111 Dinge (36): Das Tierheim Dornbusch des Tierschutzvereins besuchen

Gerne gesehen: Gassigänger, die nachmittags die Hunde zum Spaziergang abholen

Diese traurigen Augen hinter den Gitterstäben bleiben einem lange in Erinnerung und werfen Fragen auf: Fragen zu einer oft schicksalhaften Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft. Doch zum Glück gibt es Menschen, die sich dieser Schicksale liebevoll annehmen.

Neben Tierheimleiterin Anna-Lena Pieper sorgen die drei Pflegerinnen Elke Pohl, Marlene Möller und Sara Roggensack für die Schützlinge im Tierheim Dornbusch, versorgen sie mit Futter, reinigen die Unterkünfte, verteilen bei Bedarf Medikamente und bringen sie, wenn es sein muss, zum Tierarzt.

Wer dem Tierheim finanzielle Unterstützung zukommen lassen möchte, kann seine Spende auf das Konto 78485 bei der Sparkasse Lüdenscheid, BLZ 45850005, einzahlen. Neben finanziellen Mitteln werden auch immer Sachspenden benötigt: „Seniorenfutter für Hunde, Katzennassfutter – aber auch Hundegeschirre sind immer Mangelware“, berichtet Anna-Lena Pieper. Freiwillige Helfer sind immer gerne gesehen: Kinder und Jugendliche, die in ihrer Freizeit Ställe säubern, mit den Tieren spielen und schmusen; Erwachsene, mit handwerklichem Geschick für Reparaturarbeiten, Gassigänger. Und natürlich Interessenten, die einem Tier eine neue Heimat geben möchten. Ein geimpfter, gechipter, entwurmter und kastrierter Hund ist für 195 Euro zu bekommen, eine Katze gibt es ab 60 Euro. (Tierheim Dornbusch, Dornbusch 1, Schalksmühle, Tel. 0 23 55 / 63 16)

Aber es gibt auch viele ehrenamtliche Helfer im Tierheim, Leute, die sehr tierlieb sind, aber aus verschiedenen Gründen selbst kein Tier halten können. So wie Silvia Urban. Die Mittvierzigerin kommt mehrmals in der Woche nach Feierabend, um mit den Hunden Gassi zu gehen. Sie erzählt: „Aufgrund der Tierhaarallergie meines Sohnes können wir leider selber keinen Hund halten.“ So verbringt sie jede freie Minute im Tierheim, kennt alle Hunde mit Namen und ihre Eigenarten – und hat während der Spaziergänge auch immer Zeit für ein paar Streicheleinheiten.Etwa 25 Hunde, gut 60 Katzen und fast 30 Kleintiere – Kaninchen, Nymphensittiche, Chinchillas – werden derzeit im Tierheim Dornbusch beherbergt. „Damit sind wir mehr als ausgebucht“, berichtet Anna Lena Pieper. Derzeit hat der Vorstand des Tierschutzvereins sogar einen Aufnahmestopp für Abgabetiere verhängt. Der 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins, Manfred Hardy, bedauert: „Viele Tiere sind Spontankäufe oder Geschenke. Wenn die Welpen dann größer werden, oder erste Probleme mit dem Tier auftreten, werden sie abgegeben.“ In regelmäßigen Abständen können aber auch Tiere vermittelt werden. „Kleine, gut verträgliche Hunde und zahme Katzen werden relativ schnell vermittelt“, weiß Anna-Lena Pieper. Listenhunde – sogenannte Kampfhunde – haben es aufgrund von erhöhten Steuersätzen und besonderen Auflagen für den Halter deutlich schwerer, ein neues Zuhause zu finden.

„Wer hier arbeitet, ob ehrenamtlich oder hauptberuflich, braucht gute Nerven. „Es geht schon enorm an die Psyche, wenn ausgesetzte oder misshandelte Tiere abgeholt werden müssen. Die sind oft in einem katastrophalen Zustand. Aber es macht auch Spaß, ihnen das Leben zu verschönern“, berichtet die Tierheimleiterin. Wenn sie Verträge mit neuen Besitzern macht, geschieht das immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Einerseits bin ich traurig, dass uns das Tier, das uns im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen ist, verlässt – auf der anderen Seite freue ich mich für jeden, der ein liebevolles Zuhause findet.“ Um den Hunden das Tierheimleben angenehmer zu machen, arbeitet das Tierheim Dornbusch mit der Hundeschule Dogstrack zusammen. Die Hundetrainer nehmen sich insbesondere der Problemhunde an, um diese wieder ins Leben zu integrieren.

Unterhalten wird das Tierheim Dornbusch vom derzeit 420 Mitglieder zählenden Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung. Der Vorstand klagt aufgrund vieler gestiegener Kosten über finanzielle Probleme. „Allein die Ölrechnung ist in den letzten Jahren von 8000 auf 12 000 Euro gestiegen, an Müllabfuhr sind rund 7000 Euro jährlich zu zahlen. Die Tierarztkosten belaufen sich auf etwa 40 000 Euro jährlich. Auch Strom, Wasser und Futter sind teurer geworden“, beklagt Manfred Hardy. „Im Gegenzug bröckeln uns immer mehr Einnahmen weg. Allein in den letzten Jahren haben wir etwa 150 Mitglieder durch Todesfälle oder Umzüge in Seniorenheime verloren.“

Über die Hälfte der Kosten von 230 000 Euro pro Jahr werden durch Spenden gedeckt. Der Rest finanziert sich aus Erträgen, die das Tierheim erwirtschaftet, beispielsweise durch die Vermittlung von Tieren, Mitgliedsbeiträgen, der Kostenerstattung der Stadt und Erträgen, die Ehrenamtliche erwirtschaften – beispielsweise durch Weihnachtsmärkte oder Einnahmen am Tag der offenen Tür, der jeden ersten Sonntag im September stattfindet.

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