Der Wahlkreis 149 (Olpe/Märkischer Kreis I)

Die Bundestagskandidaten: Der Wandersmann und Kegelbruder Florian Müller

Bundestagsabgeordneter Müller am Biggesee
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Florian Müller in seiner Heimat am Biggesee in Olpe: „Nischen besetzen! Immer so, dass die Region profitiert.“

Im Wahlkreis 149 (Olpe/Märkischer Kreis I) bewerben sich neun Kandidaten um das Bundestagsmandat. Einer davon ist Florian Müller. Der Drolshagener kandidiert für die CDU.

Kreisgebiet – Eigentlich hat im Kalender für die Verabredung „Marktplatz Drolshagen“ gestanden. Drolshagen ist die Stadt von Florian Müller. Hier ist der CDU-Kandidat, der schon bald den Wahlkreis 149 (Olpe/Märkischer Kreis I) in Berlin als gewählter Direktkandidat vertreten dürfte, zu Hause. Doch für einen Rundgang durch die Heimatstadt des Kandidaten ist es an diesem Tag zu nass. Das Bootshaus in Olpe ist auch ein schöner Ort.

Müllers Konterfei ist im Moment von Lennestadt bis Halver flächendeckend auf Wahlplakaten zu sehen. Es ist das freundliche Gesicht eines in der Tat jungen Mannes. Ins Bootshaus kommt er ohne Sakko. Jeans, Hemd, sportliche North-Face-Jacke. Privatmann Müller. Und es soll ja auch um den Menschen Florian Müller gehen, nicht so sehr um den Politiker. „Mensch Müller!“, sagt er und lacht.

Ihm gefällt der Gedanke, so wie ihm der Gedanke gefallen hat, durch den Wahlkreis zu wandern und so in den Austausch mit den Menschen zu kommen. Eine Wanderung pro Kommune, vorher eine Betriebsbesichtigung und nachher eine Bratwurst vom Grill, die er den Bürgern kredenzt. „Das Wandern ist des Müllers Lust“ ist die Aktion auf seiner eigenen Internetseite überschrieben. Gutes, altes deutsches Liedgut im Wahlkampf eines 33-Jährigen, das ist, nun ja, bemerkenswert. Und auch, dass er die Kilometer seiner Touren nicht gezählt hat in einer Zeit, in der jeder Zweite einen Fitness-Tracker am Handgelenk trägt. Aber den Zweck haben die Touren erfüllt, er sei ins Gespräch gekommen und habe, stellt er fest, viel Zuspruch erhalten.

Die Bundestagskandidaten: Der Wandersmann und Kegelbruder Florian Müller

Florian Müller ist der Favorit in einem Wahlkreis, in dem die direkt gewählten Kandidaten noch nie von einer anderen Partei als den Christdemokraten kamen. Er ist aber auch der Youngster unter den neun Bewerbern, aber trotz seiner erst 33 Lenze ist Müller schon irgendwie bundestagserfahren und in Berlin bekannt. Viereinhalb Jahre lang hat er das Büro des nun scheidenden Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Heider aus Lüdenscheid geleitet. Nun will er quasi das Erbe seines ehemaligen Chefs antreten.

Eigentlich aber soll es ja gar nicht um Politik gehen an diesem Nachmittag am Biggesee. Das klappt natürlich nicht ganz, aber doch ein Stück weit. Geboren in Attendorn, aufgewachsen in Drolshagen, als Kind mit dem Opa den Wald erkundet und bald den Steinbruch. Später die Mofa-Zeit, aber „immer nur hintendrauf. Ich hatte ja keinen Führerschein.“ Müller erzählt davon, dass dann bald das erste Radler geschmeckt habe, und später das erste Bier. Eine typische Jugend auf dem Dorf.

Zur Politik hat er in der neunten Klasse gefunden, mit anderen Kollegen seines Jahrgangs am St.-Franziskus-Gymnasium in Olpe, an dem er später sein Abitur gemacht hat. „Es war 2002. Wir waren mit der Wahl unzufrieden. Stoiber hatte gegen Schröder verloren. Es war die Zeit der von Rot-Grün verursachten Massenarbeitslosigkeit. Wir haben uns gefragt: Wo ist die Perspektive für junge Menschen?“

Jetzt geht es nicht mehr darum, den Hintergrund zu bedienen. Jetzt geht’s darum, selbst die Entscheidungen zu treffen: für die Region!

