111 Dinge (13): Eine Vorstellung der „Lüdenscheider Lüsterklemme“ besuchen

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Benjamin Eisenberg gewann 2011 die Lüdenscheider Lüsterklemme. Zum Jahresende spielte der politische Kabarettist sein Programm im Garderobensaal noch einmal, so wie es die Tradition verlangt.

LÜDENSCHEID - Die Vorstellungen haben etwas Familiäres. Das fängt schon damit an, dass man eben nicht die große Treppe hinauf in den Theatersaal des Kulturhauses geht, sondern rechts abbiegt. Für kleinere Veranstaltungen wird der Garderobensaal umgebaut – zum Bistro K, in dem über die Lüdenscheider Lüsterklemme abgestimmt wird.

Von Jutta Rudewig

Vieles unterscheidet sich von einem „normalen“ Theaterbesuch. Man nimmt Platz an Bistro-Tischchen, darf Wein oder Wasser trinken, wahlweise auch das kühle Blonde, laut lachen und auch mal mit dem Tischnachbarn flüstern. Irgendwie ist man mittendrin im Geschehen, und auch die Menschen anders. Lockerer. Entspannt. Gelassen.

Vorstellungen:

Dienstag, 7. Februar, ab 19.30 Uhr: Tilman Birr Mittwoch, 8. Februar, ab 19.30 Uhr: Gunkl Donnerstag, 8. Februar, ab 19.30 Uhr: Maria Vollmer Samstag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr: el mago masin Sonntag, 19. Februar, ab 19.30 Thomas Lienenlüke

Einzelticket 15,40 Euro, alle fünf Veranstaltungen 61,60 Euro, Kartenvorverkauf an der Theaterkasse des Kulturhauses sowie im LN-Ticketshop.

Die Vergabe des Kleinkunstpreises „Lüdenscheider Lüsterklemme“ hat Tradition. Zum 33. Mal wird der Preis 2012 ausgelobt. Fünf Künstlerinnen und Künstler, immer im Februar, die Sparkasse Lüdenscheid als Hauptsponsor. Kein Bohlen, kein Quotenfang – das Publikum selbst ist die Jury. Auf den Tischen liegen jede Menge Zettel und Bleistifte aus. Wer möchte, kann sich an der Abstimmung über die Qualität des Künstlers und seines Vortrages beteiligen. Anonym, oder auch mit Namen und Anschrift, je nachdem, ob man am Ende selbst einen gestifteten Preis bekommen möchte.

Benjamin Eisenberg hieß der Gewinner der Lüsterklemme 2011. Ein junger, politischer Kabarettist, der die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte. Sein Preisgeld – 1500 Euro – und den Preis bekam er im gleichen Jahr im Dezember. Auch das ist Tradition. Zum Jahres ende spielt der Preisträger sein Programm noch einmal im Kulturhaus.

Die Lüsterklemme ist ein Preis mit Augenzwinkern, der sich in Kabarettkreisen bundesweit herumgesprochen hat. Die Künstler kommen gern nach Lüdenscheid, weil sie hier ein abendfüllendes Programm spielen dürfen und direkt vom Publikum bewertet werden. Und ein Preis mit einem besonderen Na–men. Eine Lüsterklemme verbindet – zum Beispiel Publikum und Künstler. Und ganz nebenbei ist sie schließlich auch ein typisches Produkt der Lüdenscheider Industrie.

Einen Vorhang gibt es nicht in der Garderobehalle. Und so richtig mittendrin im Programm sind diejenigen, die freiwillig in der ersten Reihe Platz nehmen. Wer dort sitzt, wird vom Bühnenakteur angesprochen, eingebunden, ausgefragt. Aber da finden sich immer Freiwillige. Wie sieht das sonst denn auch aus?

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