„die daktiker" stellen im Roten Saal ihr neues Stück vor

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Trägt schauspielerisch das Stück: Hans-Peter Königs (in mehreren Rollen), hier als Oberstudienrat Karl-Eduard Krick – Latein und Deutsch.

Lüdenscheid - Plaudereien – in diesem Fall nicht aus dem Nähkästchen, sondern aus dem Lehrerzimmer: Aufgebaut war jenes im Roten Saal des Kulturhauses, und darin tummelte sich das Quartett „die daktiker“, nach eigenen Aussagen Deutschlands ältestes Lehrerkabarett.

Von Jutta Rudewig

Einmal mehr hatte sich die Gruppe Gedanken um ihr fiktives Gymnasium „Adolphinum“ gemacht und die achte Auflage eines Kabaretts mit nach Lüdenscheid gebracht – „Adolphinum - all inclusive, keiner bleibt zurück“. Im Saal: „80 Prozent Lehrer und 20 Prozent, die was mit Schule zu tun haben“, war seitens des Veranstalters zu hören.

Wie dem auch sei: Didaktik ist die Theorie des Lehrens und Lernens. Theoretiker sind es aber nicht, die da auf der Bühne im Roten Saal standen. Eher selbst tagsüber Lehrkräfte an verschiedenen Schulformen und abends Kabarettisten durch und durch.

Andreas Boxhammer, Hans-Peter Königs, Brigitte Lämbgen und Hermann-Josef Skutnik sind die „daktiker“. 1984, so ist nachzulesen, begann das kabarettistische Quartett mit einem bunten Abend für Mitreferendare. Man wollte sich den Frust über Dienstvorschriften, Eltern, Schüler und Kollegen aus dem Leib lachen.

Seit Ende der 90er-Jahre konzentrieren sich die „daktiker“ auf ihr „Adolphinum“, auf den Lehrkörper, auf die Bezirksregierung und natürlich auch auf die schulischen Toilettenanlagen. Mit spitzer Zunge nehmen sie die ganz realen Probleme und den völlig normalen Lehreralltag aufs Korn.

Hans-Peter Königs, Andreas Boxhammer und Brigitte Lämbgen als pubertierende Schüler, die sich mit Fontane auseinandersetzen müssen.

„Inklusion“ heißt diesmal das übergreifende Thema, koste es, was es wolle. Keiner darf zurückbleiben, auch die imaginäre „Lilli“ nicht, die nur mittels einer Jacke und eines Bilderbuches zum Ausmalen am Deutschunterricht der Mittelstufe teilnimmt. Theodor Fontanes lyrisches Epos „John Maynard“ gilt es zu interpretieren und dabei gleich die Deutschstunde zu dokumentieren. Immerhin will das Gymnasium „Modellschule des gemeinsamen Lernens“ und der kommissarische Schulleiter Willi R. Lass (Andreas Boxhammer) endlich auf den ersten Platz vorrücken.

Doch der leitende Oberregierungs-Schuldirektor Letzky (Hans-Peter Königs) und dessen Adlatus beharren auf den Regeln des Schulgefüges: „Schaffen Sie ein Wir-Gefühl und dokumentieren Sie alles, dann klappt das mit der Modell-Schule für gemeinsames Lernen.“

Nach dieser Zielansprache sind die Regierungsgewaltigen nicht mehr zu sprechen. In der telefonischen Warteschleife läuft als Running Gag Pink Floyds „Another Brick in the Wall“. Brigitte Lämbgen gibt die Gleichstellungsbeauftragte Hilde Lengowski, Hermann-Josef Skutnik den Kollegen Volker Müller-Liebenstreit, der mit aufmüpfigen Schülern, einem Betrugsversuch und elterlicher Einflussnahme zu kämpfen hat.

Getragen wird das Stück von der Glanzleistung Hans-Peter Königs’. Über ihn können auch die handverlesenen Nicht-Lehrer im Saal herzlich lachen, wenn er da so sitzt, den Schüler Dustin Dickspeller gibt und über die jüngste Klassenfahrt nach London referiert. Das Quartett ist am Samstag ab 20 Uhr mit dem gleichen Stück in Altena (Burg Holtzbrinck) zu sehen.

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