111 Dinge (104): Einen Lüdenscheid-Krimi schreiben  

Lüdenscheid ist die Stadt des Lichts. Aber sie hat auch noch eine ganz andere Seite. Eine dunkle, geheimnisvolle, gefährliche. Das geübte Auge eines Krimiautoren sieht die natürlich sofort und auch die anderen Zutaten für einen guten Lüdenscheid-Krimi gibt es hier.

Den renitenten Nachbarn zum Beispiel, der sich aufregt, weil man seine Einfahrt versperrt, mehr als einmal im Sommer den Grill anwirft oder einfach nur mehr Sonne abbekommt. So einen Menschen möchte man doch am liebsten nach Altena schießen oder lieber gleich unter die Erde bugsieren.

Zum Thema Wirtschaftskriminalität: Fiese Machenschaften, ein gieriger Griff in die Geschäftskasse oder Ränkeschmieden in den Chefetagen alteingesessener Familienbetriebe lassen sich leicht zusammenfabulieren. Der ganze Plot muss dann mit einer kräftigen Prise Lokalkolorit gewürzt werden. Denn Lüdenscheid gibt in dieser Hinsicht eine Menge her.

Neben dem Lüdenscheid-Krimi „Kunst-Fehler“ von Maike Förster gibt es noch weitere Krimis, die in der Bergstadt spielen. Zu nennen wären hier unter anderem Alfred Bekkers „Der Killer wartet…“, Kurt Wasserfalls „Gewitterliebe“, Ulla Schneiders „Tropfen auf den kalten Stein“ und „Grüne Wasser sind tief“. Für das Krimifestival „Mord am Hellweg“ hat Norbert Horst die Erzählung „Lüdenscheider Blutopfer“ geschrieben.

Allein schon die knurrig-sture Mentalität des Sauerländers - eine Wonne, sich so einen Vertreter als Kriminalkommissar vorzustellen. Oder als Zeuge, der die Ermittlungen mit seiner herrlich eigensinnigen Art und der nicht zu leugnenden Einsilbigkeit immer wieder ins Stocken bringt.

Und dann die Schauplätze! Der unheimliche Tunnel am Sauerfeld, das dunkle und verlassene Forum am Sternplatz, die menschenleere Heedfelder Straße bei Nacht, die Schneckenhaus-Baustelle am Honsel, die gähnend leeren Panzerhallen am Stilleking oder auch lauschige, aber umso einsamere Waldstücke an der Homert und im nur scheinbar friedlichen Othlinghausen.

In Lüdenscheid können Verbrecher untertauchen, ohne dass jemand ihnen nähere Beachtung schenkt. Und dann die Randlage mit einer umso besseren verkehrstechnischen Anbindung ans Ruhrgebiet oder an den noch weiter vom Schuss befindlichen Hochsauerlandkreis: Mit Fluchtwegen, Verfolgungsjagden über die A45 und einem Zwischenstopp an den bunten Wohnwagen der Damen vom horizontalen Gewerbe muss nicht gespart werden. Die Geschichten liegen auch in der Bergstadt auf der Straße. Und sie aufzunehmen und zu erzählen, macht im besten Falle nicht nur Spaß, sondern führt auch noch zur Veröffentlichung eines eigenen Lokalkrimis.

Diese Krimis locken auch in Lüdenscheids Buchhandlungen an exponierter Stelle zum Kauf. Warum also nicht loslegen und schreiben? Sonst tut es noch der Nachbar oder Kollege - und was dem dann aus purem Neid angetan werden könnte? Nicht auszudenken! Oder doch? - Maike Förster

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