111 Dinge (53): Eine Vorstellung der Lüdenscheider Altstadtbühne anschauen

„Ein ungleiches Paar“ in einer fast reinen Damenbesetzung war in der vergangenen Saison das Stück in der Altstadtbühne. Die Vorbereitungen für die nächste Saison laufen bereits.

Ohne ein Stück der Lüdenscheider Altstadtbühne gibt es keine Theatersaison in Lüdenscheid. Das Ensemble gehört mit seiner mehr als 30-jährigen Tradition zu den festen Größen im kulturellen Angebot der Stadt.

Seit 1977 gibt es die Lüdenscheider Altstadtbühne. Der eingetragene Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Leben der Stadt mit eigenen Theaterinszenierungen zu bereichern. Häufig im Repertoire sind Boulevard-Komödien beliebter Autoren. Die ersten Aufführungen fanden im Saal der Gaststätte Dahlmann statt. Seit 1981 hat die Altstadtbühne ihr eigenes Domizil an der Luisenstraße. In den ersten Jahren gab es bis zu drei Inszenierungen pro Jahr. Seit 1990 sind die Premieren im Oktober zur Tradition geworden. Die Spielzeit zieht sich dann über zwei Staffeln bis in den April. Seit 2008 gibt es auch wieder eine Junge Bühne, die in der Vorweihnachtszeit Kinderstücke aufführt. Deren Einnahmen werden jedes Jahr bis auf einen Selbstkostenanteil einer sozialen Einrichtung gespendet. Weitere Infos über die Altstadtbühne gibt es im Internet unter www.luedenscheideraltstadtbuehne.de.

Das bedeutet, dass für die vielen treuen Besucher und Fans bereits der Kartenvorverkauf zu einem festen Termin wird. Vorbei sind zwar die Zeiten, als man am besten schon morgens um sechs seinen Stuhl aufstellte, um sich einen guten Platz in der Warteschlange zu sichern. Aber allzu lange sollte man dennoch nicht warten, wenn der Vorverkauf für die jeweilige Staffel begonnen hat. Die Auswahl an Terminen wird schnell knapp und irgendwann heißt es immer: „Alle Vorstellungen sind ausverkauft.“

Auch für den Tag der Aufführung ist es ratsam, sich nicht den Vorstellungsbeginn, sondern den Einlass eine Stunde vorher zu notieren, sonst entgeht einem der halbe Spaß des Besuches – ganz zu schweigen davon, dass im vereinseigenen Theater an der Luisenstraße freie Platzwahl herrscht. Das könnte schwierig werden, wenn man mit einer größeren Gruppe gemeinsam sitzen will. Aber ein Gebalge um die besten Plätze erübrigt sich, denn die Tischreihen, die quer zur Bühne aufgestellt sind, ermöglichen mit ein wenig Stühlerücken von überall eine gute Sicht auf das Geschehen.

Aber das, was den Besuch der Altstadtbühne zu etwas Besonderem macht, sind nicht nur die sorgfältg ausgesuchten Stücke, sondern auch das ganze Drumherum – deshalb auch das frühzeitige Erscheinen. Schon lange bevor die Aufführung beginnt, ist das Abenteuer Altstadtbühne in vollem Gange. Freunde und Bekannte, die absichtlich oder zufällig in derselben Vorstellung sitzen, begrüßen sich, haben Zeit für einen gemütlich Plausch. Das fleißige Serviceteam – wie die Schauspieler durchweg ehrenamtliche Helfer – versorgt die Theaterbesucher mit Getränken und kleinen Leckereien. Mettwürste und Frikadellen für den kleinen Hunger gehören fest zum Angebot und schmecken zum Glas Wein oder Bier besonders gut – alkoholfreie Getränke gibt es selbstverständlich auch.

Einige Minuten, bevor sich der Vorhang hebt, kündigt das Team die letzte Runde an und schafft noch einmal volle Tabletts an die Tische. Bis zur Pause darf dann weiter getrunken werden – Nachschub gibt es aber nicht. Auf die Idee kommt auch niemand, denn nun gehört die volle Aufmerksamkeit dem Stück auf der Bühne. Die Komödie „Ein ungleiches Paar“ von Neil Simon steht in dieser Saison für die Altstadtbühne an. Allerdings agieren in der Version, die Regisseur Peter Rothenberg bearbeitet hat, zwei Frauen in den Hauptrollen. Das Publikum liebt das Stück – aber auch das ist eigentlich nichts Außergewöhnliches in der Altstadtbühne. In der Pause gibt das Serviceteam noch einmal alles, um die Gäste wieder mit Getränken und Snacks zu versorgen. Selbst bei den Sonntagsvorstellungen, die bereits um 17 Uhr beginnen, schmeckt das Bier und der Wein – und die Kasse der Altstadtbühne klimpert. Schließlich muss der Verein sein eigenes Theater auch unterhalten. Samstags hebt sich der Vorhang um 20 Uhr. Und auch dann gibt es immer genug ehrenamtliche Helfer, die den Service übernehmen und sich mit voll bepackten Tabletts den Weg durch die Reihen bahnen. Wer das Ambiente der Altstadtbühne genießt, erlebt einen gemütlichen, kurzweiligen Theaterabend mit Klönereien, der sich gerne mal bis zu vier Stunden hinzieht – und dennoch wie im Flug vergeht. Das liegt am hochmotivierten Team, das auf und hinter der Bühne agiert, aber eben auch am besonderen Service-Charakter des Theaters. Kaum aus der Tür heraus, beginnt das Warten auf den nächsten Vorverkauf.

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