111 Dinge (71): Bei einer Stadtführung in Lüdenscheids Vergangenheit eintauchen

Günter Rövenstunk mit der kleinen Glocke „St. Josephus“ aus dem Jahre 1887.

LÜDENSCHEID - Eine lehrreiche Reise in Lüdenscheids Historie bietet der Stadtführerdienst der Stadtverwaltung allen Interessierten. Dass es bei der rund eineinhalbstündigen Tour nicht nur um trockene und ernste Vermittlung von Daten und Fakten geht, beweist Günter Rövenstrunk.

Von Wolfgang Kleinfeld

Seit 19 Jahren aktiver Stadtführer, verblüfft er seine Gruppe am Modell des ältesten erhaltenen Stadtplans gegenüber dem Stern-Center-Eingang an der Wilhelmstraße. „Dies ist der Punkt Lüdenscheids, von dem man früher den weitesten Ausblick hatte – bis zur Nordsee.“ Die ungläubigen und skeptischen Blicke wandeln sich schnell in Gelächter, als er auf das früher im nebenstehenden Inselhaus untergebrachte gleichnamige Fischrestaurant verweist. Da bleibt so manchem gleich besser im Gedächtnis, dass der Architekt J.M. Moser den Stadtplan nach dem letzten großen Stadtbrand im Jahre 1723 angefertigt hat.

In den Monaten April bis Oktober bietet der Stadtführerdienst der Stadt Lüdenscheid jeden ersten Donnerstag um 17 Uhr und jeden dritten Sonntag im Monat um 11:15 Uhr regelmäßige Stadtführungen an. Treffpunkt ist der Rathauseingang am Rathausplatz. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Teilnehmer zahlen drei Euro pro Person, Kinder bis 12 Jahre sind frei. Weitere ausführliche Informationen über die verschiedenen Angebote von Führungen in Lüdenscheid finden Interessierte unter www.luedenscheid.de.

Während der Innenstadt-Altstadt-Führung, die am Rathaus beginnt, hält Rövenstrunk selbst für Lüdenscheider viele interessante Neuigkeiten bereit. Nur zwei Beispiele: Auf dem Rand des munter sprudelnden Neumann-Brunnens auf dem Sternplatz zeigt er das älteste Stadtsiegel der Bergstadt aus dem Jahre 1351. Wer mag, kann sich später sogar das Original anschauen: Es ist als Leihgabe in der Schausammlung des städtischen Museums zu bewundern.

Und in der Kirche St. Joseph und Medardus präsentiert er eine der ersten beiden Glocken, die im ehemaligen Dachreiter der Kirche läuteten. Gegossen 1887 von der Firma Petit und Gebrüder Edelbrock in Gescher/Westfalen, lautet die Inschrift auf der damals 1,10 Mark per Pfund teuren Glocke: „St. Joseph ist mein Name, ruf’ dich gern alle Tage.“

Angesichts der Fülle weiterer Details aus Lüdenscheids Stadt- und Industriegeschichte, die Rövenstrunk preis gibt, zeigen sich einige Teilnehmer sichtlich überrascht, wie schnell eineinhalb Stunden vergehen können – und der Applaus für den Stadtführer belegt, dass der Spaziergang in die Vergangenheit gefallen hat.

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