230 Fahrzeughalter in MK von Rückruf betroffen

Diesel-Skandal: Mann (45) wollte Software-Update verhindern - jetzt klagt er gegen VW

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Lange wehrte sich der Lüdenscheider gegen das Software-Update. Er will nicht erkannt werden.

Lüdenscheid – Vier Jahre nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals klagt ein betroffener Audi-Fahrer aus Lüdenscheid gegen den VW-Konzern. Das Besondere dabei: Der Lüdenscheider verlangt die Rückerstattung des vollen Kaufpreises seines gebrauchten Audi A3.

Die Nutzung des Fahrzeugs dürfe hier nicht angerechnet werden, weil der Kunde schon beim Kauf getäuscht wurde, ist der Kläger überzeugt. Die Verhandlung vor dem Landgericht Hagen findet am kommenden Mittwoch statt. Es ist der vorläufige Höhepunkt im Kampf des 45-Jährigen um Gerechtigkeit und sein Auto. 

Der Kauf 

2014 erwirbt der Lüdenscheider den Audi A3 als Gebrauchtwagen– einen sauberen, sparsamen 2.0 TDI Diesel mit 140 PS. Als Vielfahrer, der rund 30 000 Kilometer im Jahr auf deutschen Straßen unterwegs ist, ist er auf Anhieb zufrieden. Mit einer Tankfüllung schafft das Auto 1 000 Kilometer. Der Verbrauch: gut 5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. 

Der Skandal 

Im September 2015 wird bekannt, dass der VW-Konzern einzelne Diesel-Modelle mit einer illegalen Abschalteinrichtung versehen hatte. Dadurch wurden die Stickoxid-Grenzwerte nur auf dem NEFZ-Prüfstand erreicht, unter realen Fahrbedingungen jedoch nicht. Betroffen ist der Diesel-Motor EA189, der unter anderem in VW-, Audi- und Seat-Modellen verbaut wurde. Der Lüdenscheider verfolgte die Nachrichten aufmerksam. Eine Woche später wusste er: Auch in seinem A3 brummt dieser Motor. 

Der Rückruf 

2017 bereiten VW und Audi einen Rückruf aller Fahrzeuge mit dem betroffenen Motor vor. 230 Fahrzeughalter im Märkischen Kreis werden angeschrieben, darunter auch der 45-Jährige aus Lüdenscheid. Er solle sein Fahrzeug in eine Audi-Werkstatt bringen, dann werde kostenlos ein Software-Update aufgespielt, teilte ihm der Autobauer mit. „Das erste Schreiben war noch freundlich“, sagt der Lüdenscheider. Als er das erste ignoriert, wird das Unternehmen deutlicher. Bei Nicht-Teilnahme könne das Fahrzeug stillgelegt werden. 

Die Zweifel 

In Audi-Foren im Internet informiert sich der A3-Fahrer, was ihn erwartet. Dort liest er auch von Kritik an dem Software-Update. „Einige Autofahrer waren unzufrieden. Sie bemängelten nach dem Update einen höheren Spritverbrauch, ein geändertes Fahrverhalten und weniger Leistung. Das machte mir Angst“, erzählt der Lüdenscheider. Für ihn steht danach fest: „Dieses Update lasse ich nicht machen.“ 

Die Behörden 

Während sich der 45-Jährige weiterhin guter Fahrleistungen seines A3 erfreut, schaltet sich das Kraftfahrtbundesamt (KBA) im Dezember 2017 ein und erklärt eindringlich, dass dem Rückruf unbedingt Folge zu leisten ist. Im April 2018 überträgt das KBA den Fall an den Märkischen Kreis als zuständige Zulassungsbehörde. Der Spieß wird umgedreht: Weil der Lüdenscheider den Rückruf auch weiterhin ignoriert, befindet sich aus Sicht der Behörde nun sein Fahrzeug in „ordnungswidrigem Zustand“. Im November 2018 wird ihm der Betrieb seines A3 auf öffentlichen Straßen untersagt. Der Lüdenscheider klagt gegen die Ordnungsverfügung des Märkischen Kreises vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg und verliert. Die anfallenden Gebühren in Höhe von mehreren hundert Euro muss er bezahlen. 

Der Zwang

Im Februar 2019 greift der Märkische Kreis zur Ultima Ratio – die Festsetzung von unmittelbarem Zwang. Kurz bevor seine Kennzeichen von einem Kreis-Mitarbeiter zwangsentstempelt werden, knickt der Lüdenscheider ein. Er lässt das Software-Update bei Audi jetzt doch durchführen. Sein A3 entspricht als eines der letzten betroffenen Fahrzeuge in Deutschland wieder den Vorgaben der Behörden. 

Die Folgen 

Seit dem Software-Update ist der Audi-Fahrer Stammgast in der Werkstatt. Rund 150 Kilometer weniger weit kommt er nach eigenen Angaben nun mit einer Tankfüllung. Besonders auffällig ist für ihn der Ausstoß von dichtem grauen Rauch. Der 45-Jährige fühlt sich im falschen Film: „Mein Audi ist eine richtige Dreckschleuder geworden. Mir tun die Leute leid, die hinter mir herfahren. Ich habe den Eindruck, dass das Auto seit dem Update die Umwelt mehr verpestet als vorher.“

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