Dornröschenschlaf an der Brüninghauser Straße. Dann legt sich die engagierte Helfermannschaft um Kunstschlosser Dietmar Conradt ins Zeug und zeigt, auf welch Schweiß treibende Weise unsere Vorfahren ihrem Tagwerk nachgingen.

Fünf Vorführungen schafft Dietmar Conradt am Tag, mehr ist körperlich nicht drin. Und dabei geht der Kunstschlosser nicht gerade zimperlich mit seinem Arbeitszeug um. Schweiß perlt von seiner Stirn, wenn er in der stickigen Luft der Schmiede das glühende Eisen aus der Esse nimmt. Mit 1200 Grad lodert ihm die Hitze entgegen.

Adresse des Schmiedemuseums Bremecker Hammer: Brüninghauser-Str. 95
58513 Lüdenscheid
Telefon: 023 51/17 14 96
E-Mail: museen@luedenscheid.de
Öffnungszeiten:
vom 1. Mai bis zum 15. Oktober:
Freitag: 14 bis 17.30.
Samstag, Sonntag und Feiertag: jeweils von 10 bis 17.30 Uhr
Eintritt: frei
Führungen: nach telefonischer Voranmeldung

Ein nicht ungefährliches Hobby, in dem der Schlosser aufgeht. Der Hammer fällt mit wuchtigen Schlägen auf das Eisen, Funken sprühen umher und verglühen, noch bevor sie am Boden sind. Conradt und seine Helfer schmieden den Klassiker am Bremecker Hammer. Aschenbecher, die schon der verstorbene Kustos des Bremecker Hammers, Willy Binczyk, unermüdlich anfertigte. Wer möchte, kann einen dieser Aschenbecher kaufen. Hin und wieder fertigt der Kunstschlosser auch kleine Auftragsarbeiten an. Aber nicht dann, wenn „Besuch da ist“. Dann gibt‘s nur Aschenbecher.  Noch ist man am Schmiedemuseum in der glücklichen Lage, den Kommerz nicht in den Vordergrund schieben zu müssen. Der Mannschaft geht es einzig darum, ein vergessenes Handwerk wieder in die Erinnerung zu rufen. Stolz sind die Unermüdlichen im Schmiedemuseum, wenn die Besucher mit staunenden Augen zusehen und einen Schritt zurückweichen, wenn die Funken sprühen.

Der Besuch der Schmiedetage ist ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt, auch wenn der Geruch von Feuer und glühendem Eisen lange schon verweht ist.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare