„Mini-Dutschkes in der Bergstadt“

Vortrag über die  68er in Lüdenscheid in den Museen

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Dr. Dietmar Simon referierte über den club aktuell und seine Aktivitäten in Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Die politische Jugendbewegung der 68er in Lüdenscheid stößt weiterhin auf großes Interesse. Der Vortrag „Die ‘68er’ in Lüdenscheid. Eine politische Jugendbewegung vor 50 Jahren“ mit Dr. Dietmar Simon am Donnerstag im Foyer der Museen am Sauerfeld war gut besucht. Der Referent richtete seinen Fokus auf eine Gemeinschaft junger Leute, die im Mittelpunkt der Aktivitäten im Zuge der 68er-Bewegung in Lüdenscheid stand.

Der „club aktuell“, wie sich die Gruppe nannte, wurde am 20. März 1968 auf einem Foto verewigt, das ein Fotograf der Westfälischen Rundschau in Begleitung des damaligen Redakteurs Jürgen Kramer erstellte, der über die politischen Anliegen der „Mini-Dutschkes in der Bergstadt“, wie die Jugendlichen damals ein wenig spöttisch genannt wurden, berichten wollte. 

Bei den Aktivisten handelte es sich um den damals 18-jährigen Horst Ebbinghaus, den gleichaltrigen Volker Embgen, sowie Uwe Dzewas, Klaus Hülbrock und Manfred Fenner, damals alle 20 Jahre alt. Während in den Großstädten wie Berlin die 68er-Bewegung vorwiegend aus Studenten bestand, waren in Lüdenscheid vor allem Gymnasiasten aktiv, lediglich Manfred Fenner war zu dieser Zeit bereits Student.  „Auch Klaus Hülbrock, der zunächst Funker bei der Bundeswehr war, später aber vordergründig aus gesundheitlichen, tatsächlich aber aus politischen Gründen, seine Entlassung bewirkt hat, nahm in der Gruppe eine Sonderstellung ein“, erklärte Simon.

Als die relativ kleine Gemeinschaft im August 1967 im Rahmen einer Flugblattaktion anlässlich der Tötung des Studenten Benno Ohnesorg bei den Protesten gegen den Schah-Besuch in West-Berlin erstmals in Erscheinung trat, wurde sie von den Lüdenscheidern eher erheitert zur Kenntnis genommen. Erst am 8. Dezember 1967 fand die erste offizielle Versammlung im Clubraum der Kerksighalle statt, die sich an der damals aktiven „Außerparlamentarischen Opposition“ (APO) orientierte. „An diesem Treffen nahmen laut Teilnehmerliste 15 junge Leute teil“, so Simon. Der damalige Leiter des Jugendamtes, Kurt Gereke, unterstützte die Gruppe. 

Zu den wichtigsten Aktionen des club aktuell zählten laut Simon zwei Diskussionsveranstaltungen, damals „Hearing“ genannt, zum Thema Schule und Bildungspolitik am 25. Januar 1968 sowie Anfang März 1968 in der Kerksighalle, eine provokative Aktion zum Vietnam-Krieg am 22. März 1968 im Rahmen einer Veranstaltung der Kunstgemeinde in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, eine Demo gegen den Vietnam-Krieg am 30. März 1968 sowie eine weitere Demo gegen die von der Bundesregierung beschlossenen Notstandsgesetze am 30. Mai 1968.

„Danach war es lange still um den club aktuell, erst 1969 machte die Gruppe ein letztes Mal mit einem Protest gegen den Propaganda-Kriegsfilm ‘Die grünen Teufel’ vor dem Stern-Theater auf sich aufmerksam“, erklärte Simon. Dort kam es dann auch das einzige Mal in Lüdenscheid zu körperlichen Auseinandersetzungen von Demonstranten und Polizei. Der Film wurde dennoch aufgrund der Proteste abgesetzt. 

Im Anschluss an den Vortrag meldeten sich noch Zeitzeugen zu Wort, darunter Peter Czeranna, der ein aktives Mitglied des club aktuell war.

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