111 Dinge (97): Lüdenscheid-Souvenirs suchen und stilecht in die Welt schicken

Wonach riecht Heimat? Wie schmeckt Erinnerung? Was zaubert ein Lächeln aufs Gesicht, wenn der Blick darauf fällt? Was kombiniert augenzwinkernd Stolz und Vorurteil? Kurz: Was würde ein Immer-Noch-Lüdenscheider einem Ex-Lüdenscheider zu Weihnachten, zum Geburtstag oder einfach mal so in die Ferne schicken?

Auf solche Fragen hält die Bergstadt viele Antworten bereit. Erdbeermarmelade aus dem Schrebergarten der Eltern, ein Glas mit Herbstluft von der Klamer Brücke, ein gepresstes Wildblümchen von der Homert, ein Fläschchen Volmewasser. Das ist das Eine. Alles andere kann man kaufen: Zuerst eine geräumige Tasche mit Lüdenscheids größtem Kussmund (alternativ die nachtschwarze FlapBag mit “Stadt des Lichts”-Logo). Die erste Krawatte (mit Stadtstreifen) für den Studenten passt da rein. Der Lichtkugelschreiber für nächtliche Ideen. Der Kaffeebecher in genug Designvarianten für jeden Wochentag. Nützliches und Neckisches eben. Frühstücksbrettchen mit “Leckerbütterken”-Schriftzug sortieren Puristen natürlich aus, weil’s in der Serie Ruhrgebietssprüche läuft.

Aufs Sauerland-Monopoly verzichten Lokalpatrioten auch: Das Lüdenscheid-Feld ist weniger wert als das Iserlohner. Die Lücken lassen sich lecker füllen. Mit frischem Holzofenbrot aus dem Backes, haltbarem Schwarzbrot vom Bäcker nebenan, mit Magenbitter aus der Stammapotheke oder Medardusbräu, mit Nougat-Pflastersteinen oder Kalorienbömbchen samt Wahrzeichen-Zuckerdruck. Oder man packt gleich das Lüdenscheid-Kochbuch ein. Das zerbricht nicht, läuft nicht aus, schmilzt nicht. “Klares” Versewasser, Onkel-Willi-Tee, fairer Lüdenscheid-Kaffee, Sekt mit Stadtsilhouetten-Etikett und “Schnapsnasen” werden gerne persönlich überreicht.

Oder von Profis verpackt: Präsentpakete und -körbe schicken heimische Feinkosthändler oft vor Weihnachten in die Welt. Dorthin, wo Lüdenscheider auch zuhause sind. Dorthin, wo Lüdenscheider Produkte längst zum Alltag gehören - bis hin zum Siku-Auto. Deshalb darf die Stadt selbstbewusst in einem Schriftzug mit Las Vegas und Tokio, mit Kopenhagen und Kapstadt, Sydney und Zürich knallbunt auf Brillenputztüchern, Feuerzeugen oder Handyhüllen ins Auge stechen. Das ist Signal und Sympathiebekundung zugleich.

Abseits dieser neudeutsch “City-Products” genannten, geschickt lokalisierten Souvenir-Palette gibt’s auch Edles mit Lokalkolorit zu entdecken: Armbanduhren mit Motiv-Zifferblättern aus der Goldschmiede Gabler, der silberne “Bergstädter”-Anhänger von Goldschmied Friedhelm Labza, ein Silberring mit Wahrzeichen auf farbigem Keramikband, eine Idee von Susanne Meister (“Chapeau Claque”).

Eines aber ist bei der Suche nach bleibenden Erinnerungen unerlässlich: Zeit und Lust zum Stöbern und Entdecken. So lernt auch der Einheimische die Stadt und ihr Angebot mal wieder so richtig kennen. Und schätzen. - Susanne Kornau

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