111 Dinge (91): Auf den Spuren des Kunstschmieds K.T. Neumann durch die City streifen

Im Sommer 2009 baten die LN ihre Leser um Mitteilung, wer in Lüdenscheid noch ein echtes K.T.-Neumann-Werk besitzt. Die Resonanz war beeindruckend, und es wurde deutlich, wie umfangreich die Spuren des Kunstschmieds in den Wohnungen und Gärten der Lüdenscheider sind: Treppengeländer, Fenstergitter, Skulpturen, Wandreliefs und vor allem fabelhafte Tiere schmiedete Neumann für die Freunde seiner Kunst.

Nicht anders steht es um seine Werke im öffentlichen Raum. Das herausstechendste von ihnen ist der Brunnen auf dem Graf-Engelbert-Platz, der auf seinen Reliefs die Geschichte des Stadtgründers erzählt. Munter plätschert das Wasser aus den Mäulern der vier gezähmten eisernen Ungeheuer.

Sehr präsent ist K.T. Neumann in der Innenstadt auch mit seinen prächtigen schmiedeeisernen Gewerbebildern. Die Gaststätte „Der Kleine Prinz“ wirbt an der Luisenstraße mit einer Darstellung von Saint-Exupérys Figur über der Tür - Motive des Buches umrahmen sie. Die goldene Brezel an der Gaststätte Schwejk stammt noch aus der Zeit der einstigen Bäckerei Strunck.

Sie wirkt wie das i-Tüpfelchen in einer Altstadt-Umgebung, die mit ihren engen Gassen und der Bebauung rund um die Erlöserkirche noch am ehesten die romantischen Wünsche von Besuchern zu erfüllen vermag. Ebenfalls aus dem goldenen Zeitalter der kleinen Einzelhändler stammt das schmiedeeiserne Schild der Fleischerei Feckter (Luisenstraße).

Geboren wurde K.T. Neumann am 15. Mai 1919 in Jarotschin, Kreis Posen. Zusammen mit den Eltern zog er kurz darauf nach Goldberg in Schlesien. Angeregt durch kunsthandwerkliche Arbeiten in der Schlosserwerkstatt seines Vaters, machte Neumann eine Schlosserlehre und studierte von 1936 bis 1939 an der „Schule für angewandte Kunst“ in Breslau. Am 30. Juli 1945 kam K.T. Neumann nach Lüdenscheid. Die Stadt verlieh ihm 2010 ihre Ehrenplakette. Neumann starb am 3. Juni 2012 in Berlin.

Die Szene zeigt Neumanns augenzwinkernden Humor, auch wenn die Szenerie für Tierfreunde tragisch wirken mag: Ein Metzger hält ein Schwein an seinem Ringelschwanz fest; die Instrumente darunter machen deutlich, dass es sich hier um einen Kampf auf Leben und Tod handelt: Beil und Messer drohen dem armen Borstenvieh. An prominenter Stelle und nicht weit von Waldemar Wiens „Onkel Willi“ wirbt eine ebenfalls sehr vergnügliche Darstellung der Wirtin Hulda Brüninghaus für das Haus Hulda am Sternplatz.

Äußerst resolut wirkt die Dame, die K.T. Neumann mit einem Weinglas auf dem Tablett auf den Gast zuschreiten lässt: zackig, hochhackig und formvollendet. Zu ihren Füßen findet der aufmerksame Betrachter drei kleine Initialen, mit denen der Künstler an sich selbst erinnert: KTN. Immer scheint in diesen Schildern und Gestalten der Hauch eines heimeligen Lüdenscheids auf, in dem Händler und Gastwirte noch genügend Zeit fanden, mit ihren Kunden zu plaudern. - Thomas Krumm

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