111 Dinge (58): Eine Lüdenscheider Spezialität essen / Potthucke bei Bräcker

Wer es richtig lecker will, lässt die Potthucke kalt werden, schneidet sie dann in dicke Scheiben und brät sie nochmals auf.

Es riecht gut, es sieht lecker aus, schmeckt noch viel besser und doch prallen bei einer der Lüdenscheider Spezialitäten die Geschmäcker aufeinander. Die einen schwören regelrecht auf die ‚Potthucke‘, andere verziehen schon bei der Erwähnung dieses Wortes das Gesicht.

Zutaten:

- zweieinhalb Kilogramm rohe geriebene Kartoffeln

- zwei feingehackte Zwiebeln

- drei Eier

- 300 bis 400 Gramm Speckstreifen

- vier bis acht Mettwürste

- Salz, Pfeffer

Die Erklärung des Namens ‚Potthucke‘ ist sehr einfach. Der Kartoffelteig, aus dem dieses Gericht besteht, musste früher viele Stunden auf dem Holz- oder Kohleofen in einem Topf garen – also ‚im Pott hucken‘.

Noch im 15. und 16. Jahrhundert erzählten Reisende, dass die Menschen in der Mittelgebirgsregion so arm wären, dass sie ihre eigene Erde essen müssten. Mit Erde meinten die jedoch den berühmten Pumpernickel, das Schwarzbrot, das auch heute noch immer zum ‚Sauerländer Nationalgericht‘ gegessen wird.

Bis zur Industrialisierung war die ‚Potthucke‘ ein dicker salziger Kuchen aus Kartoffelteig. Und weil das wenige Vieh der armen Mittelgebirgsregion zu schade zum Schlachten war, bereitete man damals die Potthucke als fleischlose Mahlzeit zu. Damit die Kartoffelteigmasse ein wenig geschmeidiger wurde, kam lediglich Rindertalg dazu.

Die Potthucke von heute ist damit überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Sie ist ein mit Mettwurststücken gefüllter Kartoffelauflauf und wird gern mit dem schon erwähnten Schwarzbrot gegessen. Dazu wird Apfelmus und Sirup gereicht. Die Sachen kann man dazu essen oder darüber schütten. Jeder, wie er es eben mag.

„Die ganz Harten tun noch Zucker über das Ganze“, erklärt uns der Küchenchef des Gasthofes Bräcker, der seit dem Oktober letzten Jahres dort der Maestro der Potthucke ist. „Den Gästen schmeckt dieses deftige Gericht sehr gut“, sagt Detlef Wolfram. Potthucke sei eher ein Spezialität für den Herbst. Er bereite dieses Gericht für seine Gäste jedoch jederzeit gern zu.

Wolfram bereitet die Potthucke so zu: Die geriebenen rohen Kartoffeln werden mit feingehackten Zwiebeln, Eiern sowie Pfeffer und Salz vermengt. Der gusseiserne Pott (andere Formen tun es auch) wird mit Speckstreifen oder Speckwürfeln ausgelegt. Darauf kommt fein säuberlich der Teig, schön glattgestrichen natürlich. Und darauf wiederum werden die Mettwurststücken gelegt. Dann fix noch den restlichen Teig drauf und ab in die Röhre. Zwei bis drei Stunden muss das Ganze bei ungefähr 200 Grad Celsius im Backofen ‚hucken‘. Wer es dann besonders gut will, lässt die Potthucke auskühlen, schneidet das Ganze dann in dicke Scheiben und brät diese nochmals in der Pfanne an. Nett auf dem Teller angerichtet, ein gutes Pils dazu und fertig ist die Lüdenscheider Spezialität. Und die ist wie die Menschen im Sauerland: „Einfach, deftig, nüchtern und ehrlich.“

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