111 Dinge (57): Die Natur in einem der vielen Lüdenscheider Kleingärten genießen

Auf der Bank den wohlverdienten Feierabend genießen oder die noch überschüssige Kraft in die Pflege des Gartens investieren: Jedem, wie es ihm beliebt.

Kleingärten sind eine Oase der Stille und ein Ort zum Ausspannen vom Alltag. Sie können auch ein Fleckchen sein, an dem man Natur mit Technik verbindet – so wie Michael Uckert das macht. „Dann sind sie ein teures Hobby“, verrät der Vorsitzende der Wehberger Kleingärtner.

Die Anschaffungskosten für einen Kleingarten reichen von einer Schenkung für einen ungepflegten Garten mit renovierungsbedürftiger Laube bis zu 5000 Euro für eine gepflegte Anlage. An Pacht sind lüdenscheidweit 11 Cent pro Quadtratmeter zu zahlen. Für Unterhaltungskosten (Strom, Wasser, Versicherung und Mitgliedsbeitrag) im Kleingartenverein sind 100 bis 250 Euro jährlich zu kalkulieren.

„Mein Schrebergarten ist ein Sparschwein“, lacht er. „Da kommt keine Langeweile auf“. Erst kürzlich hat er ein eigenes Bewässerungssystem gebaut und die Hütte auf Vordermann gebracht. Von der Hollywoodschaukel aus blickt er auf einen hübsch angelegten Teich, der allerdings auch Pflege erfordert. Auch sein Bienenhotel, in dem Wildbienen in Schilfröhrchen ihre Brut ablegen können, kostet Zeit und Geld. Doch wer Kleingärtner mit Herz und Seele ist, investiert beides gerne.

Ursprünglich war der Garten ein Geschenk für seine Frau Susanne, der er damit den lang gehegten Wunsch eines eigenen Gartens erfüllte. Doch die Arbeit wird geteilt. Susanne Uckert ist für die Pflege der Blumen zuständig, ihr Mann kümmert sich um den Ackerbau, mäht den Rasen und ist für die Technik verantwortlich. „Die ersten Jahre sind Lehrjahre“, erinnert sich Michael Uckert. „Im Laufe der Jahre wächst die Erfahrung. Der eine schneidet seine Rosen im Herbst, der andere im Frühjahr.“

Wer meint, in einem Kleingarten könnten die lauschigen Sommerabende nur im Liegestuhl oder am Grill verbracht werden, der irrt. Damit der Garten gepflegt aussieht, müssen rund 300 Stunden im Jahr investiert werden. Um das Allgemeingrün sauber zu halten, werden zudem vom Vorstand jährlich eine gewisse Anzahl Gemeinschaftsarbeitsstunden festgelegt. Die Arbeiten beginnen im Frühjahr mit dem Obstbaumschnitt und dem Vorziehen von Jungpflanzen im Gewächshaus. Nach den Eisheiligen werden die Pflanzen in den Boden gesetzt, frostempfindliche Blumen können dann auch gepflanzt werden. Den Sommer über müssen die Pflanzen regelmäßig gegossen und das Unkraut gejätet werden. Dann kann – je nach Reifegrad – das Obst und Gemüse geerntet werden. Im Spätherbst wird der Garten winterfest gemacht, das heißt: Die „Äcker“ werden abgeerntet und restliche Pflanzbestände entfernt.

Die Gestaltung seines Kleingartens ist jedem selbst überlassen, allerdings gilt die Grundregel: Ein Drittel der Fläche soll dem Ackerbau mit Obst und Gemüse dienen, ein Drittel sollte mit Blumen bepflanzt sein und ein Drittel der Fläche sollte für die Freizeitgestaltung, sprich Terrasse oder Rasen, verwendet werden. Während früher viele Pestizide gespritzt wurden, geht heute der Trend zum Ökologischen. Regenwasser wird über die Laubendächer in Tonnen aufgefangen und die „Äcker“ werden mit Kompost gedüngt oder gemulcht. Die Laube, die eigentlich als Unterstand und Geräteschuppen gedacht war, wird heute meist als gemütliche Hütte genutzt. Die Chemietoilette kann an der vereinseigenen Entsorgungsstation entleert werden.

Nach getaner Arbeit es ist schön, im eigenen Garten zu sitzen und mit den Nachbarn oder Freunden ein nettes Pläuschchen zu halten oder ein dickes Steak auf dem Grill zu brutzeln. Die Geselligkeit wird bei den Kleingärtner überhaupt großgeschrieben. Es gibt Feiern wie Erntedank- und Sommerfeste, Picknicks oder den Tanz in den Mai. Besuchen Sie doch einfach mal eines dieser Feste. Kleingärtner sind gastfreundliche Menschen. Und wer weiß: Vielleicht kommen Sie ja selbst schon bald auf den Geschmack und legen sich eine eigene Parzelle zu.

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