111 Dinge (37): Eine Busrundfahrt durch Lüdenscheid und Umgebung mitmachen

Kaum eine Straße ist zu schmal für Busfahrer Winfried Ortmann.

Mit dem Reisebus über die Brenscheider Straße, durch verkehrsberuhigte Ortslagen mit wenigen Häusern, weiter über die Neuenhofer Straße bis zum Schloss, dort gewendet und über den Kreisverkehr am Schäferland zur Talstraße, die Gartenstraße hinauf zum Sauerfeld.

Geht nicht? Geht doch – auch wenn so mancher Autofahrer im Ausflugsverkehr an diesem strahlenden Sonntagnachmittag sich nicht aufs Fluchen hinter geschlossenen Scheiben beschränkt, sondern dem Busfahrer recht eindeutige Handzeichen gibt.

Der Stadtführerdienst der Stadt Lüdenscheid bietet im Frühjahr und Herbst jeweils mehrere Termin für Fahrten durch Lüdenscheid und Umgebung an. Der Fahrpreis beläuft sich auf 13 Euro für Erwachsene und 4,50 Euro für Kinder bis einschließlich zwölf Jahren (Stand 2012). Die Touren sind nicht immer identisch und werden individuell von Stadtführer und Busfahrer auf Jahreszeit und Wetter abgestimmt. Eine rasche Anmeldung nach Bekanntgabe der Termine empfiehlt sich, da die Stadrundfahrten in der Regel schnell ausgebucht sind, es werden sogar Wartelisten geführt. Die wenigsten Teilnehmer sind Touristen.

Eine Rundfahrt mit dem Stadtführerdienst lohnt sich auf jeden Fall auch für alteingesessene Lüdenscheider, vielleicht sogar nicht nur eine. Denn für die Stadtführer und Busfahrer gibt es keine feste Route. Sie entscheiden spontan, nach Wetter, nach Baustellenlage oder vielleicht auch danach, was sie selbst gerne zeigen möchten. An diesem sonnigen Sonntagnachmittag sitzt Daniel Loos neben Busfahrer Winfried Ortmann. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Als zweite Stadtführerin ist Linda Behrendt dabei. Treffpunkt für die Teilnehmer ist der Bahnhof, alle haben sich schon Wochen vorher angemeldet. Kurzentschlossene haben keine Chance, denn wenn wirklich jemand abspringt, gibt es eine Warteliste.

Der wahrhaft goldene Oktober, der an diesem Tag für gute Laune sorgt, gibt auch den Ausschlag für die Wahl der Strecke: „Ab in die Natur“ entscheidet Daniel Loos. Außerdem möchte man die Baustelle auf der Altenaer Straße meiden. Also geht es über die Heedfelder Straße stadtauswärts. Denn überschrieben ist die Tour grundsätzlich als Fahrt „durch Lüdenscheid und Umgebung“.

Wie es sich für eine Stadtrundfahrt gehört, liefert Daniel Loos die passenden Informationen zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Am Kreishaus gibt es die aktuelle Statistik zur Bevölkerungsentwicklung und mit dem Gewerbegebiet am Buckesfeld geht die Information über die Geschichte der Industrie in Lüdenscheid einher. Schließlich liegt auch Erco als Unternehmen von Weltruf an der Strecke. Ein kleiner Abstecher ins Gewerbegebiet südlich Heedfeld rundet das Ganze ab – denn Lüdenscheid wäre bekanntlich nichts ohne seine Fabriksken –, bevor es die Klagebach hinunter durch das beschauliche Schalksmühle geht.

Dabei hat der Stadtführer immer wieder einen lockeren Spruch auf den Lippen, gleichzeitig lässt er seinen Gästen Zeit, den regelrechten Indian Summer, der die Bäume in allen Farben leuchten lässt, zu genießen. Die Stimmung im Bus ist gut. Ganze Gruppen sind gemeinsam unterwegs oder Familien. Schnell kommen auch Menschen miteinander ins Gespräch, die sich bisher gar nicht kannten. Immer wieder gibt es auch Wiedererkennungseffekte oder Beiträge der Teilnehmer zu den Orten, die der Bus passiert. Einige der Mitfahrer sind nicht zum ersten Mal dabei. Spätestens bei der obligatorischen Kaffeepause im Café Backhaus an der Kalver Straße, die zu jeder Rundfahrt dazugehört, gibt es entsprechende Wiederbegegnungen. Die Stadtrundfahrt durch Lüdenscheid ist Sightseeing und gesellschaftliches Ereignis gleichermaßen. Neubürger oder Touristen – so sie denn einen Platz ergattern – sind dort genauso gut aufgehoben wie die Alteingesessen. Denn nicht jeder kennt vielleicht die Geschichte des Platehofes in Brüninghausen, die Daniel Loos im Vorbeifahren erzählt. Und für jüngere Teilnehmer wird es auch schwer, sich an die belgische Garnison zu erinnern, deren Zeugnisse aber immer noch zu sehen sind.

Und die Stadtrundfahrt ist auch ein bisschen Abenteuer, wenn Winfried Ortmann den Bus über Serpentinen durch den Wald zwischen Hellersen und Versetalsperre lenkt. oder später eben auch in Richtung Neuenhof. Kaum eine Straße ist zu schmal für den versierten Fahrer. Komfortabler ist es da schon auf dem Höhenweg – „dem schönsten Weg in der Umgebung“, wie Daniel Loos sagt. Und den möchte er seinen Mitfahrern an diesem klaren Herbsttag auf keinen Fall vorenthalten, genausowenig wie den Neubau der Fachhochschule und die Denkfabrik als Lüdenscheids Zukunft.

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