„Deutsche“ Griechen klagen über das System

LÜDENSCHEID ▪ In Griechenland kocht die Stimmung hoch. Die Einsparungen, die die Regierung durchsetzen will, um die Forderung der EU zu erfüllen, treiben die Menschen auf die Straße. Wir haben seit Jahren in Lüdenscheid lebende Griechen gefragt, wie sie die Situation sehen.

Alle machen sich Sorgen um Angehörige, Freunde oder Bekannte. Sie haben Verständnis für die Menschen, die verzweifelt sind, weil sie von Renten und Arbeitslosengeld nicht leben können. Kein Verständnis haben sie für Hetzparolen gegen die Deutschen. Vielmehr herrscht bei den Befragten Einigkeit darüber, dass das komplette politische und wirtschaftliche System in Griechenland krankt.

Manche äußern sich auch kritisch wegen der Milliardenhilfen. Ioannis Soultanidis, selbst Unternehmer mit dem Hellas-Reisebüro, meint, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, dass die „Schwerindustrie“ Griechenlands, der Tourismus, in Bewegung käme, damit die Menschen Arbeit finden. Es müsse nicht sein, dass die Hotels im Lande nur ein halbes Jahr geöffnet seien. Evangelia Kasdanastassi, im Integrationsbeirat engagiert, warnt vor blindem Aktionismus, der durch den Druck der EU entstehe. Das System müsse von Grund auf geändert werden, dazu müsse man methodisch vorgehen, mit konkreten Konzepten, welche Ziele bis wann erreicht werden müssen. Kosta Pantazis, Vorsitzender des Vereins der Griechen aus Epirus, macht sich Sorgen um seine Angehörigen und fürchtet, dass der Druck aus Europa zu groß sein könnte: „Die Menschen werden nichts zu essen haben.“ Auch er gibt den Politikern die Schuld an der Situation, die viel zu lange die Wahrheit verschwiegen und immer neue Schulden gemacht hätten.

Außerdem war zu hören, dass es viele Griechen gibt, die das Land verlassen. Auch in Lüdenscheid suchten bereits viele Arbeit.

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