Florian Müller über seine mögliche Zukunft in Berlin

Politik und ehrenamtliches Engagement – überraschend war diese Entwicklung nicht im Hause Müller. Vater und Mutter sind CDU-Mitglieder, wenngleich der Vater aus Protest gegen den Irak-Krieg irgendwann sein Parteibuch zurückgab. Inzwischen aber ist auch er wieder dabei. Dazu der Vater Kommunionhelfer und Schiedsmann, der Bruder bei der Feuerwehr. „Ehrenamt hat immer eine Riesenrolle gespielt“, sagt Florian Müller, „aus intrinsischer Motivation heraus. Es hieß dann immer: Ich mach’ das!“

So hat Florian Müller seinen Weg gemacht. Immer neu überrascht von den Aufgaben, die an ihn herangetragen wurden, die er dann aber letztlich immer gerne übernommen hat. „Es hieß immer: Florian, mach du das doch! Und ich habe mich nie gewehrt…“ Angefangen vom Beisitzer in der JU Drolshagen, mit der er bald einen Beitrag zur „Mobilität für junge Menschen“ in der Region geleistet hat, wie Müller es nennt. Die JU im Kreis Olpe, sie hatte den Nachtbus mit auf den Weg gebracht. Müller ist heute Mitglied des Drolshagener Stadtrates und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes, dazu stellvertretender Vorsitzender des Olper Kreisverbandes. Er war stellvertretender JU-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen und Chefredakteur des Mitgliedermagazins der Jungen Union Deutschland. Politik als Lebensthema. „Eigentlich“, sagt er, „habe ich das nie gedacht…“

Nach dem Abitur und dem Wehrdienst in Rennerod hat Müller in Mannheim und später in Dortmund Arbeitsmarktmanagement und Personalmanagement studiert. „Mein Schwerpunkt war, wie sich Regionen beim Fachkräftemangel aufstellen können“, sagt er. Irgendwie geht es ihm immer um Regionen oder eigentlich ganz speziell: um seine Region.

Müller hat dann als Pressesprecher der Arbeitsagentur gearbeitet – und ist danach dem Ruf von Matthias Heider gefolgt. Berlin! Die Wohnung am Prenzlauer Berg. „Ich kannte Berlin nicht, und so bin ich über eine Funktion bei Immobilienscout dort gelandet. Der Weg zum Arbeitsplatz sollte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu lang sein“, erinnert er sich. So war er in diesem „urbanen, grünen, linkslibertären Milieu“ gelandet. Begeisterung klingt anders, aber Kreuzberg und Neukölln waren noch weniger in Frage gekommen.

Müller: „Berlin ist auch im Rückspiegel schön“

Florian Müller hat sich dann in der Hauptstadt verliebt – in seine heutige Frau, die auch für die CDU in der Bundeshauptstadt arbeitete. In die Stadt Berlin aber hat er sich nicht verliebt. „Klar, man hat vom Mongolen bis zum Afghanen jegliche Kulinarik“, sagt er, „aber die Unterstützung der Familie gab es da nicht. Manche schätzen die Anonymität der Großstadt. Aber Desinteresse bedeutet häufig Ignoranz. Ich habe die dörflichen Strukturen, bei denen einer auf den anderen achtgibt, vermisst.“

Müller, ehemaliger Messdiener und bis heute gläubiger Katholik („Der Kontakt zu meinem Pfarrer ist mir noch immer wichtig. Der Glaube gibt mir Orientierung, aber ich will das nicht überpolitisieren…“), ist ein Kind des Sauerlandes und wird dies wohl auch immer bleiben. „Wenn ich hierher zurückgekommen bin, ist mir immer das Herz aufgegangen“, sagt er mit überraschendem Pathos, „gerade, wenn hier richtiges Sauerländer Wetter war…“ Er sagt auch noch, dass er Orte wie Berlin und später Köln geschätzt und gemocht habe. Aber irgendwie doch nicht so nachhaltig. „Berlin ist auch im Rückspiegel schön“, sagt er, „dann, wenn auf dem Navi Drolshagen der Zielort ist…“

In den viereinhalb Jahren als Büroleiter im Jakob-Kaiser-Haus hat er gleichwohl den Betrieb gut kennengelernt in Berlin, hat praxisnah Politik studieren dürfen. „Man macht alles, was mit dem Wahlkreis zu tun hat. Die Pressearbeit, die strategische Aufstellung. Man macht die Arbeit dann besonders gut, wenn der Abgeordnete davon profitieren kann“, sagt Müller, „ich werde mich im Bundestag jedenfalls nicht mehr verlaufen. Und ich kann bei Terminanfragen sicherlich inzwischen auch unterscheiden, was der Region etwas bringt, wie man Schwerpunkte setzt.“

