111 Dinge (25): Auf den Spuren des Zeppelin-Förderers - Ein erdachter Carl-Berg-Rundweg

Die Fertigstellung seines ersten selbst geplanten und von renommierten Berliner Architekten entworfenen Domizils erlebte Carl Berg nicht mehr. Die auch heute noch als Villa Berg bekannte, letztens aufwändig renovierte Immobilie an der Hohfuhrstraße wurde erst 1907, also ein Jahr nach Bergs Tod, bezugsfertig.

Auch mehr als 100 Jahre nach dem Tod des Industriellen und Luftschiffpioniers Kommerzienrat Carl Berg (1851-1906) finden wir in seiner Geburts- und Heimatstadt nach wie vor Spuren, die an ihn, an seine Familie und an sein unternehmerisches Werk erinnern.

Als „Start“ der Spurensuche bietet sich das Geschichtsmuseum am Sauerfeld an. Hier verdeutlichen Exponate besonders Bergs Verdienste in Zusammenarbeit mit dem Erfinder des starren Luftschiffs David Schwarz (1850-1897) und dem Luftschiff-Konstrukteur Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917).

Bergs familiäre Wurzeln reichen zurück ins Altstadthaus Marienstraße 13. Dort gründete Urgroßvater Wilhelm Berg (1742-1814) 1787 ein Knopf-„Fabriksken“. Später ließ sich das aufstrebende Unternehmen auf dem großen Grundstück Altenaer Straße 23 nieder. Ab den 1890er Jahren expandierte Berg besonders dank dem neuen Leichtbaustoff Aluminium. An den hier stets „Bergs Fabrik“ genannten Gebäuden hält heute ein Schild der KulturFabrik Wilhelm Berg die Erinnerung an den einstigen Standort des Metallverarbeiters wach.

Ein weiteres Werk betrieb Familie Berg seit 1853 in (Werdohl-)Eveking im Versetal. Und eine zweite Lüdenscheider „Bergs Fabrik“ - Berg`s Victoria-Aluminium-Werke - entstand 1896 in einem erworbenen Fabrikgebäude an der Ecke Friedhof- und Gustav-Adolf-Straße (heute EGC Haus 8). In diesen Werken entstanden ab 1896 die Komponenten der Aluminium-Gerüste für die ersten Luftschiffe

1898/99 wurde an der Altenaer Straße ein großer Holzschuppen an die Fabrik angebaut. Er diente ausschließlich dazu, die Aluminiumteile für die einzelnen 18 Zellen des ersten „Zeppelins“ probeweise zusammenzusetzen und zu kontrollieren. Per Eisenbahn gelangten die wieder zerlegten Teile dann an den Bodensee und wurden dort endgültig zum 128 Meter langen Luftschiff zusammengefügt. Dessen erster Aufstieg am 2. Juli 1900 markiert den Beginn der Luftschiff-Ära.

Oben an der Altenaer Straße stand seit 1839 als Haus Nr. 4 Carl Bergs Geburts- und Elternhaus, das er später mit seiner Familie bewohnte. Seit 1907/08 in das unterhalb gelegene alte Fabrikgelände (später Jünger & Co.) integriert, wurde es 1974 abgebrochen. An der Stelle bietet heute das Stern-Center eine eher langweilig geratene Schaufensterfront.

Bis 1869 besuchte Berg die „höhere Bürgerschule“ im Nordschulgebäude Corneliusstraße 23 (später Berufsschule, heute Mehrfamilienhäuser). Das Nachfolgegymnasium am Staberg trägt seit 1929 den Namen Zeppelins. Carl Berg hingegen wurde durch die Stadt erst fünf Jahre später mit der Benennung eines neuen Weges geehrt.

Bergs Geburtshaus ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem 1878 oberhalb errichteten zweiten elterlichen Wohnhaus Altenaer Straße 2. Das stand in etwa auf dem heutigen Gelände der Targobank im Center. Nach dem Tod seiner verwitweten Mutter 1900 zog der Kommerzienrat mit seiner Familie dort ein.

Nicht in diesem Haus, sondern im Bonner Johannes-Hospital starb Carl Berg am 26. Mai 1906. Wohl aber fand dort drei Tage später die Trauerfeier im Beisein von Familie und Freunden statt, und von dort aus bewegte sich der Leichenzug zum evangelischen Friedhof an der Mathildenstraße. Dort liegt die Familiengrabstätte Berg mit dem Granit-Obelisken gut 100 Schritte links vom Eingang. Familiärer Überlieferung nach eilte auch Graf Zeppelin zur Beisetzung nach Lüdenscheid.

Den Baubeginn erlebte er noch so eben, nicht mehr vergönnt war Carl Berg aber der Bezug „seiner“ neuen Villa Hohfuhrstraße 42. Deren Entwurf stammte vom damals viel gefragten Berliner Atelier für Architektur und Kunstindustrie Kayser und von Großheim. 1907 bezog Carl Bergs Witwe mit ihren Kindern den repräsentativen Neubau. In dem entbehrlich gewordenen Wohnhaus Altenaer Straße 2 eröffnete im selben Jahr das 1960 abgebrochene Hotel „Kaiserhof“ (später „Transit“-Hotel der belgischen Besatzungsmacht).

Unseren fiktiven Carl-Berg-“Rundweg“ beschliessen wir kurz hinter der Stadtgrenze auf Meinerzhagener Gebiet an einer nicht alltäglichen Stelle. An der Sperrmauer der heutigen Fürwigge-Talsperre steht seit 1907 ein Obelisk mit einem bronzenen Porträt-Medaillon des Industriellen. Damit würdigte die Versetalsperren-Genossenschaft das verdienstvolle Wirken ihres Vorstehers von 1902 bis zu seinem Tode öffentlich – und auf Dauer.

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