111 Dinge (87): Bei einem Skatturnier mitmachen

Heute mag das kaum noch einer glauben, aber von 1965 bis 1972 gab’s eine Serie im Fernsehen, in der drei Männer an einem schmucklosen Tisch saßen und Skat spielten. 25 Minuten dauerte jede Folge. Die Kamera verfolgte die Spiele. „18, 20 - nur nicht passen“, hieß die Sendung. Heute wäre so etwas undenkbar, aber Skat wird immer noch ausgiebig gespielt, auch wenn sich Vereine und Clubs inzwischen Sorgen um den Nachwuchs machen.

Ein Samstagnachmittag, 14 Uhr in der Timbergstube in Wettringhof: Zehn Skat-Fans haben sich zum Preisskat der Skatfreunde Lüdenscheid eingefunden. Gespielt wird nach den Regeln des Deutschen Skatverbandes (DSKV), in zwei Serien - am Dreiertisch 36 und am Vierertisch 48 Spiele. Das bedeutet, nur von einer kurzen Pause unterbrochen, fünf Stunden konzentriertes Kartenspielen. Das Motto der damaligen Fernsehserie „18, 20 - nur nicht passen“ sollten Turnierspieler allerdings besser nicht beherzigen. Denn am Tisch sitzen nur erfahrene Spieler, wie zum Beispiel der derzeitige Vorsitzende Dieter Schüller und Sprecher Karlheinz („Kalle“) Gall.

Nur nicht passen und einfach mal drauflos reizen - das wird bitter bestraft. Denn die beiden haben die Blätter der Mitspieler oder Gegner - je nachdem, ob sie passen mussten oder selbst das Spiel machen - immer im Kopf. Das ist das Geheimnis des Skatspielens - das genaue Verfolgen der Farben, das Speichern der Spielzüge, das Fortführen der angedeuteten Strategien. Deshalb kommen, wenn das Spiel vorbei ist, nicht selten kurze und knackige Analysen wie diese vor: „Wenn Du mir Herz eher gezeigt hättest, hätten wir gewonnen“, oder: „Du musstest den König halten. Den hätten wir noch nach Hause bekommen. Dann wäre das Spiel auf der Naht geplatzt und wir hätten 60 Augen gehabt“. oder: „Warum hast Du nicht weiter Kreuz gespielt, dann hätte er stechen müssen.“ Ja, „hätte“, „wäre“, „wenn“ - war aber nicht.

Nicht nur die Skatfreunde Lüdenscheid, die dienstags ab 19 Uhr zu Trainingsabenden in die Timbergstube einladen (Infos bei Dieter Schüller, Tel. 79620, oder Karlheinz Gall, 4320420) veranstalten Skatturniere. Auch andere Vereine oder Clubs laden dazu ein. Die Termine werden in den LN bekanntgegeben.

Dennoch macht auch das kurze Diskutieren danach das Skatspielen eben gerade zu der reizvollen Geschichte, die diesen Denksport prägt. Mancher mag müde darüber lächeln, Skat mit Sport in Verbindung zu bringen. Doch wer ein fünfstündiges oder gar längeres Turnier konzentriert gespielt hat, dem raucht schon der Kopf ob der immer wieder neuen Konstellationen und Herausforderungen.

Der Verfasser dieser Zeilen, schon seit gut drei Jahrzehnten im Freundeskreis aktiv, wird an diesem Tag in der Timbergstube Dritter, was die Profis mit einem anerkennenden Kopfnicken quittieren. Vor vielen Jahren aber war’s bei einem anderen Turnier auch schon mal der letzte Platz. Womit wir beim Glück sind: Das gehört nämlich auch dazu. In diesem Sinne - gutes Spiel! - Martin Messy

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