111 Dinge (24): "Blind" im Café "Der kleine Prinz" essen

Gabriele Schlag sorgt – ebenso wie Kollegin Ümran Cagin – im „Kleinen Prinzen“ fürs frische Essen.

LÜDENSCHEID - Woher weiß man eigentlich, in welcher Ecke der Schüssel das Salatblatt liegt? Oder wo das letzte Stückchen des köstlichen Szegediner Gulasch? Im Kellergeschoss des Cafés „Der kleine Prinz“ bleibt einem gelegentlich nichts anderes übrig, als mit den Fingern zu tasten und diese nach erfolgreicher Suche völlig abzulecken.

Von Jutta Rudewig

Macht aber nichts, denn zweimal im Monat sieht das keiner. Im Gewölbe ist es stockfinster, wenn das Team ein „Blinddate“ anbietet – Essen im Dunkeln. „Wir servieren jeden ersten Freitag und Samstag im Monat beim Blinddate ein viergängiges Menü, haben aber inzwischen zehn bis zwölf Extratermine monatlich“, freut sich Diana Geim über die Resonanz.

Das Café „Der kleine Prinz“ an der Luisenstraße 15 bietet jeden ersten Freitag und Samstag ab 19 Uhr „Blinddates“ an. Andere Termine sind nach Absprache unter Tel. 0 23 51/2 74 95 für Gruppen bis 30 Personen möglich. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 23 Uhr, Samstag von 10 bis 18 Uhr, andere Zeiten nach Vereinbarung. Im Internet erreichbar unter www.cafe-kleiner-prinz.de.

Seit Anfang des Jahres ist sie die Chefin im „Kleinen Prinzen“. Vor sechs Jahren wurde in dem Café, dessen Träger der Verein der Freunde des Johannes-Busch-Hauses ist, das erste Mal im Dunkeln gegessen. Seitdem ist die Nachfrage stetig gestiegen. Auftakt des Blind-Essens ist der Gänsemarsch. Hand in Hand steigt man die steile Treppe hinab in den Keller und wird dort von Christine Baumann empfangen. Für die blinde Café-Mitarbeiterin ist die völlige Dunkelheit nichts besonders, wohl aber für die Gäste. „Man reißt die Augen auf und sieht absolut nichts“, sagt Diana Geim. Umsichtig werden die Gäste an ihre Tische geleitet, werden Getränke serviert. Und unwillkürlich beginnt der (nun nichts mehr) Sehende, seinen Tisch zu ordnen. Teller in die Mitte, Gabel rechts daneben, das Messer braucht man als Wegweiser, an dessen Ende das Getränkeglas steht.

Man will ja schließlich nichts verschütten. Salat, Fisch, Fleisch, Vegetarisches – die Küche im „Kleinen Prinzen“ ist bestens sortiert. Und dass die Gäste mehr oder weniger ungeniert mit den Fingern ins Essen greifen, sieht ja keiner. Geburtstagsfeiern, Junggesellenabschiede, Vereine – die Palette derer, die ein Blinddate als Gruppe buchen, ist breit gestreut. Für 20 Euro pro Person bietet das Blinddate ein Erlebnis der besonderen Art. „Wenn die Gäste Programm wollen, machen wir auch das möglich“, geht Christine Baumann auf die Wünsche der Gäste ein. Im Rahmen von „Mord am Hellweg“ wird gern ein Hörspiel-Krimi zum Essen serviert. Haben die Gäste ihr Dessert ausgelöffelt, stellt Kerzenschein das Licht allmählich wieder her. Und manch einer ist sehr überrascht darüber, wie es wirklich aussieht im Kellergewölbe des „Kleinen Prinzen“.

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