111 Dinge (61): Den Turm der Schützenhalle besteigen

In einer Bergstadt gibt es viele hohe Punkte, wo einem der Wind um die Nase weht. Den schönsten Rahmen für einen Ausblick bekommt der Schwindelfreie vom Turm der Schützenhalle.

Der Turm der Schützenhalle auf dem Loh, Reckenstraße 6, lässt sich nur auf Anfrage und begleitet besteigen. Kontakt über die Homepage: www.lsg1506.de. Eine Terminabsprache ist auch per E-Mail möglich unter info@lsg1506.de oder – mit dem Vorstand beim nächsten Schützenfest (1.bis 8. Juli).

Etwas Anstrengung erfordert es schon, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen. 114 Stufen schrauben den Neugierigen abschnittsweise rund 30 Meter in die Höhe, bevor er die letzte Gelegenheit nutzt, sich den Kopf zu stoßen. Die äußere Pracht, die Liebe zum Detail, findet im Inneren des Turms keine Entsprechung. Hier braucht man vor allem einen Begleiter mit passenden Schlüsseln für vier Türen, eine Taschenlampe und strapazierfähige Kleidung für den Weg über Wendel- und andere Treppen, durch Gänge und Lagerräume, vorbei an unverputztem Mauerwerk und Holzträgern der Dachkonstruktion.

Dann klettert man durch die Luke auf die Aussichtsplattform des Schützenhallen-Turmes. 18 Meter eines mit 192 Rosetten reich verzierten, vor ein paar Jahren grundrestaurierten Geländers umlaufen die Plattform unter der markanten Kupferhaube hüfthoch. Der Rest ist Weite. An klaren Tagen geht der Blick weit ins Sauerland, lässt die Heimat neu entdecken Die Perspektive ist’s, die Nachbarn werden lässt, wen lange Wege trennen. Komfort fehlt, die Plattform ist nicht für einen Besucheransturm gebaut. Auch empfiehlt es sich, ein Fernglas mitzubringen, um die Feinheiten der Ferne zu entdecken: Die Tinsberger Grundschule liegt gegenüber der Sportklinik Hellersen, rechts qualmt’s im Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen, links kuschelt sich die Erlöserkirche ins innerstädtische Grün.

Eigentlich sollte er ein Zwilling werden, der Turm, und so der 1899/1900 errichteten Schützenhalle die gewünschte Symmetrie geben. Heute ist die Lüdenscheider Schützengesellschaft froh, dass es nur einen zu erhalten gilt. Er adelt eine Halle, die als imposantes „Bürgerhaus“ vielen Zwecken dient. Auch als Unikat füllt der Turm seine Rolle als Wahrzeichen aus. Als solches bereitet er samt Halle der LSG wegen der Verpflichtung zum denkmalgerechten Erhalt mitunter Kopfschmerzen. Kleiner Tipp: Dort oben, mit gehörigem Abstand zu den Dingen, verfliegen die ganz schnell. Susanne Kornau

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