111 Dinge (84): Friedhofsspaziergang auf den Spuren bekannter Lüdenscheider Fabrikanten

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Der Zahn der Zeit hat zum Teil schon heftig genagt an den Grabsteinen und Skulpturen. Moos hat sich über die eingravierten Namen gelegt in all den Jahren, Schriftzüge sind mitunter nur schwer zu erkennen. Aber nähert man sich den mitunter in großen Grabsteinen eingelassenen Namen ein wenig mehr, dann erkennt man sie und ein Stück Industriegeschichte der Stadt Lüdenscheid tritt ebenfalls hervor.

Ein Gang über den evangelischen Friedhof an der Mathildenstraße mit Blick auf die teils kunstvoll gestalteten Grabstätten der Fabrikanten zeigt, wie wichtig es den Angehörigen war, die Leistungen, die die Turcks, Noelles, Hüttemeisters, Assmanns und Selves – um nur einige zu nennen – zum Aufbau der metallverarbeitenden Industrie Lüdenscheids beigetragen haben, gebührend zu würdigen und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Sicherlich am beeindruckendsten ist das Mausoleum der Familie Selve mit den in Ton gemeißelten Köpfen der Selves, allen voran Gustav Selve, der schon vor dem 1. Weltkrieg einer der herausragendsten Industriellen war und bereits Sozialleistungen für seine Beschäftigten einführte. 1888 wurde er zum Kommerzienrat ernannt. Er starb 1909 und hatte bis dahin den väterlichen Betrieb zu einem großen Konzern ausgedehnt, der weit über die Stadtgrenzen hinausging.

Neben dieser jedem Besucher ins Auge fallenden Grabstätte auf dem alten Friedhof, zieht die wunderschöne Skulptur der Familie Assmann auf dem neueren Teil an der Dammstraße die Blicke auf sich. Die Herstellung von Knöpfen und Orden war das Markenzeichen der weit verzweigten Familie. Gleich gegenüber ist das Grab der Familie Leopold Kostal. Erst kürzlich feierte das erfolgreiche Familienunternehmen 100. Geburtstag.

An dieser Stelle ist bei weitem nicht genug Platz, alle Firmengeschichten zu erzählen, die Lüdenscheid zwischen der wilhelminischen Epoche bis zur Weimarer Republik geprägt und zur Industriestadt gemacht haben. Aber ein Gang über den Friedhof weckt das Interesse, sich mit den für die Stadt so bedeutenden Familien zu beschäftigen und dem Rundgang über den Friedhof einen Besuch des Stadtarchivs oder der Stadtbücherei folgen zu lassen und sich weitere Informationen über die Zeit einzuholen, als die längst Verstorbenen die Geschichte Lüdenscheids prägten – weit über ihren Tod hinaus.

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