111 Dinge (90): Beim größten Flohmarkt des Sauerlandes einen Stand aufbauen

Es ist noch stockfinster, als es am Sonntagmorgen schon gegen 5 Uhr losgeht. Allerhand Kisten werden neben dem Tapeziertisch im Auto verstaut. Klappstühle dürfen ebenso wenig fehlen wie die Thermoskanne mit heißem Kaffee, um die nächsten Stunden zu überstehen.

Das Ziel ist der Stadtfestflohmarkt, der sich durch einen großen Teil der Innenstadt erstreckt. Zahlreiche Menschen bauen schon vor Sonnenaufgang ihre Waren auf mitgebrachten Tischen auf. Auf den ersten Blick herrscht pures Chaos: Anders als sonst wimmelt es von Autos in der Fußgängerzone. Während die Einen noch ein freies Plätzchen für ihren Stand suchen, haben Andere ihr Angebot bereits auf den Tischen vor sich platziert. Zahlreiche Ordner sorgen dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sie weisen den richtigen Weg und ermahnen diejenigen, die mit ihren Autos die Durchfahrt blockieren.

Bald schon steht der Tapeziertisch. Schönes, mehr oder weniger Nützliches oder einfach Skurriles findet seinen Weg darauf und hoffentlich bald einen Käufer. Unser Trödel wurde von Mitarbeitern der Lüdenscheider Nachrichten zusammengetragen und soll jetzt zugunsten des gemeinnützigen Vereins Glücksbringer an den Mann gebracht werden.

Der Trödelmarkt findet immer sonntags von 11 bis 20 Uhr im Rahmen des Stadtfests statt und wird von Günter Isemeyer und Arno Seltmann organisiert.

In großen Kisten verbergen sich Bücher vom hochwertigen Bildband bis zum Ratgeber “Wie werde ich Unternehmer?” im Taschenformat. Weihnachtsdekoration findet ihren Platz neben kleinen Puppen und der noch nie verwendeten Computermaus. Schon bald stellt sich heraus: Einen Stand auf dem Flohmarkt zu haben ist Kommunikation pur. So mancher, der an diesem Tag das Angebot sichtet, ist wohl weniger auf ein Schnäppchen als vielmehr auf einen kleinen Plausch aus.

Obwohl der gesamte Erlös für den guten Zweck gedacht ist: Knallhartes Handeln gehört für viele Besucher trotzdem dazu. Aber anders als bei den benachbarten Ständen ist so mancher auch bereit, etwas mehr zu geben. Nach dem Start in totaler Dunkelheit geht bereits kurz nach dem Aufbau die Sonne auf. Allerdings hält sich das Wetter nur bis mittags.

Immer mehr Wolken ziehen auf, schließlich prasseln die ersten schweren Tropfen auf den Trödel und auch auf unsere Köpfe. Obwohl Plastikplanen und Regenjacken schnell bei der Hand sind, dauert es nicht lange, bis alles durchnässt ist. Ein kräftiger Wind tut sein übriges, um den Schaden an Büchern, Figuren und anderem Kram noch zu vergrößern. Da auch immer weniger Kunden den Weg in die Innenstadt finden, wird alles wieder in die mittlerweile völlig durchweichten Kartons gepackt und ins Auto verladen.

Auch andere Stände werden abgebaut. Viele trotzen aber dem Wetter, blicken unter ihrer Kapuze in den den strömenden Regen und warten weiter geduldig auf den Nächsten, der sich für ihren Trödel interessiert. - Andrea Mackenbruck

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