111 Dinge (12): Bei den Handballspielfesten in der BGL-Halle gibt es nur Sieger

Auf den Kleinfeldern gehen Jungen und Mädchen in gemischten Mannschaften auf Torejagd. Die Tore sind dabei angehängt – so können auch kleinere Torhüter die Würfe besser parieren.

LÜDENSCHEID - Es ist Sonntagvormittag, 11 Uhr. Die Sporthalle des Bergstadt-Gymnasiums hat sich bereits gut gefüllt. Im Foyer duftet es nach frischen Waffeln und Kaffee. Kinder wie Eltern sieht man die freudige Erwartungshaltung an. Dabei geht es nicht um Sieg und Niederlage, nicht um sportlichen Ruhm.

Von Thomas Machatzke

Es geht einfach darum, Spaß zu haben. Es ist Spielfest-Zeit bei der HSG Lüdenscheid. Zweimal pro Spielzeit ist die HSG (Handball-Sport-Gemeinschaft) aus der Bergstadt Gastgeber für den jüngsten Nachwuchs der Populär-Sportart. Natürlich spielen auch Lüdenscheider mit. Aber eben auch Jungen und Mädchen aus Werdohl, aus Kierspe, Altena, Schalksmühle und Halver sind dabei, sogar Gäste aus Attendorn. Es ist ein kleines Spektakel, das auch den unbeteiligten Zuschauer erfreut. Der stellt sich vor, dass auch ein Pascal Hens oder ein Florian Kehrmann mal bei so einem Spielfest angefangen haben. An so einem Tag, an dem Eckhard Füller – bei der HSG seit Jahren Herr der Spielfeste – und seine Helfer sich alle Mühen geben bei der Aufgabe, einen Sack Flöhe zu hüten.

Die Handball-Sport-Gemeinschaft Lüdenscheid ist ein Einspartenverein. In den 90er-Jahren ging die HSG seinerzeit noch als Handball-Spiel-Gemeinschaft aus dem Lüdenscheider Handball-Club und der Handball-Abteilung von Rot-Weiß Lüdenscheid hervor. Später dann wurde ein eigener Verein gegründet. Mit fünf Herren- und drei Damenmannschaften sowie einer der größten Jugendabteilungen in Südwestfalen ist die HSG ein Marktführer in Sachen Handball.

Die BGL-Halle, in der sonst wohlgeordnet von Tor zu Tor und Hallenseite zu Hallenseite Sport getrieben wird, ist für drei Stunden eine Abenteuerlandschaft. Im ersten Hallendrittel stehen zwei Tore – gespielt wird quer auf normaler Spielfeldbreite. Die Kreise sind abgeklebt. Das zweite Hallendrittel sieht genauso aus. Im dritten Drittel aber sind Kästen und Bänke aufgestellt, über die gerade ein paar Mädchen aus Kierspe klettern. Daneben malt ein Kind ein Bild aus, wieder ein paar Meter weiter baumeln ein paar Jungs aus Altena an dicken Seilen, die von der Hallendecke hängen. Es ist das Hallendrittel, in dem die Vier- bis Achtjährigen beschäftigt werden, die gerade kein Spiel haben.

Auf den beiden Kleinfeldern gehen Jungen und Mädchen in gemischten Teams – vier Spieler, ein Torwart – auf Torejagd. Ein kleiner Linkshänder geht mit dem Ball schon um wie ein Großer und vernascht seine Gegner nach Belieben. Bei anderen sieht es holpriger aus. Nicht jeder Ball wird gefangen, nicht jede Regel ist bekannt. Und es kommt vor, dass ein Torwart gerade aufs Nachbarfeld schaut, während in seinem Tor der Ball einschlägt. Beim Spielfest ist das nicht so schlimm. Denn am Rande stehen hier noch keine vom Ehrgeiz zerfressenen Trainer und Betreuer. Hier wird zwar eifrig erklärt und angeleitet, aber wenn man die erfahrenen Handballer auf der Bank genauer betrachtet, sieht man, dass auch sie das Treiben einigermaßen amüsiert betrachten.

Es macht auch gar keinen Sinn, besonderen Ehrgeiz zu entwickeln, denn Sieger sind am Ende sowieso alle. Für jeden gibt es eine Urkunde. Dazu ein kleines Präsent. Dafür gibt es keine Tabelle. Nicht einmal im Geheimen und bei den Erwachsenen. Die Kinderaugen leuchten. Sie sagen: Das war ein guter Tag. Heute haben wir hier viel Spaß gehabt. Spaß ohne Druck. Auch die Eltern sind zufrieden. Sie haben Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und ihrem Nachwuchs zugeschaut. Und wer weiß? Vielleicht ist da sogar ein neuer Gensheimer oder Heinevetter dabei gewesen. Oder wenigstens einer, der in 15 Jahren mal im BGL die HSG-Senioren von Sieg zu Sieg wirft.

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