111 Dinge (65): Eine Mittagspause im Rosengarten verbringen

Wenig Rosen, aber trotzdem viel Flair: Der Rosengarten ist ein beliebter Mittagspausen-Treffpunkt.

Die Sonne brennt vom Himmel, in der Innenstadt schlendern die Menschen gemächlich durch die Wilhelmstraße und suchen sich ein Plätzchen, um die Mittagspause im Freien zu genießen.

 Im Rosengarten verteilen sie sich auf den Bänken rundum, schlecken ein Eis, essen einen kleinen Happen oder schließen einfach die Augen und lassen für eine Stunde die Seele baumeln. Einen „Hauch von Dolce Vita“ machte schon vor knapp zehn Jahren ein LN-Redakteur aus, als der Rosengarten Ende September 2002 im Rahmen der „LichtRouten“ eröffnet und gleich entsprechend illuminiert wurde. Hatte es im Vorfeld auch nicht an Kritik gemangelt und war doch eine Steinwüste befürchtet worden, die den Platz hässlich und kalt erscheinen lasse, so gehört dies längst der Vergangenheit an. Schnell beruhigten sich die nörgelnden Geister, als sich der Platz nach und nach immer mehr zu einem beliebten Treff- und Verweilpunkt mitten in der Stadt entwickelte.

Im August 1999 forderten die Politiker Ideen für eine Neugestaltung der Fläche, die schlicht als „nicht mehr schön“ galt. Bis das Konzept für den neuen Rosengarten allerdings stand, dauerte es noch einmal knapp zwei Jahre, denn immer wieder kam es zu kontroversen Diskussionen über die endgültige Umsetzung. 3200 Quadratmeter misst der Rosengarten von Haus zu Haus. Mehr als 1000 sind gepflastert, auf einer Gesamtlänge von 160 Metern wurden Stufenelemente in unterschiedlicher Größe verbaut. Inzwischen ist der Rosengarten neben dem Graf-Engelbert-Platz, dem Rathaus- und dem Sternplatz einer von den vier großen Innenstadtplätzen, die das Stadtbild prägen.

 Die Wassertreppe zur Schillerstraße zieht Kinder magnetisch an, wenn sie denn funktioniert. Auf der lang gezogenen Treppe vor dem Brauhaus, wo prächtige Kastanienbäume Schatten spenden, sitzen Schüler, nachmittags und abends kicken auch schon einmal Kinder vor den Ball oder eine kleine bunt zusammengewürfelte Band macht Straßenmusik.

 Doch bleiben wir bei der Mittagspause: Männer in Anzügen sitzen auf Bänken und Treppen, Rentner quatschen über dies und das, Einkaufstaschen zu ihren Füßen. Mehrere griechische Mitbürger diskutieren gerade lautstark miteinander, rauchen dabei die eine oder andere Zigarette und gestikulieren wild. Ob’s um die Wirtschaftskrise im Heimatland geht, ist nicht auszumachen. Es könnte auch um Fußball gehen. Aber dies alles zusammen macht das Flair aus, das den Rosengarten inzwischen so beliebt gemacht hat. Einige Mittagspäusler dösen ein wenig vor sich hin, sind fast eingenickt. Andere gucken schon wieder auf die Uhr. Eine Stunde kann ganz schön kurz sein. Die Arbeit ruft, der Bus wartet nicht. Aber der Rosengarten bleibt und damit die Hoffnung auf die nächste schöne Mittagspause bei geradezu mediterranem Flair. Wenn doch nur das Wetter häufiger mitspielen würde.... Martin Messy

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