Deutlich mehr psychische Erkrankungen

Dirk Heppe, Chef der DAK-Gesundheit in Lüdenscheid, und Dr. Rainer Quakulinski-Berninghoff vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Lüdenscheid, (v.l.) stellten den DAK-Gesundheitsreport 2012 vor. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Der Krankenstand im Sauer- und Siegerland ist im Vorjahr erneut gestiegen. Und: Immer mehr Menschen fallen aufgrund einer psychischen Erkrankung aus. Diese „erschreckende Entwicklung“ geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor.

Diesen stellten Dirk Heppe, Leiter der DAK-Gesundheit in Lüdenscheid, und Dr. Rainer Quakulinski-Berninghoff vom hiesigen Arbeitsmedizinischen Zentrum, nun vor.

„Das sind Tendenzen, die überraschen und nachdenklich stimmen“, bilanzierte Heppe und legte konkrete Zahlen vor: Laut Statistik nahm die Zahl der Ausfalltage in der Region um 0,2 Prozent zu und lag damit bei 3,7 Prozent. Das heißt: An jedem Tag des Jahres waren von 1000-DAK-versicherten Arbeitnehmern 37 krankgeschrieben. Die Region hatte damit einen höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (3,5 Prozent).

Zwar stiegen die Ausfälle bei allen Diagnosen an, den deutlichsten Anstieg gab es jedoch bei den psychischen Erkrankungen – und zwar um 30,6 Prozent. Das bedeutet aber auch, dass diese Ausfälle oftmals langwierig sind – „sie machen den Hauptanteil der Langzeiterkrankungen aus“, so Heppe weiter. „Die Höhe des Krankenstandes zeigt Handlungsbedarf auf“, verweist er auf die vielen Möglichkeiten der Prävention.

Inwieweit ein Herzinfarkt auf psychischen Stress zurückzuführen sein kann, das zeigte Dr. Quakulinski-Berninghoff auf. Denn nach wie vor sei der Herzinfarkt die zweithäufigste Todesursache in Deutschland, im Jahr 2010 starben bundesweit etwa 60 000 Personen daran. Stärker in den Fokus rücke in diesem Zusammenhang der Ansatz von psychosozialen Risikofaktoren in der Arbeitswelt. Soll heißen: Wer von einer so genannten beruflichen Gratifikationskrise betroffen ist, bei wem es also ein Ungleichgewicht zwischen „Verausgabung“ und „Belohnung“ gebe, der hätte ein doppelt so hohes Risiko an einer koronaren Herzerkrankung zu erkranken.

Wie der Mediziner weiter ausführte, wurden von den Befragten häufiger Zeitdruck, die Vermehrung des Arbeitsvolumens oder Unterbrechungen/Störungen und auf der anderen Seite nicht angemessenes Gehalt und zu wenig Anerkennung durch Vorgesetzte als häufigste Belastung angegeben. „Großes Potenzial liegt somit in der Prävention direkt in den Betrieben“, sind sich Heppe und Quakulinski-Berninghoff sicher. ▪ kes

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