111 Dinge (102): Ein Spiel der “Highlander” anschauen

„Herzlich Willkommen in der IT-Consulting-Arena“, schallt es durch die Sporthalle des Bergstadt-Gymnasiums. Hallensprecher Christian Desens begrüßt die Fans der Highlander Lüdenscheid des LTV 61 an diesem Samstag zum 66. Heimspiel der „Schotten“ in der 1. Inline-Skaterhockeybundesliga. Seit 2007 gehören die Highlander ununterbrochen der höchsten Spielklasse dieser aufstrebenden Randsportart an.

Sicherlich gehören die heimischen Hockey-Cracks nicht zu den alteingesessenen Mannschaften in dieser Sportart, in der es schon seit 1986 organisierte Spiele gibt. Seit ihrem Durchmarsch aus der Landesliga über die Regionalliga und die 2. Bundesliga bis ins Oberhaus haben sich die Highlander gleichwohl etabliert.

Die Antwort auf die Frage, was diese Sportart, die anfangs von vielen belächelt wurde, so beliebt macht, ist auf den ersten Blick simpel: die Nähe zur Muttersportart Eishockey. Zahlreiche Kufencracks nutz(t)en die eislose Zeit, um sich auf Inline-Skates, den Schuhen mit den vier hintereinander angeordneten Rollen, in Spiellaune zu halten. Spieler wie Deutschlands Eishockey-Aushängeschild Michael Wolf in Lüdenscheid weckten schnell das Interesse einer breiteren Masse, die ihren Vorbildern nun plötzlich näher sein konnte als von der Tribüne eines Eisstadions aus.

Es ist vor allem die Rasanz, die dieser Sportart anhaftet: Auf der 15 bis 30 Meter breiten und 30 bis 60 Meter langen Spielfläche versuchen vier Feldspieler einer Mannschaft, den gegnerischen Torwart der anderen Mannschaft mit einem orange-farbenen, rund 80 Gramm schweren Hartgummi/-plastikball zu überwinden. Da im Gegensatz zum Eishockey hier keine Abseitsregel gilt und begrenzter Körpereinsatz zulässig ist, geht es rauf und runter. Zwei Schiedsrichter greifen bei Regelverstößen ein. In sechs Altersklassen wird der Sport wettbewerbsmäßig ausgeführt, auch eine Damen-Bundesliga existiert, wenn auch nicht in Lüdenscheid. Hier bemüht man sich nach wie vor redlich, Spieler möglichst aus der Region, zwangsläufig aber auch von weiter außerhalb - sogar bis nach Holland oder Tschechien - zu verpflichten.

Lüdenscheid ist - anders als Iserlohn, Krefeld, Düsseldorf oder Köln - eben keine Eishockey-Hochburg. Dafür macht sich mit den Sauerland Steel Bulls inzwischen ein zweiter Klub aus der Bergstadt auf, in dieser Sportart für Schlagzeilen zu sorgen. Der Aufstieg ist mittlerweile bereits geglückt. Und wer weiß, vielleicht wartet auf die Bergstadt irgendwann einmal sogar ein Lüdenscheider Derby in der obersten Spielklasse des Inline-Skaterhockey-Spielbetriebes.

Eishockey-Hochburg hin oder her - die Lüdenscheider Zuschauer würde es sicherlich freuen, wenn es dann eines Samstages durch die Lautsprecher der BGL-Halle schallt: „Herzlich Willkommen zum Derby in der IT-consulting-Arena.“ - Tim Viebahn

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