111 Dinge (40): Einen Kurs in der Kulturwerkstatt Alte Schule mitmachen

Das Maskenbauen macht Spaß und der Auftritt mit dem neuen, anonymen Gesicht noch viel mehr.

Klatsch! Mit einem satten Schmatzen fällt der Tonbrocken auf den Tisch. Thomas Wewers, Leiter der Kulturwerkstatt Alte Schule, hat allen Mut zugesprochen. Es soll laut sein, rappeln und rumsen.

Die Kulturwerkstatt ist Teil der integrativen Arbeit des Johannes-Busch-Hauses, einer Einrichtung des Johanneswerks für Menschen mit Handicap. In der Alten Schule Oberrahmede bieten Thomas Wewers und seine Mitstreiter vielfältige Angebote im Bereich Theater, der bildenden Kunst und der Kleinkunst an. Weitere Infos gibt es unter www. kulturarbeit.com

„Der Ton muss geschmeidig werden, Leute. Lasst es krachen.“ Das muss er den Anwesenden nicht zweimal sagen. Nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung werfen alle den Ton auf die Tische, dass es nur so scheppert. Kaum ist der Fladen breit geschlagen, wird er mit kleineren Tonstücken beworfen – je höher die Maskenpizza belegt ist, desto besser. „Und jetzt schaut euch eure Klumpen an. Wie sehen sie aus? Könnt ihr schon so was wie ein Gesicht erkennen?“ Ja, ein bisschen darf man hier sogar Gott spielen – auch wenn hier nicht wie im Buch Genesis der Bibel ganze Menschen, sondern nur Gesichter erschaffen werden. Beim Maskenbaukurs der integrativen Kulturwerkstatt heißt es, Formen wahrzunehmen, sie aus dem Material herauszukitzeln, Mut zur Übertreibung zu haben.

„Die Nase geht noch größer und krummer, meinst du nicht?“, fragt Thomas Wewers mit einem Lächeln und schon wächst der Zinken ins Monströse, bekommt Pickel und mindestens zehn herrliche Brüche verpasst. Auch die Augenbrauen pumpen sich auf, Brauenborsten sprießen und machen damit der oberen Gesichtspartie vom ehemaligen CSU-Finanzminister Theo Waigel Konkurrenz. „Deine Maske sieht ja aus wie Dobbey“, grinst Thomas Wewers beim Blick auf eine andere im Entstehen begriffene Maske. Der Maskenbauer selbst hat von Dobbey noch nie gehört und bekommt nun ganz nebenbei noch eine Einweisung in den Plot der Harry-Potter-Geschichten, in denen besagter Hauself eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Nach rund zwei Stunden sind aus den zehn Tonklumpen Gesichter geworden – jedes anders, jedes eigen, jedes besonders. Doch wie wird nun aus diesem Tonantlitz eine Maske? „Das verrate ich nächste Woche“, lacht Thomas Wewers, erklärt aber dann, dass ein ganz besonderes Papier, das aussieht wie sehr weiche Pappe, eine entscheidende Rolle beim weiteren Bauprozess spielen wird. „Und dieser Schleim hier“, deutet der Chefmaskenbauer auf einen Bottich voller Kleister. Nach drei Wochen, vielen Trockenrunden mit dem Heißluftfön und gefühlte tausend Pinselstriche später sind die Masken endlich fertig. Und warten auf ihre Premiere im Rosengarten. Denn eine selbsterarbeitete Stehgreifpantomime mit Maske soll den rauschenden Abschluss des Kurses bilden. Begleitet von Musik wandeln die Masken heiteren Sinnes durch den Rosengarten oder über den Graf-Engelbert-Platz, schäkern mit Passanten und „erzählen“ von Blumen, Besen und der Liebe.

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