Pakettransporte durch die Luft

Unternehmer aus dem MK baut Drohnen-Airline auf

Mann mit Sicherheitsweste
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Ist von der Fliegerei und allem, was dazugehört, fasziniert: Wirtschaftsingenieur Norman Koerschulte von der Lüdenscheider KL-Group / Koerschulte + Werkverein, der in Lüdenscheid einen Drohnen-Airport aufbauen möchte.

„Wir versuchen hier, eine Drohnen-Airline aufzubauen.“ Transportdrohnen, die bestellte Waren von einer Firma zur anderen bringen, sind bei der Lüdenscheider KL-Group / Koerschulte + Werkverein keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst Realität.

Lüdenscheid - Initiator der Idee, einen Drohnen-Logistik-Service in der Bergstadt aufzubauen, ist Norman Koerschulte, Prokurist des Familienunternehmens und zuständig für die Bereiche Vertrieb, Digitales und 3D-Druck.

Gemeinsam mit seinem Vater Burkhard Koerschulte, seinem Onkel Rüdiger Koerschulte, beide Geschäftsführer der Firma, und seinem Cousin Jonas Koerschulte – gleichfalls Prokurist – leitet er das Unternehmen in vierter Generation. Auf die einfache Formel „Warum sollen wir nicht mal die Ersten sein?“ bringt er seine Idee, auf die zukunftsträchtige Lieferart zu setzen und – bislang einzigartig in Deutschland – Industriekunden mit Drohnen zu beliefern.

Mit seiner früheren Tätigkeit bei der Fluggesellschaft Germanwings erklärt Koerschulte seine Leidenschaft fürs Fliegen. „Das Thema Fliegerei hat mich schon immer fasziniert“, erklärt er.

Mit 2,10 Metern Durchmesser kann die erste Drohne sechs Kilogramm schwere Pakete transportieren.

Seit November vergangenen Jahres ist die erste Drohne der KL-Group, die ihren Stammsitz an der Wefelshohler Straße hat, im Einsatz. Erster Kunde, der beliefert wird, ist die Firma Hotset von Ralf Schwarzkopf. Das Industriegebiet und die bestehenden Verkehrsstraßen nutzt die Drohne für ihren Flug. „Die Warteliste an Kunden ist lang“, erläutert Norman Koerschulte, dem es wichtig ist, seine innovative Idee in Lüdenscheid und nicht in einer Großstadt zu verwirklichen. „Wir wollten unseren Wurzeln treu bleiben“, sagt er.

Momentan ist er dabei, die nächsten 20 Flugstrecken aufzubauen. Zuerst über Lüdenscheid, dann deutschland- und europaweit. „In Deutschland sind wir damit am weitesten.“ Wie er sagt, ist die KL-Group derzeit das einzige Unternehmen in Deutschland, das von der Landesluftfahrtbehörde die Genehmigung für Transportdrohnenflüge besitzt.

Erste Drohne kommt aus Bielefeld

Auf die Idee, sich auf Zukunftsterrain zu wagen und die Vision Realität werden zu lassen, kam Norman Koerschulte über Kontakte durch das 3D-Drucknetzwerk Rapid3D und Drohnen-Hersteller, die über die 3D-Druck-Plattform des Hauses Bau- und Ersatzteile bestellten. Erste Pläne nahmen Gestalt an, Kontakte zu Drohnen-Herstellern wurden hergestellt.

Den geeigneten Partner für sein ehrgeiziges Vorhaben fand der Lüdenscheider in Bielefeld, wo er die erste Drohne bauen ließ, die einen Durchmesser von 2,10 Metern hat und Pakete von einem Gewicht bis zu sechs Kilo transportieren kann. Zur Finanzierung holte er sich die Volksbank mit ins Boot.

Eine größere Drohne, die nach den Sommerferien den Dienst aufnimmt, soll Zehn-Kilo-Pakete transportieren. „Wir möchten eigentlich jede Drohne fliegen“, bringt Norman Koerschulte seine Vision von einem Drohnen-Airport auf den Punkt. „Wir möchten das hier etablieren.“ Es gebe Bedarf für Einsatzmöglichkeiten wie schnelle Bluttransporte oder Medikamentenlieferungen.

Für den Flugbetrieb der Drohnen hat die Firma im eigenen Haus eine Leitstelle eingerichtet und mittlerweile vier Drohnen-Piloten ausgebildet. Der Azubi des Hauses gehört ebenso dazu wie Geschäftsführer Burkhard Koerschulte, Norman Koerschultes Vater und der Ideengeber selbst. „Die Drohnen werden über die Bildschirme gesteuert.“

Sicherheit bei den Flügen ist für das Unternehmen oberstes Gebot. „Wenn das Wetter nicht passt, bleibt die Drohne auch am Boden.“ Lüdenscheider Nieselregen ist für die fliegenden Paketboten, die vom Lagerdach des Unternehmens aufsteigen und sechs Meter pro Sekunde zurücklegen, jedoch kein Problem. „Technisch könnte die Drohne sogar 120 km/h fliegen.“

„Eine enorme Zeitersparnis“

In 70 m Höhe ist die Drohne unterwegs – ohne Stau, ohne Ampel und andere Hindernisse. „Das ist eine enorme Zeitersparnis.“ Positives Feedback hat Norman Koerschulte bisher für seine fortschrittliche Idee erhalten. In der Region mit der Fachhochschule Südwestfalen, an der er selbst studiert hat, sieht er für Zukunftstechnologien „enormes Potential“.

Was ihn freut: Zum 15. Tag der Deutschen Luft- und Raumfahrtregionen Ende September in Aachen hat die KL-Group bereits eine Einladung erhalten – neben den Großen der Branche. Im Rahmen des „Albert“-Projekts der Wirtschaftsjunioren schweben dem Unternehmer zudem Drohnenworkshops für Kinder vor.

Land NRW fördert Drohnenprojekte

Die Firma Karl Koerschulte ist Teil des Drohnenprojekts Drone4Parcel5G, das im Rahmen des Wettbewerbs 5G.NRW eine Förderung von bis zu 1,6 Millionen Euro vom Land erhält. Federführend bei dem Projekt ist die Fachhochschule Südwestfalen. Neben dem Lüdenscheider Unternehmen sind unter anderem die Noweda eG (Essen), die Airrobot GmbH & Co. KG (Arnsberg) an der Erforschung der neuen Transporttechnik beteiligt. Es geht darum, ein System zur Planung und Bewegungssteuerung von Drohnen zu entwickeln. Dabei soll sowohl die Kommunikation zwischen Drohne und Basisstation als auch von Drohne zu Drohne analysiert werden. Insgesamt fördert das Land in einem zweiten Durchgang des Wettbewerbs 24 innovative Projekte mit bis zu 36,8 Millionen Euro.

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