111 Dinge (34): Bei der Oldtimer-Rallye des Lions Clubs mitfahren

„24 Liter schon beim Start weg“

Der Weg ist das Ziel, finden Oldtimer-Fahrer. Auch deshalb sind Rallyes so beliebt, weil es nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um Gemeinsamkeit. Die suchen Volantritter aus nah und fern in Lüdenscheid am liebsten bei der alljährlichen Oldtimerrallye des „Lions Club Lüdenscheid Lennetal“.

Die 100-Teilnehmer-Grenze scheint nicht mehr fern; das Alter der bereiften Veteranen liegt zwischen 30 und 70, ihr Wert ist schon mal siebenstellig, ihr Liebhaberwert unbezahlbar.

Sie alle machen sich blank poliert und gut gerüstet, mit gerne stilecht gekleideter Besatzung regelmäßig im Mai auf ein 120-Kilometer-Schaufahren (mal mehr, mal weniger) rund um Lüdenscheid. Die Fahrer haben sich ihren Jugendtraum erfüllt, haben das Auto geerbt oder kurzerhand der Gattin geschenkt („sonst hätte ich ihn nie haben dürfen“). Sie zahlen klaglos fürs Benzin, pfeifen auf Verbrauch, Airbag und Anschnallpflicht – weil’s häufig gar keine Gurte gibt.

Organisiert und veranstaltet wird die Rallye „Rund um Lüdenscheid“ seit 2005 von Werner Hennig vom Lions Club Lüdenscheid-Lennetal. Der Reinerlös kommt dem Hospiz im Amalie-Sieveking-Haus zugute. Teilnahmeberechtigt sind Automobile bis einschließlich Baujahr 1981. Ab Mitte/Ende Februar kann man auf der Internetseite www.lions-lennetal.de den Einladungsflyer herunterladen. Am 12. Mai findet die 8. Rallye statt. Abfahrt ist ab 9.30 Uhr vom Busch-Jaeger-Parkplatz am Freisenberg; Zieleinfahrt ist ab 16 Uhr auf dem Rathausplatz, wo die Fahrzeuge auch zu besichtigen sind.

Letzte Checks vorm Start ergeben falsch eingeschraubte Zündkerzen am Volvo („Hoffentlich hält der alte Schwede“) und komische Klänge bei Startnummer 13 („Bloß nicht die Kupplung!?“). Der Audi Horch weckt Ehrfurcht bei den Zaungästen („Da sind 24 Liter schon beim Start weg“), ein anderes mobiles Schaustück ist drei Jahre älter als ein Mittvierziger-Mitorganisator („ . . .und hat sich eindeutig besser gehalten“). Die Stimmung ist bestens, man ist unter Freunden, auch wenn man sich vorher nicht gekannt haben sollte. Das ist aber unwahrscheinlich, denn wer sich auskennt, erkennt das Glas Gogomobil von 1957, den Citroen 11 CV von 1956, den Käfer von 1973. Ein freundliches Aufblinken hier, etwas Fachsimpelei dort – Leidenschaft verbindet.

Die Stopps sind genau geplant, und mit etwas Glück und technischer Unterstützung (vom Beifahrer, natürlich), findet auch jeder hin. Unverzichtbar ist dabei eine auf alle Eventualitäten ausgerichtete Hilfsmittelbox im Kofferraum.

Aber letztlich, das wissen erfahrene Rallyepiloten, zählen Einfallsreichtum und Improvisationstalent mehr. Wie mittags, als bei der Einfahrt auf den Gasthofparkplatz jeder einen unterwegs zu findenden 100-Gramm-Stein abzuliefern hat. Einem Team gelingt die weitgehend exakte Gewichtsermittlung mit Hilfe einer selbst entwickelten Haribo-Tütenwaage, die Ungeduldigeren stoppen kurzerhand vorm Discounter und legten die Fundstücke auf die Gemüse-Kontrollwaage. Ein Damenteam löst die Aufgabe souverän und mit kokettem Augenaufschlag – per 200-Gramm-Stein („Für jede 100 Gramm“).

Manchmal zählen eher Können und Kenntnis als Kreativität und Koketterie: Das Dezibel-Standgeräusch am Auspuff schätzen, mit gleichem Abstand zwischen zwei Begrenzungen parken, Schilder zählen und bloß keines verpassen, eine exakte Durchschnittsgeschwindigkeit fahren – das erfordert Konzentration, Gefühl fürs Fahrzeug und gerne auch wieder Hintergrundwissen rund ums Auto. Wenn’s fehlt, ist das auch nicht schlimm. Hauptsache, es hat am Ende wieder Spaß gemacht. Susanne Kornau

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