Bestrahlung nimmt effektiv Schmerzen bei gutartigen Erkrankungen

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Dr. Dieter Schnalke: „Mit der Schmerzbestrahlung haben wir eine effektive Behandlungsmethode bei Erkrankungen wie einem Fersensporn. Über 90 Prozent der Patienten sind nach der Behandlung schmerzfrei oder haben deutlich weniger Beschwerden.“

Lüdenscheid - Mit Strahlen behandeln Ärzte bösartige Krebserkrankungen. Dass die Strahlentherapie aber auch bei gutartigen Erkrankungen zum Einsatz kommt – das wissen nur wenige Patienten. „Wir können mit kleinsten Dosen und wenig Bestrahlungen Schmerzen lindern. Zum Beispiel beim Fersensporn, bei Arthrose und beim sogenannten Tennisellenbogen“, erklärt Dr. Dieter Schnalke.

Der Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Klinikum Lüdenscheid erklärt Wirkungsweise und Vorgehen anhand des Beispiels Fersensporn.

Bei dieser Erkrankung bildet sich am Fersenbein ein knöcherner Sporn. Wird der verknöcherte Sehnenansatz gereizt, kann es zu Entzündungen kommen, die mit großen Schmerzen einhergehen können und Probleme beim Gehen verursachen.

„Bei Belastung des Fußes hat der Patient starke Schmerzen. Wird der Fuß entlastet, mildert sich der Schmerz, zum Beispiel während des Nachtschlafes. Wenn der Betroffene aber am nächsten Morgen aus dem Bett steigt, sind die Schmerzen nach dieser langen Ruhephase noch viel schlimmer.“

Hier kann dem Patienten eine sogenannte Schmerzbestrahlung Linderung verschaffen. „Die Bestrahlung wirkt antientzündlich“, erklärt Dr. Dieter Schnalke und berichtet dann, dass bei dieser Behandlung sehr kleine Strahlendosen zum Einsatz kommen. „Wir Ärzte setzen Strahlen schon seit vielen Jahren ein, wenn wir einen hartnäckigen Fersensporn behandeln. Aber heute wissen wir durch die neusten Forschungsergebnisse, dass wir mit sehr geringen Strahlendosen auskommen. Da reichen Einzeldosen von 0,5 Gray aus. Früher kamen Dosen bis zu einem Gray zum Einsatz.“

Acht Bestrahlungstermine verteilt auf zwei bis drei Wochen seien ausreichend, berichtet der Strahlenspezialist. Die Belastung für den betroffenen Patienten sei auch hier minimal gehalten. „Wir kommen insgesamt auf eine Dosis von vier Gray. Im Vergleich: Bei Prostatakrebs liegt der Wert bei bis zu 80 Gray“, erklärt Dr. Dieter Schnalke.

Die Erfolge rechtfertigen den Einsatz der Strahlenbehandlung. Dr. Dieter Schnalke: „In wissenschaftlichen Studien haben sich Erfolgsraten von bis zu 92 Prozent ergeben. In den meisten Fällen sind unsere Patienten nach dem Abschluss der Therapie komplett schmerzfrei.“

Manche Patienten berichten von einer Zunahme der Schmerzen bei Beginn der Bestrahlungstherapie. „Deshalb ist die genaue Aufklärung so wichtig. Ich erkläre meinen Patienten genau, wie die Behandlung abläuft und auch, dass sie Geduld haben müssen. Denn auch wenn der Schmerz kurzzeitig zunimmt, hört er doch nach der Behandlung in den meisten Fällen völlig auf. Das kann aber manchmal auch einige Wochen dauern“, berichtet Dr. Dieter Schnalke.

Auch bei anderen Erkrankungen könne die Schmerzbestrahlung helfen, erklärt der Strahlenspezialist. Bei entzündlichen Weichteil-, degenerativen Gelenk- und Bindegewebserkrankungen habe man mit der Behandlung gute Erfahrungen gemacht.

Einige Patienten haben eine lange Odyssee hinter sich, wenn sie zu Dr. Dieter Schnalke in die Klinik für Strahlentherapie kommen. „Mit Schmerzmitteln oder anderen Möglichkeiten der konventionellen Therapie sind die Ärzte bei diesen Patienten nicht weitergekommen. Mit der Schmerzbestrahlung haben wir dann eine gute und vor allem auch praktisch nebenwirkungsfreie Behandlungsmethode in der Hinterhand.“

Wie nebenwirkungsfrei die Strahlen wirken, weiß Dr. Dieter Schnalke anhand eines eindrücklichen Vergleichs darzustellen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient auf dem Weg zum Klinikum einen tödlichen Unfall erleidet, ist um ein Vielfaches höher als das Risiko, durch die Strahlenbehandlung einen gesundheitlichen Nachteil zu haben.“

Protonentherapie

Hoffnung für Krebspatienten bietet die Protonentherapie, wie sie am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen ihren Einsatz findet. Sie ist eine sehr moderne und präzise Form der Strahlentherapie und gilt als besonders schonend und wirksam.

Eine Strahlentherapie ist immer dann besonders verträglich, wenn der Arzt das Tumorgewebe, das zerstört werden soll, genau fokussieren kann. Der Vorteil der Protonentherapie: Die Protonen geben ihre Energie nach dem Eintritt ins Gewebe erst in geringem Maße ab. Die Energie steigert sich erst dann, wenn eine fast vollständige Abbremsung der Protonen erfolgt ist – eine kleine „Explosion“, die der Strahlenfachmann frei und vor allem auf den Millimeter genau steuern kann.

Haben die Protonen das Maximum ihrer Kraft entfaltet, fällt die Wirkung des Strahls schlagartig ab. So wird das gesunde Gewebe in der Nähe des Tumors nur minimal belastet. Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind gering. So können die Patienten in ihren Alltag zurückkehren, ohne starke Nebenwirkungen befürchten zu müssen.

Das Protonentherapiezentrum Essen hat im Jahr 2013 den Betrieb aufgenommen. Seit Mai bestehe eine Kooperation zwischen der Essener Fachklinik und der Klinik für Strahlentherapie am Klinikum Lüdenscheid, erklärt Dr. Dieter Schnalke, Leiter der Klinik für Strahlentherapie am Lüdenscheider Klinikum.

„Es ist sinnvoll, dass sich einige wenige Zentren auf diese Behandlung konzentrieren. Die Patienten, die zu uns ins Klinikum kommen, profitieren aber direkt von der Kooperation. Wenn wir glauben, dass ein Patient für Protonentherapie in Frage kommt, nehmen wir Kontakt zu den Essener Kollegen auf und stellen ihn dort vor“, erklärt Dr. Schnalke.

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