111 Dinge (59): Spaziergang über die gesamte Parkstraße von Lüdenscheid nach Brügge

„Der Erwachende“ ist die zentrale Figur des geschichtsträchtigen Ehrenmals an der Parkstraße. Dahinter erhebt sich das Hotel Mercure, wo einst das Parkhaus zu Tanzveranstaltungen einlud. Wer mag, kann hier auch einen lohnenden Abstecher in den Stadtpark machen und dann auf die Parkstraße zurückkehren.

Knapp 4,5 Kilometer ist sie lang – exakt 4396 Meter, wie im Katasteramt zu erfahren ist. Sie zieht sich von der Knapper Straße bis zur Volmestraße in Brügge und gilt zum Teil als die Prachtstraße Lüdenscheids, sozusagen als Schlossallee.

Wer an der Parkstraße von der Knapper Straße bis zur Volmestraße spazieren will, sollte sich eineinhalb Stunden Zeit nehmen, denn es gibt immer wieder viel zu sehen auf der knapp 4,5 Kilometer langen Strecke. Auch einige schöne Aussichten ins Grüne sind dabei und – wer will – kann auch noch einen Schlenker durch den Stadtpark machen. Dann dauert’s natürlich etwas länger. Einst hieß sie Winkhauser Straße, dann Hindenburgallee. Einen Fußweg gab’s bereits 1830.

Aber das ist nur eine von vielen Facetten und nicht nur deshalb lohnt der Spaziergang von Anfang bis Ende der Parkstraße. Schon gleich zu Beginn fallen die zum Teil denkmalgeschützten Altbauten aus dem Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren wunderschönen, stuckbesetzten Fassaden und originellen Fensterformen auf.

Vor „Überschwemmungsgefahr“ warnt ein Schild in Höhe des Parktheaters. In der Senke in Höhe des Eingangs kann sich das Wasser bei heftigem Regenfall kurzfristig so sehr stauen, dass Vorsicht geboten ist. Von der Geschichte des Theaters, einst von den Belgiern gegründet, sowie der Schwimmbadzeit ist heute nichts mehr geblieben. Schautafeln und ein schmuckloser Eingang mit Filmplakaten und Aufklebern prägen das Bild. Nur einige Meter weiter liegt rechter Hand das Forstamt, zunächste Sitz des Eichamtes, später der Kriminalpolizei, das gerade erst in die Denkmalliste eingetragen worden ist. Ja, und dann liegt sie vor einem – die herrliche Allee. Das Blätterdach der knapp 300 Linden links und rechts entlang der Parkstraße bildet einen grünen, lichtdurchlässigen Tunnel. Zwar müssen alters- und schadensbedingt nach und nach alte durch junge Linden ersetzt werden, aber die Stadt achtet sehr darauf, dass der Alleecharakter dabei erhalten bleibt. Auch hier säumen imposante Häuser den Weg, aber auch Neubauten. Ein „Abstecher“ zum Ehrenmal ist Pflicht. Einen Blick auf die Stadt verwehren hoch gewachsene Bäume. Gegenüber ist der Schriftzug „Mercure“ noch gut zu erkenne, einst stand hier das Parkhaus, in dem Tanzveranstaltungen und große Familienfeiern über die Bühne gingen. Den Stadtpark, um den sich die Agenda-Gruppe so liebevoll kümmert, lassen wir an dieser Stelle einmal rechts liegen. Kurz vor dem Awo-Seniorenheim an der Parkstraße laden Waldschlösschen und Restaurant Stadtpark zur Einkehr ein. Dabei kann’s auch schon einmal vorkommen, dass dahinter einige Hobby-Kicker auf dem kleinen Sportplatz „pöhlen“.

Die Parkstraße führt nun entlang des Schulkomplexes an der Grundschule Schöneck und der Ganztagshauptschule Stadtpark vorbei. Nach einer scharfen Rechtskurve, an der zurückgesetzt das Haus Schöneck, ein ehemaliger Gutshof liegt, dessen Struktur noch gut erkennbar ist, verläuft die Parkstraße steil und fast schnurstracks auf die Volmestraße zu. Im oberen Bereich geht’s links ab Richtung Falkenhöhe. Nach einigen hundert Metern liegt rechter Hand der kleine Friedhof, der seit 2011 ausschließlich ehrenamtlich gepflegt wird. Siedlungshäuser reihen sich aneinander, die jenseits der Straße schöne Aussichten ins Grüne, sprich: zur Lösenbach bieten. Vorbei am Brügger Kinder- und Jugendtreff sowie der Grundschule Brügge setzt die katholische Kirche St. Paulus einen markanten Blickpunkt. Leider ist sie abgeschlossen. Zum Ende unseres Spaziergangs fallen zwei imposante, fabrikähnliche Komplexe auf der rechten Seite auf, einst Eisenbahnerwohnhäuser. Und dann, als wär’s bestellt, fährt zum Abschluss die Volmetalbahn direkt hinter den Häusern über das Viadukt zum Brügger Bahnhof. Das ist zwar der schnellere Weg von Lüdenscheid nach Brügge, aber lohnender ist der Spaziergang allemal.

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