111 Dinge (96): Eine Wanderung mit den Naturfreunden unternehmen

Der “Neue” wird gleich mitgenommen, ohne große Worte. Mit der Linie 61 geht’s vom Kulturhaus bis Borbecke, und dort wartet schon Walter Becker, Wanderführer für die heutige Strecke, die sich die Naturfreunde vorgenommen haben. Diesmal gehen die Männer mal für sich, die Frauen wandern parallel auf anderen Wegen, von der Fuelbecke nach Altroggenrahmede. “Da können die mal über uns lästern und wir hier über sie”, sagt einer und lacht.

Bei uns Männern geht’s gleich steil bergauf. Schnell liegt Borbecke unter uns, wir biegen in der Ortschaft Dösseln kurz vor dem Hof von Bauer Crone links ab und schreiten munter und recht zügig hoch Richtung Hölzerne Klinke. Respekt: Alle acht Herren sind in guter Form, was bei einem Alter zwischen rund 60 bis 90 ja nicht unbedingt selbstverständlich ist. “Die Jugendlichen sind bei uns über 60”, schmunzelt Bernd Korte, seit 40 Jahren Vorsitzender der Naturfreunde Lüdenscheid und Bundesfachgruppenleiter für den Bereich Touristik/Camping.

1895 wurde der Verein Naturfreunde aus einer Arbeiter-Bewegung heraus in Wien gegründet. Ziel war und ist der Schutz von Natur und Umwelt. Die Wanderungen werden regelmäßig in den LN angekündigt.

Wir bleiben kurz stehen und genießen einen herrlichen Blick weit übers Versetal hinaus. Am Horizont ist die Sauerlandlinie zu erkennen, dahinter noch schemenhaft die Worth. “Von jedem Berg bietet sich ein anderes Panorama”, freut sich Edgar Schüssler (82), der kürzlich Geburtstag hatte. Wenn’s mal ein wenig zu anstrengend wird, legt er eine kurze Verschnaufspause ein und weiter geht’s. “Das tut einfach gut”, sagt der erfahrene Wanderer, der vor einigen Jahren noch über 2000 Meter hohe Berge in den Dolomiten erklommen hat.

Der älteste Naturfreund in der Runde ist Alfred Weyer. Der 90-Jährige hat keine Mühe, auch die beiden “Schikanen”, wie sie Wanderführer Walter Becker schmunzelnd nennt - dahinter verbergen sich ein recht steiler Anstieg und ein Abstieg quer zum abfallenden Hang - nur mit Spazierstock ausgerüstet, zu nehmen. Nach zwei Stunden, in denen wir uns meist querfeldein zwischen der tief unter uns gelegenen Werdohler Landstraße und dem Höhenweg über uns bewegen, kommen wir im Augustenthal an der alten Schule an, überqueren die B 229 und erreichen unser Ziel - das Vereinsheim des TV Augustenthal. Dort erwartet uns Sozialwart Günter Hessmert mit einer Handvoll weiterer Naturfreunde.

“Wir sind die Fußkranken, die zurzeit nicht so fit sind und haben nur hier unten eine kleine Runde gemacht”, begrüßt er erfreut seine Kollegen. Bei Frikadellen, Mettwürstchen, belegten Broten und einem kühlen Getränk klingt die Wanderung aus. Wir haben alles erlebt, was einen Streifzug durch die Natur ausmacht. Noch ist’s sonnig, aber der Wind weht schon erste Blätter von den Bäumen und kündigt den nahenden Herbst an. Aber auch der hat ja bekanntlich seinen Reiz - für die Naturfreunde allemal. - Martin Messy

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