Deutsche Waffeln in Afrika

Diese jungen Afrikaner freuen sich über die Spende des SC Lüdenscheid: Sabine Drescher hat Trikots, Stutzen, Shorts und Fußbälle in Ghana übergeben.

MÄRKISCHER KREIS ▪ „Ich liebe Westafrika, die unglaubliche Gastfreundschaft, die Freude und die Dankbarkeit für Dinge, die für uns ganz normal sind.“ Wenn Sabine Drescher über Ghana und Sierra Leone spricht, leuchten ihre Augen. Da lag es nahe, dass sie ihre „Auszeit“ zwischen der Tätigkeit als Kreisverbandssekretärin des CVJM-Kreisverbandes Lüdenscheid und der Arbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Lösenbach-Brügge genutzt hat, um erneut nach Westafrika zu reisen.

Sie besuchte Freunde und Bekannte in Ghana und Sierra Leone, aber sie war vor allem in offizieller Mission der Weltdienstarbeit des CVJM unterwegs. Sabine Drescher besuchte Projekte des YMCA in Afrika, die vom Märkischen Kreis aus unterstützt werden. Sie schulte Mitarbeiter insbesondere in der Frauen- und Mädchenarbeit, leitete Gruppenstunden und tourte im Auftrag der afrikanischen YMCA durch die Länder, um einen Beitrag zur Vernetzung seiner Arbeit in den Schulen zu leisten. Treffen, Spiele, Themen – die aus deutscher Sicht ganz normale Gruppenarbeit des CVJM finde als Zusatzangebot in Schulen statt, erzählt Sabine Drescher. So leitete sie während ihrer Reise manche Gruppenstunde.

Renate Boer aus Lüdenscheid begleitete Sabine Drescher für einen Teil der Reise. Beide Frauen sind mit vielfältigen Eindrücken zurückgekehrt, sowohl was die Arbeit des YMCA als auch den Alltag der Menschen angeht. Ganz frei bewegen konnten sich Sabine Drescher und Renate Boer nicht. Sie waren immer in Begleitung afrikanischer Gastgeber, damit sie nicht zu sehr bedrängt würden. Oft seien die Afrikaner am Anfang sehr reserviert gewesen, erzählen sie, weil die Besuche einen sehr offiziellen Charakter hatten, „erst später sind sie aufgetaut.“ Ein richtig spannendes Erlebnis war das gemeinsame Waffelnbacken in einer Frauengruppe. Die Waffeleisen waren Geschenke aus dem Märkischen Kreis, und so unternahm Renate Boer den Versuch, auf einem Markt Mehl zu kaufen, was sich als große Herausforderung entpuppte – es war schwer zu kriegen und teuer. Aber die Waffeln sorgten schließlich für Begeisterung bei den Afrikanerinnen. ebenso wie der Möhreneintopf, den Renate Boer bei anderer Gelegenheit präsentierte. Wurst und Käse sind in Afrika Luxus, für Gäste gibt es Huhn.

Allgegenwärtig sei der Fußball – selbst deutsche und englische Ligen würden im Fernsehen verfolgt. So kamen die Trikots aus Lüdenscheid, die Sabine Drescher als Spende des SC Lüdenscheid übergab, sofort zum Einsatz – die jungen afrikanischen Kicker waren sehr stolz darauf. Allgegenwärtig sei auch der christliche Glaube der sehr armen Menschen, erzählen die Lüdenscheiderinnen. Er sei wesentlicher Bestandteil des Alltags und für den Kirchenbesuch am Sonntag würde festlichste Kleidung herausgesucht, zum Beispiel strahlend weiß, obwohl es überall staubig sei und niemand eine Waschmaschine hätte, stellte Renate Boer fest.

Ganz nebenbei haben die Ashanti, ein großer Stamm in Ghana, Sabine Drescher zur designierten Nachfolgerin ihres deutschen Häuptlings Fritz Pawelzik gekürt – sie soll nach seinem Tod „Queenmother“ werden. Pawelzik, der sich als CVJM-Mitarbeiter und Entwicklungshelfer einen Namen gemacht hat und auch im Märkischen Kreis bekannt ist, ist ein langjähriger Freund von Sabine Drescher. Voraussetzung für die Auszeichnung ist: „Du musst nur wieder nach Afrika kommen“ – das tut sie gerne. ▪ gör

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare