111 Dinge (41): Ein Fußballspiel von Rot-Weiß Lüdenscheid ansehen

Auch bei einem Bezirksliga-Spiel gibt es Tribünen-Plätze: Am Spielfeldrand tummeln sich rund 250 Zuschauer, die das Spiel von Rot-Weiß Lüdenscheid gegen den FC Lennestadt verfolgen, aber so friedlich bleibt es nicht die ganz Zeit.

Wer Fußball vor allem aus dem Fernsehen kennt oder von Nachbarskindern, die auf der Straße kicken, muss nicht gleich große Stadionluft schnuppern, um sich ein Spiel live anzusehen.

Als Gründungsdatum von Rot-Weiß Lüdenscheid gilt der 17. Oktober 1908. Damals wurde der „Lüdenscheider Fußball-Klub 08“ als ältester Fußballverein der Stadt gegründet. Dieser wurde nach dem ersten Weltkrieg zu den Sportfreunden Lüdenscheid 08. Aus dem am 6. Mai 1910 gegründeten Fußballclub Fortuna 1910 wurde der RSV 1910 Lüdenscheid-Höh. Diese beiden schlossen sich 1971 zu Rot-Weiß Lüdenscheid (RWL) zusammen. Größte Erfolge waren die Saison 1973/74 in der Regionalliga-West (damals 2. Bundesliga) und 1977 bis 1981 das Erreichen der 2. Bundesliga Nord. Aktuell gibt es 21 Mannschaften, die erste kickt in der Bezirksliga. Internet: www.rwl-online.com.

Auch am Nattenberg, der Heimstatt von Rot-Weiß Lüdenscheid, wird regelmäßig Fußball gespielt und auch dort geht es um Liga-Punkte, wenn auch „nur“ in der Bezirksliga. Gekämpft, gejubelt und über Schiris geschimpft wird auch dort.

Wer aber nicht regelmäßig seine Sonntagnachmittage auf Sportplätzen verbringt, dürfte sich über einige Dinge wundern. Los geht es für weibliche Fußballfans schon an der Kasse. „Vollzahler“ steht da, zahlen vier Euro. Aber das gilt nicht für Frauen – sie gehören zur Gruppe derjenigen, die ermäßigten Eintritt zahlen, ebenso wie Rentner oder Sozialhilfeempfänger. Auch durch die weithin sichtbare Flutlichtanlage sollten sich Besucher nicht täuschen lassen. Im großen Stadion aus Zeiten der zweiten Bundesliga wird seit einigen Jahren nicht mehr gespielt. Der Kunstrasenplatz liegt direkt nebenan. Dort tummeln sich entlang der Absperrung und auf der Terrasse des Umkleidegebäudes an diesem schönen Frühlingstag rund 250 Fans beider Mannschaften. Tabellenführer FC Lennestadt ist der Gegner. Obwohl die Rot-Weißen die Chancen auf den Aufstieg bereits vergeben haben, ein Spitzenspiel der Liga.

Aber so wie die erste Hälfte eher dahin pläschert, so plätschern auch die Unterhaltungen der Zuschauer dahin. Die eine oder andere Flasche Bier wird geköpft, es riecht nach Gegrilltem. Auch nach Spielbeginn kommen noch Zuschauer, manchmal ganze Familien mit mehreren Generationen. Bekannte werden begrüßt. „Wie steht‘s?“ fragt ein Neuankömmling und die Antwort heißt (beim Stand 0:0): „4:0 für Lennestadt.“ Mit der familiären Stimmung ist es aber schlagartig vorbei, als in der 51. Minute das erste Tor fällt. Die folgenden 40 Spielminuten werden brisant. Weitere vier Tore, zwei rote Karten für den Gegner, der dennoch gewinnt. Die Zuschauer fiebern mit, geben Kommentare ab, schimpfen auf den Schiedsrichter. Richtig heftig geht es auf dem Platz und am Spielfeldrand zur Sache. Aber mit dem Schlusspfiff wird es wieder friedlich. Bedröppelte Lüdenscheider ziehen in die Kabine, die Lennestädter feiern sich als Tabellenführer. Wer braucht da noch die Bundesliga? Fußballspannung gibt es vor der Haustür, auch wenn die Ballzaubereien vielleicht nicht ganz an die der Profis heranreichen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare