111 Dinge (15): In der Komfort-Loge des Filmpalastes großes Kino genießen

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Filmverliebt und damit äußerst stilecht präsentiert sich das Foyer des Filmpalastes an der Werdohler Straße. Die 50er-Jahre-Atmosphäre mit ihren geschwungenen Linien und markanten Details hat der Denkmalschutz gewürdigt.

LÜDENSCHEID - Manchmal gehen die Leute mit Decken und Kissen in dieses Kino, weil’s mal wieder länger dauert. Wie im 1.-Klasse-Flieger nach Übersee legen sie in der Designerloge die Beine hoch, kippen den Sitz leicht nach hinten, ein Getränk neben sich und etwas zum Knabbern in der Hand.

Von Susanne Kornau

So lässt es sich getrost in ein paar Stunden um den Planeten reisen. Da kann auf 85 Leinwand-Quadratmetern ruhig die Welt untergehen, das macht nichts. Dort, wo früher 200 Stühle standen, füllen seit ein paar Jahren 38 Logenplätze mit 1,85 Meter Reihenabstand den oberen Teil des Kinosaales, der diesen Namen wirklich noch verdient. Aber es heißt ja auch nicht umsonst „Filmpalast“, das Traditionshaus am Platz. Wo heute rund 300 Sperrsitz-Sessel unterschiedlicher Bequemlichkeitsgrade im großen Saal sind, standen in den 50er-Jahren 720 Sitze – oft besetzt.

Der Filmpalast liegt in zweiter Reihe an der Werdohler Straße 68b, 58511 Lüdenscheid. Telefon: 0 23 51 / 67 19 64. E-Mail: info@filmpalast-luedenscheid. de.

Das 1956 eröffnete Kino wurde 2002 um einen zweiten Saal, das Atelier, erweitert. Teile des Foyers stehen unter Denkmalschutz. 2003 wurde die nach eigenen Angaben bundesweit einzigartige VIP-Loge eingebaut. Auf der sehr informativen Website www.filmpalast-luedenscheid.de finden sich zahlreiche Stichworte für Filmfans und solche, die es werden wollen – von „Kino mieten“ bis „Kindergeburtstag“. Die nächst gelegene, von vielen Linien frequentierte, Bushaltestelle ist „Kluser Platz“. Kostenlose Parkplätze stehen hinter dem Haus (Zufahrt über die Reckenstraße) zur Verfügung.

Die heutige Ausstattung wird nicht die letzte sein; auch der Sperrsitzbereich hat Potenzial für Neuerungen. Die Zeiten haben sich eben geändert. Doch um die Zukunft ist Kinochef André Lubba nicht bange: Das Pantoffelkino wird zwar immer größer und professioneller, aber „großes Kino“ heimeliger, gemütlicher. Das kommt an. Im Atelier, dem kleinen Kinosaal im Erdgeschoss mit seinen 30 Plätzen, rücken die Cineasten gerne enger zusammen.

Der etwas versteckt liegende Bau mit dem besonderen Charme zelebriert den Eintritt in andere Welten schon im Foyer. James Bond – wer sonst – schickt Liebesgrüße aus Hollywood und nimmt jeden Filmfreund ins Visier. Und welcher war der Beste? „Wer wohl – Connery“, sagt Lubba wie aus der Pistole geschossen. In Teilen denkmalgeschützt, atmet der Eingangsbereich den Geist jener Lichtspieljahre, die heute Lichtjahre entfernt scheinen. Schon sein Opa hat „Kino gemacht“, irgendwann zog die Familie nach Lüdenscheid und seine Eltern kauften 1979 das Kino an der Werdohler Straße.

Der „Süßwarenverkauf“, verschnörkelt angepriesen, ist wesentlicher Bestandteil des Geschäfts, das so viel mehr verlangt als das Ausdrucken von Kinokarten und das Abspielen von Filmen. Kinowochen mit örtlichen Veranstaltern, Geburtstage, auf Wunsch eine Feier oder Sonderveranstaltung „wenn’s passt“ – man muss mit der Zeit gehen, und die verlangt nach Events, nach dem besonderen Erlebnis. André Lubba hat auf digitale Technik umgerüstet, zeigt auch 3 D-Filme. „Wir investieren jeden Cent hier hinein“, sagt der Chef, und tüftelt an den nächsten Ideen, die in der Branche wieder einen Trend lostreten könnten – wie einst die Logensitze. Sein Publikum dankt es ihm. Es kommt sogar aus Köln, auf der Suche nach dem letzten Flair unter all den Vorführfabriken. Die Besucherzahlen haben direkte Auswirkung auf die Filmvergabe im komplizierten Berechnungssystem der Verleiher. Doch das weiß der Kinogänger alles nicht. Er lässt sich in die weichen Polster sinken, bereit für die Stürme des Lebens. Es wird dunkel. Film ab. Großes Kino.

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