Vor dem Achtelfinale in Lüdenscheid

Deutsch-englische Familie aus MK: Zwillinge teilen Herzen 60:40 auf 

Euro 2020 Wembley Stadion London
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Das Wembley-Stadion in London: Der Lüdenscheider Dr. Mark Browning und seine Familie fiebern mit.

Dr. Mark Browning, Lehrer für Englisch und Medienpädagogik am Zeppelin-Gymnasium, wird den Anpfiff im Wembley-Stadion am Dienstag mit der Familie vor dem Fernseher verfolgen – mit vielen Süßigkeiten als Nervennahrung und, wie gesagt, Hoffnung im Herzen. Doch nach fast 20 Jahren in Deutschland ist der Abstand zum Mutterland so gesund, dass er sich eher für den Sport interessiert als für glühenden Patriotismus.

Lüdenscheid – „Das Spiel und die beste Mannschaft zählt“, sagt er gelassen. Beide Teams hätten ihre Stärken und Schwächen. In beiden Fällen gebe es eine junge Mannschaft mit ein paar erfahrenen Spielern. Für einige von ihnen könnte dieses Spiel „ein großes Goodbye“ werden, schätzt er, in gewisser Weise das Ende einer Ära. Auch deshalb vermutet der Brite: „Es könnte nervös sein.“

Browning jedenfalls hofft auf Harry Kane, der vermutlich seine letzte Chance auf einen EM-Titel habe; Raheem Sterling hingegen findet er „komisch“: sehr aggressiv, ein echter Kämpfer, sehr leidenschaftlich. Aber eben komisch.

Auf deutscher Seite hat der verhaltene Fan Respekt vor Manuel Neuer: „Der ist gut. Leider.“ Und weiter: „Es wäre nett, wenn Müller gut spielen könnte“, blitzt ein wenig von der Spannung auf, die im Hause Browning herrscht. Denn seine Frau ist Deutsche, das Zwillingspaar (19) hat seine Herzen 60:40 zwischen Deutschland und England aufgeteilt. Aber Brownings haben noch einen Trumpf im Spiel: die Italiener. Das Sehnsuchtsland der Eheleute ist auch auf dem Spielfeld gerade mitreißend. Es bleibt also spannend: „Wir haben viele Optionen, aber keine Nerven. Es ist egal.“

Wenig Unterstützer nach Wembley

Dass die englische Presse gerade vor einem Traditionsspiel wie diesem im Wembley-Stadion gerne mit Kriegsvergleichen stichelt, findet Browning von gestern. Der 54-Jährige ist überzeugt: „Meine Generation sieht Deutschland ganz anders. Deutschland ist ein modernes Land, eine sehr ‘forward looking nation’.“

Etwas schade findet er, „dass so wenige deutsche Unterstützer nach Wembley dürfen“. Aber es sei natürlich sehr viel ungefährlicher, sich mit dem Blick auf den Fernseher zufrieden zu geben. Doch sich mit Fußball endlich einmal ablenken zu können, sei gut: „Die Leute haben Hunger auf andere Themen als Corona.“ Wie also würde der Engländer auf den Spielausgang wetten? „2:1 für England – wenn Neuer schläft und vielleicht mit etwas Hilfe von Hummels.“ Bei einem Elfmeterschießen „sind die Briten ohne Chance“. Bis dahin gilt: „May the best team win.“

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