111 Dinge (30): Den Königsball der Lüdenscheider Schützengesellschaft besuchen

Zugegeben: Beim Königsball der LSG geht es in den ersten Stunden nicht ganz so formlos wie auf diesem Bild zu.

„Der neu aufgenommene Schütze ist verpflichtet, bei seiner ersten Anwesenheit in der Versammlung die älteren Mitglieder zu bedienen und die Getränke einzuschenken.“

Diese Vorschrift findet sich in der Schützenordnung der Lüdenscheider Schützengesellschaft (LSG) – aus dem Jahr 1696. Doch keine Sorge! Wer heutzutage den Königsball der LSG besucht, muss erstens kein Schütze sein und zweitens auch als Novize nicht zum Kellner werden.

Überhaupt hat Schützenoberst Friedrich-Karl Schmidt mit seinem engagierten Helferteam mittlerweile einige alte Zöpfe abgeschnitten und dafür zwar viel Beifall, aber auch einige negative Stimmen aus den Reihen des Vereins eingeheimst. So gibt es beim Königsball beispielsweise keinen Uniformzwang mehr. Smoking, Schützen-smoking, Anzug oder Abendkleid sind angesagt. Dies sorgt für eine äußerst angenehme zivil-festliche Atmosphäre, und mancher Dame ist die Freude darüber anzusehen, endlich einmal wieder ein elegantes langes Kleid tragen zu können.

Apropos Atmosphäre: Einen schöneren Ballsaal als die liebevoll geschmückte altehrwürdige Schützenhalle kann man sich gar nicht wünschen. In Lüdenscheid jedenfalls ist sie absolut konkurrenzlos. Wo, wenn nicht hier, kann man mit seiner Partnerin zu Walzer- oder Tangoklängen elegant über das Parkett schweben? Wenn man kann. Dass der äußere Rahmen des Abends stimmt, dafür sorgt schon Monate vorher der Festausschuss. Mit viel Liebe zum oft originellen und witzigen Detail bereiten dessen Mitglieder den Königsball vor. Sie kümmern sich natürlich auch um die Verpflichtung einer – stets hochkarätigen – Musikband.

An diesem Abend geht es stilvoll zu, aber nicht steif. Ob es die großen Abordnungen befreundeter Vereine sind, kleinere private Grüppchen oder auch Paare: Jeder ist willkommen. Je später die Stunde, desto ausgelassener wird gefeiert. Die älteren Semester treten allmählich den Heimweg an. Für die anderen ist dagegen noch lange nicht Feierabend. Während das „Mittelalter“ jetzt noch ausgiebig tanzt, muss der eine oder andere Jungschütze spätestens nach Mitternacht erkennen, dass im Bier eben doch Alkohol enthalten ist. Und er kann froh sein, dass die Bestimmung aus dem Jahr 1696 nicht mehr gilt: „Wer sich bei Zechgelagen derart betrinkt, daß das Genossene auf unnatürlichem Wege wieder das Licht der Welt erblickt, zahlt einen Gulden Strafe.“

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