111 Dinge (16): Weiberfastnacht im Brauhaus Schillerbad feiern

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Im Brauhaus Schillerbad geht es an Weiberfastnacht fast so zu wie in den Lokalen der Kölner Altstadt. Es ist richtig eng, aber gerade das macht den Närrinnen und Narren Spaß.

LÜDENSCHEID - Die wohl feuchtfröhlichste Feier des Jahres findet an Weiberfastnacht im Brauhaus statt. Die rheinischen Bräuche haben längst auch in der Bergstadt Einzug gehalten – vom „sturen Sauerländer“ ist dann rein gar nichts zu spüren.

Von Christina Grégoire

Schon am frühen Abend tobt in dem bunt geschmückten ehemaligen Schwimmbad der Bär. Wenig später herrscht Ausnahmezustand. Dann bekommt man kaum noch „ein Bein anne Erde“, wie der Lüdenscheider sagt. Wechselnde DJs heizen den Narren und Närrinnen so richtig ein – und bringen mit Liedern wie „Superjeile Zick“ oder „Hände zum Himmel“ die Stimmung schnell zum Überschäumen.

Auf den Gängen und auf der Tanzfläche geht zeitweise gar nichts mehr. Dann packt auch schon mal Superman – auf dem Tresen stehend – die ultimative Luft-Gitarre aus. Wer es etwas ruhiger mag, der findet auf der Balustrade ein Plätzchen und kann sich das Massengetümmel von oben anschauen. Überall aus der Menge glitzern dann Heiligenscheine, Teufelshörner, stechen farbige Perücken ins Auge. Weiberfastnacht bedeutet für die Lüdenscheider Närrinnen mehr als nur die Pappnase aufzusetzen. Da sind Ideenreichtum und Kreativität gefragt – denn Kostüme von der Stange sind im Brauhaus Seltenheit. Selbermachen ist angesagt. Schon Wochen im Vorfeld machen sich die Närrinnen – meist in größeren Gruppen – Gedanken über ihr Karnevalsoutfit.

Die Karten für die Weiberfastnacht im Brauhaus Schillerbad, Jockuschstraße 3, kosten 13 Euro, inklusive eines Getränkes. Hier können 600 bis 700 Karnevalsfreunde ab 18.11 Uhr die fünfte Jahreszeit feiern. Allerdings empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu besorgen, ansonsten ist Einlass aufgrund des großen Andrangs Glückssache.

Ob schaurig, schrill, gruselig oder niedlich: Da wird gewerkelt und genäht – mit großem Erfolg. Denn der Ideenreichtum ist kaum zu überbieten. So tanzen am Tag der Tage ganze Kartenspiele miteinander, der Bauer schunkelt mit dem Ass, das Karo mit Herz, Kreuz und Pik. Blumenwiesen blühen trotz winterlicher Temperaturen in wahrer Pracht, man findet Käseplatten in innigem Einklang mit Mäusegruppen, Bauarbeiterkolonnen ziehen ihre Polonaise durch das Lokal. Da tanzt der Engel mit dem Teufel, der Knasti mit dem Polizisten. So wird die Nacht der Frauen zum Feier-Höhepunkt des Jahres.

Der neueste Trend: sich völlig zu verunstalten und somit unerkannt zu bleiben – und den Spaß zu genießen, Bekannte rätseln zu lassen oder gar dauerhaft inkognito das Karnevalstreiben zu beobachten. Jugendliche oder junge Erwachsene sieht man an diesen Tagen weniger: Es sind doch eher die 50er-, 60er- und 70er-Jahrgänge, die die fünfte Jahreszeit nach Herzenslust ausleben. Massenverkleidungen sind im Brauhaus so beliebt wie sonst nirgends in der Stadt – wobei es sich durchaus auch lohnt, einen Abstecher zu Dahlmann oder in die kleineren Kneipen wie den Reidemeister zu machen, wo es genauso lebendig und bunt zugeht. Ausklingen lassen etliche Närrinnen und Narren den Abend dann im Saitensprung oder Ballermann am Rathausplatz. Hier wird mit Gratis-Sekt und Menstrip das närrische Volk angelockt.

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