Nach den viereinhalb Jahren ging Müller gleichwohl nach Köln und wechselte als Referent für Strategie und Regulierung zur Lufthansa und mithin in die freie Wirtschaft. Seine Frau zog es beruflich nach Stuttgart. Und Müller von Köln aus immer wieder nach Drolshagen, immer zurück in seine Region. Inzwischen wohnt das Paar mit dem neun Monate alten Sohn komplett in Drolshagen. Und hier soll auch der Lebensmittelpunkt bleiben, selbst wenn Müller nun bald viel in Berlin gefordert sein dürfte.

„Die Leute sollen das Gefühl haben, dass ich es ernst meine“

Dass dies so sein wird, daran gibt es wenig Zweifel, aber zu selbstsicher will der Kandidat dann doch nicht sein. „Ich will das Möglichste tun, dass es klappt“, sagt er, „ich möchte, dass es keine Überraschung gibt. Aber gerade, wenn man in einer Region antritt, in der es ein großes Grundvertrauen für die CDU gibt, hat man eine hohe Verantwortung, dass die Leute sich bestätigt fühlen. Die CDU steht für Ansprechbarkeit und Präsenz, ist die Partei des ländlichen Raums. Die Leute sollen das Gefühl haben, dass ich es ernst meine.“

Für diese Region hat der Kandidat allen voran wichtige Infrastruktur-Themen (Verkehr, aber auch Digitalisierung) auf der Agenda. Auf seinen Rollentausch im Vergleich zur ersten Berlin-Zeit freut er sich. „Jetzt geht es nicht mehr darum, den Hintergrund zu bedienen“, sagt er, „jetzt geht’s darum, selbst die Entscheidungen zu treffen: für die Region!“ Er glaube nicht, dass das Alter eine Rolle spiele, sagt er, aber klar: „Ich bin neu, wie viele andere auch. Und es ist wie nach dem Abitur. Da glaubt man auch, die Welt liegt einem zu Füßen – und stellt dann fest, dass an der Uni niemand auf einen gewartet hat. Man muss sich überlegen, welches Thema behandelt man, welche Nischen besetzt man? Und immer so, dass die Region profitiert.“

Keine Frage, Florian Müller ist auch im Bootshaus im Wahlkampfmodus („Der Wahlkampf ist mir zu oberflächlich, ich würde ihn mir themenfokussierter wünschen, gerade hier in der Region…“), auch wenn es an diesem Nachmittag eigentlich um andere Dinge gehen soll. „Momentan gibt’s ja eigentlich nur Politik und manchmal ein paar Stunden frei, damit der kleine Sohn noch weiß, wer der Papa ist“, sagt Müller. Die Familie ist ihm sehr wichtig, neben dem Joggen, bei dem er sich auch mal verausgaben und den Kopf freibekommen kann, hilft ihm vor allem das Familienleben beim Abschalten.

Wahlergebnis „hoffentlich besser die Kegelstatistik“

Und sonst? Hobbys? „Ich koche unglaublich gerne“, sagt Florian Müller, „mein Vater hat das auch schon gemacht, und ich habe als kleiner Junge immer daneben gestanden.“ In der Homeoffice-Zeit hat sich Florian Müller im Haushalt Müller als Koch etabliert, auch wenn Freunde zu Gast sind. Der Freundeskreis, er ist ihm zudem wichtig. Den Kontakt hat er nie verloren. Als man in alle Richtungen ausströmte, traf man sich auch gerne weiterhin auf den Schützenfesten der Region. In diesem Kontext ist Müller heute noch eine Sache sehr wichtig, die vielleicht ein wenig altbacken daherkommt: das monatliche Treffen seines Kegelclubs. „Das ist ein wiederkehrender Termin in meinem Kalender, auf den ich mich freue, weil ich dort meine Freunde treffen kann“, sagt Müller, „ich hoffe nicht, dass das Wahlergebnis wie meine Kegelstatistik ausfällt…“

Und schließlich und endlich ist da bei den Hobbys des Kandidaten eben auch noch das Wandern. Gerne im Sauerland oder auch in der schwäbischen Hügellandschaft, der Heimat seiner Frau. Das Wandern, es ist also tatsächlich, wie es das Volkslied sagt, des Müllers Lust. Gemeinsam mit der Frau, gemeinsam durch die Region. Seine Region. Die Region, für die der 33-Jährige bald im fernen Berlin streiten will.

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