111 Dinge (5): Ein Besuch in der Städtischen Galerie an der Sauerfelder Straße

Richard Wakes Ensemble „Fünf Stühle“ steht auf der Empore.

LÜDENSCHEID - Je nachdem, zu welcher Tageszeit man die Städtische Galerie an der Sauerfelder Straße betritt, schlägt einem nicht nur wohlige Wärme, sondern auch der Duft von frischem Kaffee aus dem Museumscafé entgegen. Im Grunde ist das Gebäude zweigeteilt.

Wendet man sich nach rechts, gelangt man zum Geschichtsmuseum der Stadt. Linker Hand beherrschen Installationen und Malerei die Szenerie. Und was sofort ins Auge fällt, sind Stühle.

„Stühle“ so sagt Galerieleiterin Hilke Gesine Möller, seien ein Sammlungsschwerpunkt ihres Vorgängers Uwe Obier gewesen. Die Stühle, die in der Halle stehen, sind allerdings nur eine Auswahl derer, die die Galerie besitzt. Einige weitere befinden sich heute im Depot. Sitzen allerdings darf man auf den allerwenigsten.

Städtische Galerie in den Museen der Stadt, Sauerfelder Straße 14, Tel.: 0 23 51/17-14 96, E-Mail: museen@luedenscheid.de, Öffnungszeiten: täglich 11 bis 18 Uhr, außer montags

Das Ensemble des Künstlers Richard Wake zum Beispiel ist augenfällig aufgebaut. Stuhl und Tisch sind wesentliche plastische Elemente im Gesamtwerk des Künstlers. Immerhin gilt der Stuhl in der Kunst als Symbol physischer und psychischer menschlicher Eigenschaften und Grunderfahrungen. Die Stühle des Ensembles überragen ihren Betrachter. Genug Raum also für eigene Interpretationen: Erhaben, wer darauf sitzt und auf andere herab schaut, vielleicht sogar erleuchtet ist. Ein gekröntes Haupt, das andere überragt, Hochmut, Stolz, Macht, Kontrolle – der Assoziationen gibt es viele. Der Künstler lenkt den Blick auf das, was wir im Alltag gern und oft übersehen – Stühle, zum Beispiel. Das Stuhl-Ensemble in schwarz und weiß appelliert an die Phantasie. Es ist der klassische „Drahtseilakt“ zwischen Mehrdeutigkeit und dem Rätselhaftem, der der Kunst oft anhaftet.

Doch Exponate wie das des Künstlers Wake sind es nicht, die die Besucher anlocken. Eher die schnelle Folge wechselnder und gleichsam hochwertiger Ausstellungen, die oftmals von Katalogen begleitet werden. Manche, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox, sind Ladenhüter, andere wiederum in aller Eile vergriffen: „Das ist für uns eigentlich das Beste, wenn wir sagen können: Tut uns leid, der Katalog ist ausverkauft!“ Die Städtische Galerie setzt auf Themenausstellungen, oft subventioniert durch Drittmittel, liebevoll unterstützt mit Sponsorengeldern. Nur durch Dauerausstellungen wären die Besucherzahlen verheerend gering. Der frische Wind, den Galerieleiterin Hilke Gesine Möller hinter die gläserne Fassade schickte, beschert einschließlich des Geschichts- und Schmiedemuseums durchschnittlich 40 000 Gäste im Jahr. Menschen, die vielleicht „nur“ die Galerie besuchen, um eine bestimmte Ausstellung zu durchwandern, bei der Gelegenheit aber ohne Zweifel den einen oder anderen Blick auf Richard Wakes Stuhlensemble werfen. Auch wenn sie nur zufällig daran vorbei kommen...

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