111 Dinge (100): Ein Spaziergang über den Waldfriedhof am Piepersloh

Der beste Zeitpunkt für einen Spaziergang über den Waldfriedhof Piepersloh ist definitiv der Herbst. Dann hängen die dichten Nebelschwaden, die es in Lüdenscheid, der Stadt des Regens, so oft gibt, tief in den Bäumen und über den Gräbern. Und neben dieser ganz besonderen Stimmung schafft diese Wetterlage noch etwas Begrüßenswertes.

Sie schluckt den Lärm der naheliegenden Autobahn. Denn manchmal hat der Besucher schon den Eindruck, als führe die A 45 direkt durch die Friedhofsanlage. Bei Westwind herrscht aber zum Glück Stille - und genau die suchen die meisten Besucher, die zum Piepersloh kommen. Die parkähnliche Anlage in direkter Nähe des Krematoriums lädt ein zur Einkehr und Innenschau. Und bei Sonnenschein kann der Besucher auch hier den „Indian Summer“ im Märkischen Kreis genießen.

Der Waldfriedhof Piepersloh hat eine Gesamtfläche von circa 58 000 Quadratmetern. Er verfügt über rund 4000 Gräber und hat eine eigene Trauerhalle. Diese kann auf Wunsch für Trauerfeiern reserviert werden. Neben der traditionellen Erdgrabbestattung besteht seit dem Jahr 2006 auch die Möglichkeit einer Baumbestattung. Seit 2005 befindet sich in der direkten Nachbarschaft ein privates Krematorium.

Der Baumbestand ist abwechslungsreich und gepflegt. Stimmungsvolle Ausblicke auf Täler, Wiesen und Felder der Umgegend gibt es an vielen Stellen darüber hinaus zu erhaschen. Und ganz nebenbei lässt sich beim genauen Betrachten der Gräber vieles über die verschiedenen Formen des Gedenkens und Bestattens erfahren. Kriegsgräber, Erbbestattungsgräber und moderne Baumbestattungen - auf dem Waldfriedhof Piepersloh herrscht ein friedliches und stimmiges Miteinander der Friedhofskulturen.

Ein Muss für den Spaziergänger ist ein Besuch des liebevoll gestalteten Kolumbariums im ehemaligen Glockenturm - es bildet ohne Zweifel das Herzstück der gesamten Friedhofsanlage. Manchmal sorgt der Blick auf die Inschriften der Grabsteine für Verstummen. Welche Schicksale verbergen sich hinter den Namen und Lebensdaten der hier Bestatteten?

Und wie gedenken die Familien der Verstorbenen? Auch hier gibt es deutliche Unterschiede. Schlichte Holzkreuze und opulent gestaltete Steine wechseln sich ab. Auf einigen Grabsteinen steht nur ein Vorname - ohne Blick auf die Lebensdaten weiß der Besucher sofort, dass sich hier Eltern von ihrem Kind verabschieden mussten.

Die Fragen nach dem Umgang mit Tod und Vergänglichkeit stellen sich auf dem Friedhof immer wieder. Mancher geht mit einem Kloß im Hals zurück zum Ausgang. Und kommt doch immer wieder - weil man sich der besonderen Stimmung und Atmosphäre des Ortes nicht entziehen kann. Thomas Krumm

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