Nur mit Termin und nur ein Mensch pro Termin

Für diese Ärzte sind Coronaviren das Tagesgeschäft

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Hygiene- und Abstandsregeln gelten nicht nur für die Tierhalter, sondern auch für die Ärzte und ihre Mitarbeiter. In allen Praxen gilt: ein Mensch pro Tier. „Familienausflüge“ zum Tierarzt sind gerade in diesen Zeiten nicht gerne gesehen.

Lüdenscheid - Einfach beim Tierarzt vorbeifahren und das Tier behandeln lassen, geht im Moment nicht. Auch die Tierärzte werden durch die Corona-Krise in ihrem Alltag eingeschränkt. So gibt es zum Beispiel nur noch eine Termin-Sprechstunde. 

Eine dicke Zecke hat sich am Hals von Terrier Felix festgebissen. Mit der Pfote versucht er den lästigen Parasiten loszuwerden. Dann kommt ihm sein Frauchen zu Hilfe, entfernt die Zecke und säubert die kleine Wunde. Nicht immer gelingt das reibungslos. Dann wäre Felix um einen Besuch beim Tierarzt nicht herumgekommen. Doch einfach vorbeifahren und das Tier behandeln lassen, geht im Moment nicht, denn auch die Tierärzte werden durch die Corona-Krise in ihrem Alltag eingeschränkt.

„Bei uns gibt es nur noch eine Terminsprechstunde“, erzählt Tierärztin Jennifer Rohloff. Und das ist nicht nur bei ihr so, sondern auch bei den anderen Tierarztpraxen der Stadt. „Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall“, nennt Dr. Uwe Peuser die Ausnahme. Eine offene Sprechstunde, die sonst in vielen Praxen zu bestimmten Zeiten üblich war, kann es derzeit nicht geben. Die Corona-Krise zwingt auch die Tierärzte zum Umdenken und vor allem zur Neuordnung ihres Praxisablaufs. „Bei uns dürfen sich maximal zwei Tiere mit ihren Haltern zeitgleich in der Praxis aufhalten“, erklärt Dr. Lydia Riepe. Wartezimmer mussten vergrößert oder sogar verlagert werden, ohne Mundschutz darf kein Tierhalter die Praxen betreten und auch das Thema Handdesinfektion spielt eine große Rolle. Die Zeitintervalle für die Terminvergabe wurden in allen Praxen vergrößert.

Hygiene- und Abstandsregeln gelten nicht nur für die Tierhalter, sondern auch für die Ärzte und ihre Mitarbeiter. Gerade Erstere sind für die Mediziner nicht erst seit Corona Alltag – auch wenn sie durch Visiere oder Spuckschutzwände noch einmal erweitert wurden. Neu sind Diskussionen mit den Tierhaltern. Etwa darüber, wie viele Familienmitglieder das Tier zur Behandlung begleiten dürfen. In allen Praxen gilt: ein Mensch pro Tier. „Familienausflüge“ zum Tierarzt sind gerade in diesen Zeiten nicht gerne gesehen. „Das ist nicht immer einfach“, weiß Jennifer Rohloff und erzählt von schwierigen Fällen wie Notoperationen oder der Euthanasie.

Wie in der Humanmedizin beobachten auch die Tierärzte, dass viele Tierhalter später als sonst den Weg zu ihnen finden. „Ein Tier kann nicht sagen, wo es weh tut“, sagt Jennifer Rohloff und rät Tierhaltern, die Situation einzuschätzen, wie bei sich selbst. „Würde ich damit zum Arzt gehen?“

Dr. Lydia Riepe plant ihre Sprechstunde auch nach der Dringlichkeit der Fälle: „Was muss sein, was kann warten?“ Wie das aussehen kann, erklärt Dr. Peuser: „Wenn Impfungen notwendig sind, impfen wir auch jetzt“, sagt er. Routine-Operationen schränken die Tierärzte derzeit allerdings ebenso ein, wie Hausbesuche, physiotherapeutische Behandlungen und eher kosmetische Maßnahmen wie das Schneiden von Krallen und das Scheren verfilzten Fells.

Dr. Uwe Peuser untersucht Lena. „Viele haben Probleme mit den Masken, die wir tragen.“ Den Tieren gehe die Möglichkeit verloren, menschliche Mimik zu deuten.

Fälle, bei denen Tiere sich mit dem Coronavirus infizierten, kennen alle Tierärzte gut. „Das Virus ist seit 50 oder 60 Jahren bekannt“, weiß Jennifer Roholff. „Coronaviren sind unser Tagesgeschäft“, sagt auch Dr. Peuser und erklärt, dass etwa die bei Katzenhaltern gefürchtete „FIP“, eine tödlich verlaufende Bauchfellentzündung, durch das Virus ausgelöst wird. „Das Coronavirus schlägt mannigfaltig zu“, berichtet Dr. Riepe, die auch schon Fälle von durch Coronaviren ausgelösten Durchfallerkrankungen bei Rindern in ihrem Praxisalltag gesehen hat. Der spezielle Fall einer Covid19-Infektion ist jedoch noch in keiner der Lüdenscheider Tierarztpraxen vorgekommen. Trotzdem sind viele Tierhalter beunruhigt, ob sie sich über ihr Tier oder ihr Tier an ihnen anstecken können. „Ich habe weder von einer Mensch-Haustier- noch von einer Haustier-Mensch-Infektion gehört oder in der Fachpresse gelesen“, versucht Dr. Peuser zu beruhigen.

Der Verunsicherung vieler Tierhalter durch Berichte über infizierte Tiere, wollen die Tierärzte mit der richtigen Aufklärung entgegenwirken. „Man muss schon schauen, woher die Berichte stammen“, sagt Tierärztin Rohloff und rät dazu, die Quellen zu kontrollieren. Allgemein raten sie zudem, auch beim Umgang mit dem Haustier die Hygieneregeln zu beachten, um sich und das Tier gleichermaßen zu schützen.

Und die Tiere selbst? Die können zwar nicht sprechen, zeigen aber dennoch sehr deutlich, wie sie durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beeinträchtigt werden. „Viele haben Probleme mit den Masken, die wir tragen“, erzählt Rohloff. „Sie stehen verängstigt auf dem Tisch, denn auch ihnen geht jetzt die Möglichkeit verloren, unsere Mimik zu deuten.“

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