111 Dinge (62): Einmal im Jahr ist Homert-Bergsingen. Erst wandern, dann lauschen

Am Fuße des Homertturms versammeln sie sich: Chöre der Stadt geben sich einmal im Jahr hier in der freien Natur ein Stelldichein. Dass zwischen Erbsensuppe und Kuchenbüfett auch volkstümliches Liedgut serviert wird, liegt auf der Hand.

Nebel liegt zwischen den bemoosten Baumstämmen, durch die leise Gesprächsfetzen dringen. Und während sich zaghafte Sonnenstrahlen den Weg durch die Baumkronen zu bahnen suchen, treten die ersten Wanderer auf die Lichtung. Ein fröhliches Lied auf den Lippen, gehen sie dem Geruch frischer Erbsensuppe nach, grüßen hier ein bekanntes Gesicht, halten dort nach Freunden Ausschau. Man trifft sich gern, einmal im Jahr am Fuß des Aussichtsturmes. Es ist wieder „Homert-Bergsingen“ – und das Programm verspricht viel.

Einmal im Jahr - so wie morgen ab 10.15 Uhr - laden der Sauerländische Gebirgsverein (SGV) sowie der MGV Union Oberrahmede zum Homert-Bergsingen ein. Der Aussichtsturm wurde 1894 unter der Regie des SGV errichtet und dient seit jeher ausschließlich dem Zweck des „Seh-Vergnügens“. Das stellt sich auf 539 Metern Höhe fast automatisch ein. Geöffnet ist der Homertturm allerdings nur am Wochenende. Der Eintritt kostet 50 Cent für Erwachsene und 20 Cent für Kinder. Erreichbar ist die Homert von Lüdenscheid-Sauerfeld aus mit dem „Wanderbus“ Linie 252 der MVG in der Regel von Mai bis November. Abfahrtszeiten sind abrufbar unter www.mvg-online.de.

 Ein ökumenischer Gottesdienst geht dem Geschehen voraus, das sich – na klar – in erster Linie ums Singen rankt. Verschiedene Chöre aus dem Sängerkreis Lüdenscheid sind es stets, die für den buchstäblich guten Ton unter freiem Himmel sorgen. Und Letzterer reißt von Stück zu Stück immer weiter auf, bis schließlich die Sonne den Platz erwärmt, auf dem die aufgestellten Bierzeltgarnituren längst von hunderten Besuchern besetzt sind.

 Teils getragen, meist volkstümlich, dann und wann auch mit einem Jodler versehen ist das Gesungene, dem Zuhörer lauschen, die sich – wie die Sänger selbst – einmal nicht „ausgehfein“ gemacht, sondern derbes Schuhwerk und Rucksack geschnürt haben. Beim „Homert-Bergsingen“ geht es schließlich nicht nur um die Musik, sondern auch ums Wandern. Verschiedene Touren bietet der Mitveranstalter Sauerländischer Gebirgs-Verein (SGV) für all diejenigen an, die nicht den ganzen Tag im Schatten des Turmes verbringen möchten – obwohl schon allein die Bewirtung dort Abwechslung verspricht. Kartoffelsalat, Sülze und Erbsensuppe gibt es, aber auch Süßes vom großen Büfett mit allerlei Selbstgebackenem aus den privaten Öfen. Inzwischen ist es Nachmittag geworden auf der Homert, und die Gastchöre des Mitorganisators, MGV Union Oberrahmede, rücken eng beisammen, um gemeinsam einige Lieder zum Abschluss anzustimmen. Doch wirklich Schluss ist damit längst nicht, finden sich doch immer wieder Solisten, die mit den Gästen gemeinsam singen, lachen, sie und sich unterhalten – bis der letzte „Homert-Shuttle“ vom Deutschen Roten Kreuz talwärts rollt und auf der Lichtung wieder Ruhe einkehrt. Corinna Bunte

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