111 Dinge: (105) Touren mit den Buslinien der MVG

Kein Rucksack, keine Umhängetasche, keine Turnschuhe und vor allem kein Smartphone - Friedhelm Schulte fällt nicht nur wegen seiner textilen und technischen Ausrüstung in der morgendlichen MVG-Schnellbuslinie 1 auf dem Weg von Lüdenscheid nach Iserlohn aus der Reihe. Der Rentner treibt auch den Altersdurchschnitt in die Höhe.

„Ich bin auf dem Weg zu meiner Tochter und den Enkelkindern. Wir gehen nach dem Frühstück ins Schwimmbad“, lacht der rüstige Pensionär und freut sich auf einen unternehmungsreichen Tag. Von solchem Tatendrang ist bei den übrigen Fahrgästen im fast voll besetzten Gelenkbus gegen 7 Uhr nichts zu hören.

Ein paar Azubis sind unterwegs zur Lehrstelle, die Masse stellen Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu den Berufskollegs in Altena und Iserlohn. Vom Start am Sauerfeld über Altena und Nachrodt bis zur Endhaltestelle am Konrad-Adenauer-Ring chauffiert MVG-Fahrer Klaus Lawo das Ungetüm auf drei Achsen in nur 55 Minuten sicher über die Bundesstraße und durch enge Gassen. In seinem Rücken ist es während der gesamten Tour ausgesprochen ruhig. Nur ein paar weibliche Fahrgäste unterhalten sich über ihre Freunde und Klamotten, während die männlichen Mitschüler mit Handy, Ohrstöpseln und meist leerem Blick vor sich hin dösen.

Klaus Lawo, seit 30 Jahren hinterm Steuer, ist mit der S 1 und ihren Fahrgästen ausgesprochen zufrieden. „Hier ist alles ruhig, Probleme gibt es so gut wie keine.“ Das sieht auf anderen Strecken beim täglichen Schülertransport mitunter anders aus. Er, sein Kollege Martin Lange und die anderen Fahrer kennen ihre „Pappenheimer“. Bei der Masse an Personen bleiben Reibungen nicht aus. „Aber mit der Zeit wird man gelassener.“ Wer seine Fahrt in den modernen Bussen - die neuesten werden bereits mit Videokameras vom Fahrer überwacht - genießen will, sollte Schulbeginn und -schluss möglichst meiden.

„Von den jungen Leuten bietet keiner mehr den Älteren seinen Platz an“, weiß Busfahrer Martin Lange. Aber nicht nur im Wagen herrscht Gleichgültigkeit, auch auf der Straße nimmt die Zahl der Rücksichtslosen nach den Erfahrungen der MVG-Fahrer ständig zu. „Seit vier, fünf Jahren wächst die Aggressivität. An Haltestellen wird geparkt, Busspuren sind dicht, Vorrangampeln für Busse werden ignoriert und die Regeln der Straßenverkehrsordnung bei eingeschalteter Warnblinkanlage kennen offenbar die Wenigsten.“

Hinzu kommen enge Fahrbahnen, von denen es in der Stadt mehr als genug gibt. Von solchen Schwierigkeiten bleiben Fahrgäste wie Friedhelm Schulte oder das Ehepaar Halbach aus Werdohl zum Glück verschont. „Das ist schon okay“, beurteilt Karl-Heinz Halbach den Service und beobachtet die Bauarbeiten an der Silbergtrasse bequem aus der erhöhten Sitzposition. Inner- wie außerstädtisch lässt sich per Bus eine Menge sehen und entdecken. Schultes Enkelkinder favorisieren hingegen aus einem besonderen Grund den Gelenkbus. „Die finden den Drehteller in der Mitte so lustig.“ - Bernd Eiber

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