111 Dinge (29): Der Besuch einer Kindertheatervorstellung im Kulturhaus

Wenn an der Scheibe der Theaterkasse im Lüdenscheider Kulturhaus das Schild „Ausverkauft“ hängt, ist das Ziel erreicht. Zumindest aus der Sicht des Teams im Kulturhaus, der spontane Besucher dürfte weniger begeistert sein.

Und manchmal kommt man sich dann vor wie vor dem Haupteingang eines Fußballstadions. Der eine hat noch eine Karte, die er nicht gebrauchen kann, der andere ist noch auf der Suche nach einem freien Theatersessel, weil er sich zu spät entschlossen hat. Geld und Karte wechseln die Besitzer, während drinnen schon der Gong ertönt.

Die Theaterkasse ist Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 13 Uhr. D er Kartenvorverkauf erfolgt an der Theaterkasse des Kulturhauses (Zugang Schillerstraße), telefonische Bestellung jeweils eine halbe Stunde nach Kassenöffnung unter Tel. 0 23 51/ 17 12 99, www.kulturhaus-luedenscheid.de

Ausverkauft sind zumeist die Vorstellung der Kindertheaterreihen. Wer sich hier nicht rechtzeitig kümmert, hat das Nachsehen. Kein Wunder eigentlich, geht es doch in aller Regel um die bekanntesten aller Actionfiguren. Um Pippilotta zum Beispiel oder um Tim, Karl, Klößchen und Gaby, um den kleinen Vampir, das Schlossgespenst und all die herrlich-unkaputtbaren Helden, deren Abenteuer für die Bühne umgesetzt werden. Mal mehr, mal weniger gut, aber das sehen oft nur die erwachsenen Besucher so. Und die sind bei den Kindertheatervorstellungen in der absoluten Unterzahl.

War die Zeit zwischen Schulschluss, Mittagessen, Hausaufgaben und Theater in den früheren Jahren oftmals knapp, so hat sich die Situation inzwischen entspannt. Im Kulturhaus trug man dem Wunsch vieler Eltern Rechnung und legte den Beginn der Vorstellung erstmals in der Saison 2011/2012 auf 15.30 Uhr.

Die meisten der kleinen Theaterbesucher haben ein Abonnement, erkennbar an dem farbigen Flyer, den sie fest umklammert haben und im Gedränge auf keinen Fall verlieren wollen. Ist der Sitzplatz erstmal erreicht, ist Gemütlichkeit angesagt. Schuhe aus, Gummibärchentüte aus dem kleinen Rucksack. Essen und trinken ist zwar nicht erlaubt im großen Saal, aber so lange das bei Weingummi und Bonbons bleibt, schauen die Einlass-Damen auch mal weg. Grüßen gehört jetzt zum guten Ton – gelegentlich schallen die Rufe bis hinauf in die Estraden. Still wird’s, wenn das Licht verlischt. Dann reichen die Beine der Zuschauer oftmals nicht mehr bis zum Boden, wenn sie sich in den bequemen Sesseln zurücklehnen. Und nimmt das Stück an Dramatik zu, bleibt sogar die Bärchentüte unberührt im Schoß liegen. Für die ganz Kleinen wird eine gute Stunde durchgespielt, den etwas Älteren gönnen die Ensembles meist schon eine Pause. Begeistert sind die einen wie die anderen, wenn am Ende der Vorhang fällt. Dann haben sie einen Nachmittag verbracht, dem immer noch etwas Festliches anhaftet. Die kleinen Zuschauer nehmen Eindrücke mit, haben gemeinsam mit ihren Helden gelacht, geträumt, gebangt und gesungen. Und all das ohne 3-D-Brille und Popcorn. Jutta Rudewig

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